Wetterbilanz für 2022 Winter ade

Der Deutsche Wetterdienst verbucht für 2022 einen Rekord an Sonnenstunden, Silvester kann vielerorts in T-Shirt gefeiert werden. Warum ist es so warm?
Sonnenaufgang in Neubulach, Schwarzwald: Der Deutsche Wetterdienste verzeichnete für 2022 im Mittel 2025 Sonnenstunden

Sonnenaufgang in Neubulach, Schwarzwald: Der Deutsche Wetterdienste verzeichnete für 2022 im Mittel 2025 Sonnenstunden

Foto: Manuel Kamuf / imagebroker / IMAGO

»Biergarten statt Skibar zu Silvester: So warm war es zu Silvester noch nie«, schreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) über den anstehenden Jahreswechsel auf Twitter. Die Meteorologinnen und Meteorologen rechnen mit bis zu 22 Grad Celsius am Oberrhein – es ist ein rekordverdächtiger Abschluss eines außergewöhnlichen Wetterjahres.

Mehr als 2000 Sonnenstunden

Laut einer ersten Bilanz gab es in diesem Jahr im Mittel rund 2025 Sonnenstunden – so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Ob 2022 auch das wärmste Jahr war, werde sich erst nach Auswertung aller Messstationen Anfang Januar herausstellen, teilte der DWD mit.

Schon jetzt sei jedoch klar, dass alle Monate im Vergleich zum Mittel der Referenzperiode zwischen 1961 und 1990 zu warm gewesen sind. Zudem war es zu trocken. Das Niederschlagsdefizit liegt bei 15 Prozent.

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Am wärmsten war es in Hamburg

Überraschend: Nirgendwo in Deutschland war es in diesem Sommer heißer als in Hamburg. »Die deutschlandweit höchste Tagestemperatur stammt ungewöhnlicherweise aus dem Norden des Landes«, teilte der DWD mit. Am 20. Juli erreichten die Temperaturen in Hamburg-Neuwiedenthal einen neuen Stationsrekord von 40,1 Grad Celsius.

»Das rekordwarme Jahr 2022 sollte für uns alle ein erneuter Ansporn sein, beim Klimaschutz endlich vom Reden zum Handeln zu kommen«, sagte DWD-Vorstand Tobias Fuchs. »Wir haben es bisher nicht geschafft, wirkungsvoll auf die Treibhausgasbremse zu treten. Die Erderwärmung schreitet nahezu ungebremst voran.«

Insgesamt brachte der Dezember reichlich Abwechslung: Er startete mit einer eisigen Adventszeit, gefolgt von sehr milden Weihnachten und Rekordtemperaturen zum Jahreswechsel. Silvester dürfte der wärmste Jahreswechsel seit Beginn der Aufzeichnungen werden.

Orkanböen auf dem Brocken

Dabei gilt nach Angaben der Meteorologen: je südlicher, desto wärmer. Während im Norden bei Regenwetter das Thermometer auf Werte zwischen 9 Grad auf Sylt und bis zu 17 Grad vom Münsterland bis ins südliche Brandenburg steigt, könnte entlang von Oberrhein und Neckar die 20-Grad-Marke geknackt werden. Auch in Bayern sind demnach vor allem südlich der Donau Höchstwerte um 20 Grad möglich.

»Das rekordwarme Jahr 2022 sollte für uns alle ein erneuter Ansporn sein, beim Klimaschutz endlich vom Reden zum Handeln zu kommen.«

DWD-Vorstand Tobias Fuchs

Allerdings ist es zum Jahreswechsel nach DWD-Angaben auch sehr windig – vor allem in der Nordwesthälfte Deutschlands. Von der Eifel bis zur Nordsee und in die Lausitz werden Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern in der Stunde erwartet.

In Küstennähe und im Bergland könnten sogar Spitzengeschwindigkeiten bis zu 80 oder 90 Kilometern in der Stunde erreicht werden. Auf dem Brocken werden im Tagesverlauf des Silvestertages gar Orkanböen erwartet. »Aber auch sonst gilt es, Obacht walten zu lassen, damit die Silvesterraketen nicht vom Winde verweht werden«, riet DWD-Meteorologe Felix Dietzsch.

Der bisherige Temperaturrekord für Silvester wurde 1961 in Müllheim, Baden-Württemberg gemessen: Die Temperaturen lagen damals bei 17 Grad. Dort gab es auch den bisher wärmsten Dezembertag. Am 16. Dezember 1989 erreichten die Temperaturen Spitzenwerte von 24 Grad.

Gleich mehrere Faktoren sorgen für die ungewöhnlich hohen Temperaturen, berichtet die »Süddeutsche Zeitung«  und beruft sich auf den DWD. Demnach hat sich der Jetstream nach Süden verlagert, wodurch Kälte aus der Arktis an die US-Ostküste gelangte und dort eine Wetterbombe zündete (Mehr dazu lesen Sie hier .)

Das dabei entstehende Tiefdruckgebiet hat das Hochdruckgebiet über den Osten Richtung Mittelmeer gedrängt, östlich davon liegt ein Hochdruckgebiet. Zwischen den beiden zieht sehr warme Luft aus Nordwestafrika und den Kanaren nach Mitteleuropa. Der DWD rechnet damit, dass Sonne und Wind die Temperaturen weiter steigen lassen werden. Winter sei nicht Sicht.

koe/Reuters/dpa
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