Weltraumteleskop Hubble erspäht Mini-Brocken

Das Weltraumteleskop Hubble hat einen Mini-Verwandten des Zwergplaneten Pluto entdeckt: Der im Durchmesser nur knapp einen Kilometer messende Winzling umkreist die Sonne in einem Abstand von 6,7 Milliarden Kilometern. Direkt sehen konnte Hubble den Zwerg allerdings nicht.

NASA/ ESA/ STScI

Pluto, der einst den Titel kleinster Planet des Sonnensystems trug, misst 2200 Kilometer, sein Mond Charon sogar nur 1200 - doch was das Weltraumteleskop Hubble nun entdeckt hat, ist viel viel kleiner: Im Kuiper-Gürtel, einem Ring aus eisigen Trümmern, der sich jenseits der Umlaufbahn des Neptun erstreckt und zu dem auch Pluto und Charon gehören, erspähte das Teleskop nun einen nur einen Kilometer großen, eher kleinen, Gesteinsbrocken.

Damit ist der noch namenlose Himmelskörper das kleinste Objekt, das jemals mit Hilfe von sichtbarem Licht im Kuiper-Gürtel entdeckt wurde - der bisherige Rekordhalter war etwa 50-mal so groß. Direkt sehen konnte Hubble den Zwerg allerdings nicht: Er verriet sich dadurch, dass er auf seiner Bahn das Licht eines von Hubble fixierten Sterns für lediglich drei zehntel Sekunden verdunkelte. Über ihre Entdeckung berichtet das Team um Hilke Schlichting vom California Institute of Technology (Caltech) im Fachmagazin "Nature".

Die wohl bekanntesten Angehörigen des Kuiper-Gürtels sind der ehemalige neunte Planet Pluto, mittlerweile als Zwergplanet eingestuft, und sein Mond Charon. Ebenso wie bei den meisten anderen Kuiper-Gürtel-Objekten liegt der Durchmesser dieser beiden allerdings weit über 100 Kilometer. Ein definitiver Nachweis von Objekten mit Durchmessern unter einem Kilometer sind hingegen rar. Zwar gibt es Messungen und Berechnungen, die darauf hindeuten, dass es sogar relativ viele davon geben könnte. Da sich diese Daten allerdings teilweise gegenseitig widersprechen, suchten Schlichting und ihre Kollegen nun nach einer Methode, die kleinen Himmelskörper möglichst direkt zu beobachten.

Eis- und Steinbrocken im Kuiper-Gürtel zerreiben kleinere Objekte

Einen kleinen Umweg mussten sie dennoch nehmen - schließlich sind die Objekte so winzig, dass sie mit Teleskopen von der Erde oder erdnahen Umlaufbahnen nicht sichtbar sind. Die Forscher bedienten sich daher dreier optischer Instrumente, mit denen Hubble navigiert: Sie erfassen sehr exakt das Licht bekannter Sterne und das Weltraumteleskop berechnet aus dessen Eigenschaften seine Position und Ausrichtung. Die These der Wissenschaftler: Zieht nun ein Objekt auf seiner Bahn um die Sonne zwischen Hubble und dem beobachteten Stern vorbei, müsste sich das Licht des Sterns kurzfristig verändern.

Um das zu testen, werteten sie Daten aus viereinhalb Jahren aus, die insgesamt 12.000 Stunden an Beobachtungszeit entsprachen. Trotz dieser riesigen Datenmenge stießen sie nur auf einen einzigen Kandidaten, der infrage kam: Das kleine Objekt scheint die Sonne auf einer nahezu kreisförmigen Bahn zu umkreisen, die um etwa 14 Grad gegenüber den Bahnen der Planeten gekippt ist. Es hat einen Radius von ungefähr 500 Metern und ist etwa 45-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde.

Die Seltenheit des Fundes bestätigt laut den Forschern eine Theorie zum Vorkommen von Kuiper-Gürtel-Objekten. Demnach gibt es kaum kleine Vertreter, weil die Eis- und Steinbrocken immer wieder zusammenstoßen und die kleineren so buchstäblich zerrieben werden.

lub/ddp



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