Wechselhaftes Weltraumwetter Sonnenstürme brauen sich zusammen – was bedeutet das für die Erde?
Bild einer Sonneneruption vom Solar Dynamics Observatory (SDO)
Foto: NASA / SDO / AFPFlecken auf der Sonne geben den Warnschuss: Der Stern, um den die Erde kreist, ist dann besonders aktiv. Eruptionen drohen – Energieausbrüche aus elektromagnetischer Strahlung, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und auch die Erde treffen können. Anfang Januar sind gleich drei Sonneneruptionen der X-Klasse auf der Sonnenoberfläche ausgebrochen – die höchste Stufe auf der Skala. Bisher hat keine die Erde getroffen, aber das könnte sich ändern.
Die Sonne macht immer wieder Phasen durch, in der sie mal mehr und mal weniger aktiv ist. Ein wichtiger Anhaltspunkt sind magnetische Strukturen auf der Sonnenoberfläche, die oft mit Sonnenflecken einhergehen. Wie auf einer Art solarem Förderband schwemmen gewaltige Plasmaströme diese magnetischen Felder über mehrere Jahre hinweg aus Äquatornähe zu den Sonnenpolen – und bauen so das Sonnenmagnetfeld auf, das den nächsten Sonnenzyklus prägt. An den Polen sinkt das Plasma in die Tiefe und fließt dort zurück zum Äquator. Ein Sonnenzyklus dauert etwa elf Jahre.
Gequetschtes Magnetfeld
Meist machen sich Sonnenstürme auf der Erde als Naturschönheiten bemerkbar. Sie lassen die Luft in hohen Breiten mit Polarlichtern leuchten, wo das niedrig stehende Erdmagnetfeld sie tief in die Atmosphäre eindringen lässt. Abseits der Pole schützt das Magnetfeld unseren Planeten vor den Sonnenteilchen – normalerweise.
Dieses GIF zeigt eine Sonneneruption (links oben)
Foto: SDO / NASAStarke Sonnenstürme aber quetschen das Magnetfeld, sodass elektrisch geladene Teilchen den Boden erreichen können. Im schlimmsten Fall wird die Menschheit dadurch in die technologische Steinzeit zurückgeworfen. (Mehr dazu lesen Sie hier .)
Im Juli 2012 hatte ein Sonnensturm die Erde nur knapp verfehlt. Damals schleuderte die Sonne Billionen Tonnen magnetisiertes Plasma ins All – kurz nachdem die Erde aus der Schussbahn gekreist war. Hätte der Sturm die Erde getroffen, wäre laut der Nasa wahrscheinlich alles lahmgelegt worden, das an eine Steckdose angeschlossen ist.
Derzeit ist die Sonne im Zyklus mit der Nummer 25, eine aktivere Phase als zuvor. Genaue Vorhersagen sind allerdings schwierig. Im Juli 2025, wenn das Maximum des aktuellen Zyklus erreicht sein dürfte, rechnen die Nasa und die US-Wetterbehörde NOAA mit 115 Sonnenflecken im Monat, berichtet die »Washington Post« . Doch Scott McIntosh vom Nationalen Zentrum für Atmosphärische Forschung (NCAR) und Bob Leamon von der University of Maryland sagen doppelt so viele voraus. Und der aktuelle Trend könnte ihnen recht geben.
Polarlichter auch in mittleren Breiten?
Bisher haben die jüngsten, starken Sonnenstürme die Erde verfehlt. Sie kamen aus den aktiven Regionen 3186 und 3184, die sich als Sonnenflecken bemerkbar machen. Beide liegen auf der östlichen Hemisphäre der Sonne, eine nördlich des Sonnenäquators, die andere südlich. Mit der Zeit werden sie sich aber Richtung Sonnenzentrum bewegen – und wären der Erde frontal zugewandt. Sie könnten deshalb das für die Erde relevante Weltraumwetter in den kommenden Wochen beeinflussen.
Vereinzelt soll es bereits zu Funkausfällen gekommen sein, berichtet die »Washington Post«. Die allermeisten Menschen würden diese aber nicht einmal bemerken. Ob die Sonnenstürme tatsächlich Satelliten beeinflussen werden, muss sich zeigen. Möglich wäre zudem, dass Polarlichter in den kommenden Wochen auch in mittleren Breiten zu sehen sein könnten.
Um sich gegen Sonnenstürme zu wappnen, haben die Europäische Weltraumorganisation (Esa) und die Nasa 2020 den »Solar Orbiter« gestartet. Die Raumsonde soll die Sonnenoberfläche so genau wie nie zuvor untersuchen. In Falle einer Eruption bleibt aber nur wenig Zeit zu handeln. Je nachdem wann der Ausbruch erkannt wird, erreichen die Teilchen die Erde innerhalb von acht Stunden bis zwei Tagen.