Zwergplanet Plutos Namensgeberin ist tot

Ein elfjähriges Mädchen hat dem Ex-Planeten Pluto vor 79 Jahren seinen Namen gegeben. Jetzt ist die Britin Venetia Phair gestorben. Ironie der Geschichte: Pluto hat den Planetenstatus längst verloren, nur der Name ist geblieben.

Die Geschichte ist fast schon unglaublich: Am 14. März 1930 saß Venetia Burney mit ihrem Großvater am Frühstückstisch. Der pensionierte Bibliothekar las in der Zeitung "The Times" einen Artikel über die Entdeckung eines neuen, bislang namenlosen Planeten. Die elfjährige Venetia, schon früh fasziniert von Astronomie und griechischer Mythologie, sagte: "Warum nennen wir ihn nicht Pluto?"

Ihr Großvater leitete den Vorschlag an den Astronomen Herbert Hall Turner von der Oxford University weiter. Der besuchte am gleichen Tag ein Treffen der Royal Astronomical Society, auf dem mögliche Namen für den neuen Planeten diskutiert werden sollten. Der Rest ist Geschichte: Am 1. Mai 1930 wurde der Name offiziell bekannt gegeben - Pluto.

Nun ist Venetia Phair, wie sie seit ihrer Hochzeit im Jahr 1947 hieß, im Alter von 90 Jahren in ihrem Haus in Epsom südlich von London gestorben. Ihre Begeisterung für die Naturwissenschaften bestimmte ihr Leben: Sie studierte Mathematik an der University of Cambridge und arbeitete später als Lehrerin für Mathematik und Wirtschaft bis zu ihrer Pensionierung in den achtziger Jahren.

Phair musste 2006 miterleben, wie Pluto seinen Planetenstatus verlor. Die International Astronomical Union (IAU) entschied sich für eine neue Planetendefinition. Seitdem gibt es in unserem Sonnensystem nur noch acht Planeten - und nicht zwölf, wie mancher vor der Abstimmung im August 2006 erwartet hatte. Pluto wurde zum Verhängnis, dass er seine Nachbarschaft nicht wie gefordert von anderem kosmischen Material freigeräumt hat. Der BBC sagte Phair später, dass sie es gern gesehen hätte, wenn Pluto seinen Planetenstatus behalten hätte. Die hitzige Debatte aber habe sie weitgehend kalt gelassen.

Gegen die Entscheidung der IAU formierte sich bald Widerstand (siehe Fotostrecke) - allerdings vergeblich. Weil der bis dahin verwendete Merksatz zur Planeten-Reihenfolge "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" nicht mehr gültig war, ersannen SPIEGEL-ONLINE-Leser eine Reihe neuer Merksätze - von ironisch-kritischen Statements über philosophische Deutungen bis hin zu lustigem Nonsens.

Die Diskussion um Pluto war damit aber noch nicht beendet: Seit 2008 ist er das Vorbild für die neue Himmelskörper-Klasse der Plutoiden.

hda/mbe
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