Weltraumteleskop Kostenexplosion bedroht "Hubble"-Nachfolger

Das James-Webb-Weltraumteleskop wird bei weitem teurer als geplant. Die Nasa muss erneut fast 1,5 Milliarden Dollar mehr ausgeben, um den Nachfolger des berühmten "Hubble"-Teleskops ins All zu bringen. Inzwischen erscheint das gesamte Projekt gefährdet.
James-Webb-Teleskop (Computergrafik): Erneut heftige Kostensteigerung

James-Webb-Teleskop (Computergrafik): Erneut heftige Kostensteigerung

Foto: AFP / Astrium

Die Nasa hat sich anscheinend gründlich verkalkuliert: Ihr neues "James Webb Space Telescope" wird nach neuen Berechnungen mindestens 6,5 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) kosten - 1,5 Milliarden Dollar mehr als bisher im Etat eingeplant. Es wäre bereits die zweite Kostensteigerung: Ursprünglich sollte das High-Tech-Gerät nur 3,5 Milliarden Dollar kosten.

Als Folge könnte sich der für Juni 2014 geplante Start um 15 Monate oder sogar noch länger verzögern, heißt es im Untersuchungsbericht  einer unabhängigen Arbeitsgruppe, der jetzt in Washington veröffentlicht wurde. Grund für das Problem sind demnach Fehler bei der Etatplanung und beim Projektmanagement der US-Weltraumbehörde. Als Konsequenz muss die Nasa jetzt nach zusätzlichen Geldquellen suchen.

Als die Pläne zum Bau des Teleskops vor mehr als zehn Jahren vorgestellt wurden, sollte es 2007 in Dienst gestellt werden. Nun wäre selbst ein auf September 2015 verschobener Start nur dann möglich, wenn die Nasa in den nächsten zwei Jahren jeweils zusätzliche rund 200 Millionen Dollar lockermachen würde, stellt das Gremium fest. Vertreter der Nasa räumten ein, dass es angesichts der schwachen US-Wirtschaft schwer sein werde, den Kongress zur Bewilligung zusätzlicher Mittel zu bewegen. Aber alle Möglichkeiten - auch innerhalb des Teleskopprogramms selbst - würden ausgeschöpft, um einen Start des Observatoriums sicherzustellen.

"Bestimmte Kostenpunkte einfach übersehen"

Die Arbeitsgruppe war im Juni auf Drängen der demokratischen US- Senatorin Barbara Mikulski eingesetzt worden, um die Hintergründe der sich abzeichnenden Kostenexplosion und Produktionsverzögerungen zu untersuchen. Nasa-Vertreter räumten Versäumnisse bei der Kostenkontrolle ein. "Wir haben bestimmte Kostenpunkte einfach übersehen", sagte der Nasa-Verwaltungsbeamte Chris Scolese. Dabei seien die Finanzierungsengpässe nicht technologischen oder bautechnischen Problemen geschuldet. "Der Fehler liegt ohne jeden Zweifel bei uns."

Nasa-Chef Charles Bolden kündigte als erste Konsequenz aus der Untersuchung eine interne Umorganisation bei der Betreuung des Projekts an. So soll ein neuer Programmmanager im Washingtoner Hauptquartier der Nasa für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen. Zugleich zeigte sich Bolden erfreut über eine positive Feststellung im Untersuchungsbericht: Demnach lässt das Projekt technisch bisher nichts zu wünschen übrig.

Neben der Nasa sind auch die Europäer und Kanadier am James-Webb-Teleskop beteiligt. So soll eine Ariane-5-Rakete der Europäischen Weltraumbehörde Esa das neue Forschungsgerät ins All befördern.

Das James-Webb-Teleskop soll das "Hubble"-Observatorium ablösen - ein schweres Erbe, denn "Hubble" hat in den vergangenen 20 Jahren enorme Erkenntnisse ermöglicht und mit seinen teils spektakulären Fotos die Wahrnehmung der Astronomie in der Öffentlichkeit entscheidend geprägt.

mbe/dpa/dapd
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