Satellitenbild der Woche Die tödliche "Pam"

Es war einer der schwersten Wirbelstürme, die je im Südpazifik beobachtet wurden. Aus dem All zeigt sich das Ausmaß des Zyklons Pam, der den Inselstaat Vanuatu verwüstet hat.
Mächtiger Zyklon: Falschfarbenaufnahme von "Pam" über Vanuatu

Mächtiger Zyklon: Falschfarbenaufnahme von "Pam" über Vanuatu

Foto: NOAA/ NASA/ RAMMB/ CIRA

Die Wucht eines Orkans lässt sich erahnen, wenn man auf der Autobahn das Seitenfenster des Autos herunterlässt. Bei Windgeschwindigkeiten von 117 Kilometern in der Stunde oder mehr - Windstärke 12 auf der Beaufortskala - sprechen Meteorologen von einem Orkan.

Doch selbst wenn man Hand oder Kopf kurz in den Fahrtwind hält - die Urgewalten, die den Pazifikstaat Vanuatu am vergangenen Wochenende heimgesucht haben, kann man sich nicht vorstellen. Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde, dazu kamen massive Regenfälle. Die Hauptstadt Port Vila wurde großflächig zerstört, auch auf anderen Inseln des Landes gab es schwere Verwüstungen.

Nie zuvor hatte eine Naturkatastrophe den Staat so schwer getroffen - bis zu 90 Prozent aller Gebäude in der Hauptstadt wurden beschädigt. Schuld war der Zyklon "Pam", der über Vanuatu hinweggezogen war. Seine Wucht kostete mindestens elf Menschen das Leben, mehr als 3300 wurden obdachlos. Eine Infrarotaufnahme des US-Wettersatelliten "Suomi NPP", entstanden aus gut 820 Kilometern Höhe, zeigt das mächtige Sturmsystem aus dem All. Das Auge des Wirbelsturms liegt zum Zeitpunkt der Aufnahme östlich der Insel Efate, auf der auch Port Vila liegt.

Aufnahmen der beiden französisch-italienischen "Pléiades"-Satelliten zeigen auch, wie sehr Port Vila durch Pam verwüstet wurde. Airbus Defence and Space hat zwei Bilder der Stadt veröffentlicht, eines vom 9. April 2014 und eines vom 16. März 2015. Auf Letzterem sind die Sturmschäden zu erkennen.

In den Statistiken der Meteorologen steht Pam als einer der schwersten Zyklone, die jemals im Südpazifik registriert worden sind. Neben Vanuatu fühlten auch andere Länder die Wucht des Sturms. So wurden in Tuvalu niedrig liegende Inseln überflutet.

Die Behörden von Vanuatu hatten Zeit, sich auf den Sturm einzustellen. "Das einzig Positive ist, dass wir uns auf Zyklone vorbereitet haben", lautete dann auch das Fazit des Entwicklungshelfers Christopher Bartlett im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Wo möglich, wurden Menschen in Schutzräumen untergebracht. Doch die oft fragil gebauten Häuser ließen sich nicht retten.

"Pam" aus dem All: Dieses Bild stammt vom Nasa-Satelliten "Aqua"

"Pam" aus dem All: Dieses Bild stammt vom Nasa-Satelliten "Aqua"

Foto: NASA

Baldwin Lonsdale, der Präsident von Vanuatu, appellierte an die Welt, seinem Land zu helfen. Passenderweise war der Staatschef gerade auf der World Conference on Disaster Risk Reduction im japanischen Sendai. Dort ging es auch um die Frage, wie Entwicklungsländer besser vor den Folgen von extremen Wetterereignissen geschützt werden können.

Einmal angelaufen, war die Hilfe für Vanuatu dann offenbar wenig effektiv. Die Behörden vor Ort erklärten, die einzelnen Hilfsorganisationen würden nur unzureichend zusammenarbeiten. "Pam" war übrigens nicht der einzige Sturm in der Region. Aus dem Indischen Ozean zog zur gleichen Zeit der Zyklon Olwyn an die australische Westküste. Die Ostküste hatte währenddessen mit Zyklon Nathan zu tun.

chs
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