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24. Dezember 2011, 16:39 Uhr

Weltraumschrott

Satellit stürzt auf Straße der Kosmonauten

Es hagelt Weltraumschrott in diesen Tagen - erst in Namibia, dann Thailand, jetzt Russland. In einem sibirischen Dorf sind Reste eines Satelliten eingeschlagen. Ausgerechnet in einer Straße, die Raumfahrer ehrt.

Hamburg - In Wagaizewo gibt es eine Straße der Kosmonauten, so wie in vielen russischen Ortschaften. Ausgerechnet in dieser Straße in dem sibirischen Dorf sind nun Reste eines abgestürzten russischen Satelliten eingeschlagen.

Das Stück mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern sei auf das Dach eines Hauses in Wagaizewo gefallen, sagte ein örtlicher Vertreter nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die Straße, an der das Haus stehe, sei zu Ehren der sowjetischen und russischen Raumfahrer einst "Straße der Kosmonauten" genannt worden, ergänzte er. Wagaizewo liegt rund hundert Kilometer südlich von Nowosibirsk

Der Eigentümer des Hauses war zum Zeitpunkt des Einschlags mit seiner Frau zu Hause. Ein Behördenvertreter sagte, der Mann habe zunächst ein Geräusch gehört, dann einen Knall - und sei dann nach draußen gegangen, um nach dem Rechten zu sehen. Für den Schaden soll er nun von den Behörden entschädigt werden. Der Kommunikationssatellit war am Freitag nach einer Panne an einer "Sojus"-Trägerrakete kurz nach dem Start abgestürzt.

In den vergangenen Tagen sorgten immer wieder Meldungen über abgestürzten Weltraumschrott für Aufsehen. So wurde in Namibia eine mysteriöse Metallkugel gefunden, die aus dem Orbit stammen könnte. Auch in Thailand stürzte ein mutmaßliches Satellitenteil ab, verletzt wurde niemand.

Zahlreiche Rückschläge für russisches Raumfahrtprogramm

Bei dem in Sibirien gefundenen Fragment soll es sich um ein Teil eines abgestürzten russischen Kommunikationssatelliten handeln. Er war kurz nach dem Start wegen einer Panne an der Trägerrakete vom Typ "Sojus" vom Himmel gefallen. Russland hatte den Meridian-Satelliten zur zivilen und militärischen Kommunikation vom militärischen Raumfahrtbahnhof Plessezk ins All geschossen. Er sollte vor allem der Kommunikation von Schiffen und Flugzeugen in der Arktis dienen.

Das russische Raumfahrtprogramm musste in den vergangenen zwölf Monaten eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen. So verlor Russland drei Navigationssatelliten, einen Militärsatelliten und einen Telekommunikationssatelliten. Im August stürzte eine "Sojus"-Rakete mit dem Versorgungsraumschiff "Progress" ab. Die bemannten Flüge zur Internationalen Raumstation ISS mussten daraufhin zwei Monate lang ausgesetzt werden.

Russland ist seit dem Ende des US-Shuttle-Programms im Juli das einzige Land, das bemannte Raumflüge umsetzen kann. Eine am Mittwoch gestartete "Sojus"-Rakete mit drei Astronauten an Bord erreichte die ISS am Freitag.

lis/AFP

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