Bausteine des Lebens Ferner Stern hat gezuckerte Scheibe

Die Grundbausteine des Lebens könnten bereits in Planetensystemen stecken, während sie entstehen. Zumindest eine dieser Zutaten haben Astronomen jetzt in der Staubscheibe um einen jungen Stern entdeckt: Zucker.
Sternentstehungsregion Rho Ophiuchi mit Glycolaldehyd-Molekülen (künstlerische Darstellung): Grundzutat des Lebens in entstehendem Planetensystem

Sternentstehungsregion Rho Ophiuchi mit Glycolaldehyd-Molekülen (künstlerische Darstellung): Grundzutat des Lebens in entstehendem Planetensystem

Foto: DPA/ ESO/ NASA

Garching - Planeten entstehen aus Gas- und Staubscheiben, die um junge Sterne rotieren. Bei Myriaden von Kollisionen ballen sich immer größere Brocken zusammen, bis am Ende Himmelskörper unterschiedlicher Größe übrig bleiben - von kleinen Felsplaneten wie Venus, Mars und Erde bis hin zu Gasriesen vom Format des Jupiters.

In einer solchen sogenannten protoplanetaren Scheibe haben Forscher jetzt erstmals eine Form von Zucker entdeckt. Der Fund an einem 400 Lichtjahre entfernten sonnenähnlichen Stern zeige, dass diese Grundzutat des Lebens bereits in entstehenden Planetensystemen vorhanden sei, erklärten die Forscher um Jes Jørgensen vom Kopenhagener Niels-Bohr-Institut in einer Mitteilung der Europäischen Südsternwarte Eso.

Mit dem Radio-Observatorium "Alma" hat das internationale Team Glycolaldehyd nachgewiesen. "Das ist eine einfache Art von Zucker, gar nicht so unterschiedlich von dem Zucker, den wir in unseren Kaffee tun", sagte Jørgensen.

"Dieses Molekül ist eine der Zutaten bei der Entstehung von RNA, und die wiederum ist - genau wie die mit ihr verwandte DNA - einer der Grundbausteine von Leben." Ribonukleinsäure (RNA) ist in Zellen unter anderem dafür verantwortlich, wie genetische Informationen in Proteine umgewandelt werden und wie die Aktivität von Genen gesteuert wird.

Es ist nicht der erste Fund von Lebensbausteinen in einer Staubscheibe eines fernen Sterns. Schon 2008 haben Forscher an einer solchen Stelle Moleküle entdeckt, die vielleicht das Leben auf der Erde entstehen ließen. Auch Glycolaldehyd wurde schon im All entdeckt. Die einfachen Zuckermoleküle wurden in den interstellaren Molekülwolken G31.41+0.31 und Sagittarius B2 nachgewiesen.

In einem entstehenden Sonnensystem haben Astronomen allerdings noch nie Zucker gefunden. "Die große Frage ist: Wie komplex können diese Moleküle werden, bevor sie Bestandteil der neu entstandenen Planeten werden?", sagte Jørgensen, dessen Team die Entdeckung im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters"  vorstellt. "Die Antwort verspricht Hinweise darauf, wie Leben auf anderen Planeten entstehen kann - und 'Alma'-Beobachtungen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, dieses Rätsel zu lösen."

mbe/dpa
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