Wetterphänomen Blue Jets Astronaut fotografiert blaue Blitze

Ein Esa-Astronaut hat im All Bilder von blauen Blitzen gemacht, die bei Gewittern auf der Erde nach oben aus den Wolken schießen. Das Naturschauspiel lässt sich nur sehr selten beobachten.

Blue Jets von der ISS aus gesehen
DPA/ ESA/ NASA

Blue Jets von der ISS aus gesehen


Schon 1925 hatte sie der spätere Physiknobelpreisträger Charles Thomson Rees Wilson vorausgesagt, Sichtungen von Piloten gibt es seit Jahrzehnten: Doch noch immer sind Film- und Fotoaufnahmen sogenannter Sprites, auch Kobolde genannt, etwas ganz Besonderes.

Dabei handelt es sich um Blitze, die sich bei Gewittern oberhalb der Wolken entladen - und scheinbar so flüchtig wie die namensgebenden Geistererscheinungen sind. Neben blauen Exemplaren ("Blue Jets") gibt es noch weitere Erscheinungsformen: die Roten Kobolde ("Red Sprites") und die Elfen ("Elves").

Erst seit 1989 existieren Fotobeweise des Phänomens - und zuletzt gab es immer wieder einmal Aufnahmen von der Internationalen Raumstation (ISS). Nun berichtet die Europäische Weltraumorganisation (Esa), dass der Däne Andreas Mogensen bei seiner ISS-Mission im Jahr 2015 mit einer besonders sensiblen Kamera Bilder des Phänomens machen konnte.

Auch Bewegtbildmaterial gibt es: Ein 160 Sekunden langes Video von Mogensen zeigt 245 leuchtende Blitze, die aus der Spitze eines Wolkenturms schießen. "Es passiert nicht jeden Tag, dass man ein neues Wetterphänomen auf Film einfangen kann, deshalb bin ich sehr froh über das Ergebnis - aber vor allem, weil Forscher diese faszinierenden Gewitter bald genauer untersuchen können", so der Astronaut. Zusammen mit anderen Forschern hat er kürzlich im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" über seine Beobachtung berichtet.

Natürlicher Teilchenbeschleuniger

Längst nicht jeder Blitz löst einen Kobold aus - und doch haben beide etwas miteinander zu tun: Denn bestimmte Blitze, die von Gewitterwolken zum Erdboden reichen, bringen offenbar auch Elektronen oberhalb der Wolken in Bewegung.

Das Ergebnis ist eine Art natürlicher Teilchenbeschleuniger. Wenn die Elektronen in den hohen Schichten der Atmosphäre mit den Molekülen dort kollidieren, entsteht das schwache Glimmen, das sich von weit oben, wo die Astronauten in der ISS um die Erde kreisen, fotografieren lässt.

Das überirdische Leuchten fällt auch ausgesprochen schwach aus. Doch manchmal hat man Glück - so wie Andreas Mogensen.

chs/dpa

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