Weltraumschrott Satellit stürzt am Freitag auf die Erde

Der ausgediente Forschungssatellit UARS taumelt auf die Erde zu. Ein Großteil seiner Trümmer verglüht in der Atmosphäre - doch Dutzende Teile werden am Freitag wohl auf den Boden krachen. Mitteleuropa liegt in der möglichen Einschlagzone.
Weltraumschrott: Satellit stürzt am Freitag auf die Erde

Weltraumschrott: Satellit stürzt am Freitag auf die Erde

Foto: REUTERS/ NASA

In Moskau ging bereits die Angst vor der Gefahr von oben um: Russische Medien hatten spekuliert, dass Teile eines amerikanischen Satelliten auf die Hauptstadt Moskau fallen könnten. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos gab inzwischen Entwarnung: Die Trümmer würden nicht auf bewohntes Gebiet fallen.

Die amerikanischen Kollegen sind offenbar weniger sicher. Wie die Nasa am Donnerstagvormittag bekanntgab, wird der Upper Atmosphere Research Satellite (UARS) voraussichtlich am späten Freitagabend oder in der Nacht zum Samstag deutscher Zeit auf die Erde stürzen. Wo genau, sei allerdings unklar. "Der Satellit wird zu dieser Zeit nicht Nordamerika überqueren", hieß es am Donnerstag auf der UARS-Website der Nasa  lediglich. Erst 20 Minuten vor dem Aufschlag des Satelliten sei eine präzise Vorausberechnung des Ortes möglich.

Nach bisherigen Berechnungen der Nasa könnten die Satellitentrümmer zwischen dem 57. nördlichen und dem 57. südlichen Breitengrad niedergehen; Mitteleuropa befindet sich auch in diesem Bereich. Die Russen wagen bereits eine genauere Festlegung, siedeln den Einschlag aber ganz woanders an: "Wenn wir von seiner jetzigen Bahn ausgehen, taucht UARS am 23. September gegen 22.05 Uhr MESZ unweit von Papua-Neuguinea in den Pazifik ein", sagte Oberst Alexej Solotuchin von Roskosmos nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Roskosmos behalte das mehr als sechs Tonnen schwere Stück Weltraummüll im Auge und berechne laufend die Flugbahn.

1991 stürzte Satellit auf eine Stadt

Zwar würde der defekte Satellit von der Größe eines Schulbusses beim Eintritt in die Atmosphäre auseinanderbrechen, erklärte die Nasa. Doch nicht alle Teile würden dabei verglühen. 26 Trümmer mit einem Gesamtgewicht von rund 500 Kilogramm könnten auf die Erde krachen und sich dabei über eine Strecke von 800 Kilometern verteilen. Der größte Brocken soll rund 140 Kilogramm wiegen. Angesichts der Tatsache, dass 90 Prozent der Planetenoberfläche unbewohnt sind, liege die Wahrscheinlichkeit, dass besiedelte Gebiete von den Bruchstücken getroffen werden, aber bei nur etwa 1 zu 3000.

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Weltraumschrott: Rasende Geschosse im Orbit

Foto: REUTERS/ NASA

Zu den UARS-Teilen, die auf den Erdboden gelangen, könnten laut Nasa Kraftstofftanks, Batterien und Teile der Hülle gehören. Ihre Geschwindigkeit beim Einschlag wäre ähnlich wie die von Gegenständen, die aus einem Flugzeug geworfen werden, sagte Mark Matney, Nasa-Spezialist für Weltraumschrott. Er warnte davor, die Trümmer anzufassen - sie könnten scharfe Kanten haben. Außerdem sei der Schrott "technisch gesehen" weiter Eigentum der Vereinigten Staaten.

Der Forschungssatellit UARS wurde 1991 in den Orbit geschossen, um die Ozonschicht und andere Aspekte der Erdatmosphäre zu untersuchen. Die Messungen endeten im Jahr 2005. Seitdem ist der Satellit außer Betrieb und besitzt keinen Treibstoff mehr.

Laut Matney stürzt im Schnitt einmal pro Jahr ein Flugobjekt von der Größe von UARS auf die Erde. Das bisher größte Exemplar war demnach die sowjetische Raumstation "Saljut 7", deren Bruchstücke 1991 auf eine Stadt in Argentinien fielen, ohne dass Menschen getroffen wurden. Der sechs Tonnen schwere UARS ist der größte Nasa-Flugkörper seit 32 Jahren, der unkontrolliert abstürzen wird.

Im Orbit stellen ausgediente Satelliten und anderer Weltraumschrott noch eine weit größere Gefahr dar als am Erdboden. Nach über fünf Jahrzehnten der Raumfahrt umkreisen Abertausende Gegenstände die Erde, von ausgebrannten Raketenstufen bis hin zu Handschuhen von Astronauten. Selbst kleine Teile können bei Kollisionen, etwa mit aktiven Satelliten oder Raumschiffen, enormen Schaden anrichten. Manche Experten befürchten, dass der Orbit dadurch irgendwann unbenutzbar werden könnte - und fordern inzwischen sogar Aufräumaktionen im All.

boj/mbe/AFP/dpa/AP