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WISSENSCHAFT + TECHNIK Wetterrechner: Sturm verpaßt

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aus DER SPIEGEL 12/1988

Englische Meteorologen hatten auf das falsche Computerprogramm gesetzt, als in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober letzten Jahres schwere Stürme ohne Vorwarnung über den südöstlichen Teil der Insel hereinbrachen, 19 Menschen töteten und einen Milliardenschaden hinterließen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von unabhängigen britischen Wissenschaftlern durchgeführt wurde. Während ein weniger engmaschiges Vorhersagemodell, das sogenannte »UK global model«, die bedrohlichen Sturmböen 24 Stunden im voraus erkennen ließ, vertrauten die amtlichen Wetterbeobachter in den entscheidenden Augenblicken auf ein ausschnittstärkeres, gewöhnlich zuverlässigeres Modell und setzten die verheerenden Turbulenzen südlich der britischen Küste an. Das Tiefdruckgebiet, das zu dem Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 190 Stundenkilometern führte, war östlich des Golfs von Biskaya entstanden, einer Region, aus der die Meteorologen nur spärliche Daten erhalten. Der Doppelbödigkeit aller Computersimulation fiel ausgerechnet das genauere Vorhersageinstrument zum Opfer: Sind die Eingabedaten nämlich erst einmal ungenau oder falsch, errechnet der Computer ein immer schieferes Bild vom kommenden Wetter, fehlerhafter schließlich - wie in jener Oktobernacht - als das gröbere Prognoseraster.

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