Weltraumteleskop Grüße vom Eskimo-Nebel

Nach den Reparaturen im Dezember hat das Weltraumteleskop Hubble den Betrieb wieder aufgenommen - und meldet sich mit spektakulären Bildern zurück.


Tod einer Sonne: Der Kranz des Eskimo-Nebels besteht aus Materie, die aus dem zentralen Stern herausgeschleudert wurde
AP/NASA

Tod einer Sonne: Der Kranz des Eskimo-Nebels besteht aus Materie, die aus dem zentralen Stern herausgeschleudert wurde

Hubble sei nun "besser als jemals zuvor", erklärte Nasa-Sprecher Ed Weiler. Die neuen Bilder sind die ersten Aufnahmen, seit sich das drei Milliarden Dollar teure Teleskop im November wegen technischer Probleme abgeschaltet hatte. Im Dezember hatten Astronauten der Raumfähre "Discovery" neue Gyroskope, einen neuen Zentralcomputer, einen neuen Leitsensor und einen Radiosender installiert.

Um die erfolgreiche Instandsetzung von Hubble unter Beweis zu stellen, haben die Nasa-Astronomen nun zwei "wissenschaftlich interessante und fotogene" Himmelsobjekte ins Visier genommen - einen Galaxienhaufen und den so genannten "Eskimo-Nebel", der sich um einen sterbenden, sonnenähnlichen Stern gebildet hat. Der 5000 Lichtjahre entfernte planetarische Nebel wurde von den Wissenschaftlern so bezeichnet, weil er bei der Beobachtung durch irdische Teleskope wie ein Gesicht in einer Fellkapuze aussieht.

Auf der schärferen Hubble-Aufnahme entpuppte sich das "Gesicht" des Eskimos als eine riesige Gaswolke, die vom Stern abgesondert wurde. Das "Fell" verglichen die Wissenschaftler mit einem Kranz aus gigantischen Kometen, deren Schweife wie Radspeichen vom Zentrum des Nebels wegzeigen. Von der Hubble-Aufnahme erhoffen sich die Forscher neue Aufschlüsse über die Vorgänge am Ende eines Sternenlebens. Aber auch der ästhetische Reiz des Nebels konnte die Wissenschaftler begeistern: "Von allen Aufnahmen von planetarischen Nebeln, die Hubble bislang gemacht hat, ist dieses neue Bild in seiner Schönheit unübertroffen", schwärmte der Experte Patrick Harrington von der University of Maryland.

Gigantisches Vergrößerungsglas: Der Galaxienhaufen Abell 2218
DPA

Gigantisches Vergrößerungsglas: Der Galaxienhaufen Abell 2218

Das zweite fotografierte Objekt ist ein massiver Galaxienhaufen mit dem Namen Abell 2218 im Sternbild des Drachen. Die Ansammlung von Galaxien, die zwei Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wirkt wie eine gigantische Linse im Weltraum. Das Gravitationsfeld des Galaxienhaufens vergrößert das Bild von noch weiter entfernten Galaxien, was einen Einblick in die Tiefen - und damit in die Frühzeit - des Universums erlaubt. "Zum ersten Mal können wir die innere Farbstruktur einiger sehr weit entfernter Galaxien sehen", sagte Richard Ellis vom California Institute of Technology. "Das vermittelt uns neue Eindrücke von der Beschaffenheit junger Galaxien."

Andrew Fruchter, der Leiter des Beobachtungsteams, wies besonders auf eine ungewöhnliche rote Erscheinung in der Aufnahme hin: "Dieses außergewöhnliche Objekt hat Farben, die zwei Möglichkeiten offen lassen: Entweder ist es ein seltener, extrem kalter Zwergenstern in unserer eigenen Galaxie, oder es handelt sich um eines der am weitesten entfernten Objekte, die je von Hubble aufgenommen wurden." Allerdings, so Fruchter, seien noch weitere Beobachtungen nötig, um die Identität des Objektes zu klären.



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