Impfdurchbrüche WHO warnt: Affenpockenimpfung ist kein Allheilmittel

Nach Berichten über Menschen, die trotz Impfung erkrankt sind, rät die Weltgesundheitsorganisation, sich nicht allein auf den Affenpockenimpfschutz zu verlassen. Außerdem sollten Infizierte sich von ihren Haustieren fernhalten.
Eine Frau in New Orleans erhält eine Impfung gegen Affenpocken

Eine Frau in New Orleans erhält eine Impfung gegen Affenpocken

Foto: Lan Wei / Xinhua / IMAGO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt nach Meldungen von Impfdurchbrüchen bei Affenpocken davor, das Impfen als Allheilmittel zu betrachten. Sie betonte, dass noch keine randomisierten, kontrollierten Studien vorliegen, aber die Meldungen legten nahe, dass man sich nicht auf den Impfschutz allein verlassen sollte, sagte die WHO-Affenpockenexpertin Rosamund Lewis am Mittwoch in Genf.

Bei randomisierten kontrollierten Studien werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Zufall in zwei Gruppen geteilt und unterschiedlich behandelt, zum Beispiel eine mit dem Medikament, die zweite mit einem Scheinmedikament ohne Wirkstoff. Erst aus der Auswertung solcher Studien lassen sich Schlüsse über die Wirksamkeit einer Substanz ziehen.

Impfstoff muss Wirkung entfalten

»Wir haben von Anfang an gewusst, dass dieser Impfstoff kein Allheilmittel sein würde, dass er nicht alle Erwartungen erfüllen würde, die in ihn gesetzt werden«, sagte Lewis. Impfdurchbrüche würden sowohl bei Menschen vorkommen, die nach einem möglichen Kontakt mit einem Infizierten geimpft wurden als auch bei jenen, die sich vorsorglich hatten impfen lassen.

Lewis betonte, dass Geimpfte mindestens zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis warten müssen, damit der Stoff seine volle Wirksamkeit entfalten könne, ehe sie sich riskantem Verhalten aussetzen. Mehr als 90 Prozent der Affenpockenfälle werden bei Männern gemeldet, die häufigen Sex mit wechselnden Partnern haben. Die WHO-Expertin rief diese Männer auf, die Zahl ihrer Sexualpartner zu reduzieren und Gruppensex zu vermeiden.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus  hatte allerdings schon Ende Juni darauf hingewiesen, dass alle Menschen vorsichtig sein sollten: »Ich bin besorgt über eine anhaltende Übertragung, denn das würde bedeuten, dass sich das Virus etabliert und auch Hochrisikogruppen wie Kinder, immungeschwächte Menschen und schwangere Frauen betreffen könnte.«

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI)  erfolgt eine Grundimmunisierung für Erwachsene, die in der Vergangenheit keine Pockenimpfung erhalten haben, mit zwei Impfstoffdosen Imvanex im Abstand von mindestens 28 Tagen. Während die erste Impfstoffdosis bereits einen guten Basisschutz vermittle, diene die zweite Dosis dazu, die Dauer des Impfschutzes zu verlängern. Bei Menschen, die in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft worden seien, reiche eine Impfstoffgabe aus.

Die WHO rief Menschen mit einer Affenpockeninfektion außerdem dazu auf, sich von ihren Haustieren fernzuhalten, um eine mögliche Übertragung des Virus zu vermeiden. Lewis verwies auf den ersten Fall einer Übertragung des Affenpockenvirus vom Menschen auf einen Hund, über den vergangene Woche in der medizinischen Fachzeitschrift »The Lancet«  berichtet worden war.

»Dies ist der erste gemeldete Fall einer Mensch-zu-Tier-Übertragung«, sagte Lewis. Bei dem Fall handelt es sich um zwei in Paris lebende Männer und ihren Hund der Rasse Italienisches Windspiel.

Experten seien sich des theoretischen Risikos bewusst gewesen, dass es eine derartige Übertragung geben könne. Öffentliche Gesundheitsbehörden würden Betroffene bereits darauf hinweisen, dass sie sich von ihren Haustieren fernhalten sollten, sagte Lewis.

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Tiere sollten geschützt werden

Wichtig sei im Infektionsfall auch das »Abfallmanagement«, um das Risiko zu verringern, dass sich Nagetiere und andere Tiere außerhalb des Haushalts mit dem Virus infizieren. Betroffene müssten darüber informiert werden, wie sie ihre Tiere schützen können und wie sie mit ihrem Abfall umgehen, »damit Tiere grundsätzlich nicht dem Affenpockenvirus ausgesetzt werden«.

Wenn Viren auf eine andere Spezies überspringen, besteht die Sorge, dass die Erreger zu einer gefährlicheren Variante mutieren können. Die Sorge der WHO gilt jedoch vor allem Tieren, die nicht mit dem Menschen zusammenleben. Gefährlicher sei es dort, »wo ein Virus in eine kleine Säugetierpopulation mit einer hohen Tierdichte eindringt«, sagte WHO-Notfalldirektor Michael Ryan. »Durch den Prozess, dass ein Tier das nächste und das nächste und das nächste ansteckt, kommt es zu einer schnellen Evolution des Virus«, erklärte er.

In Bezug auf Haustiere gebe es wenig Grund zur Besorgnis, sagte Ryan. Er gehe nicht davon aus, »dass sich das Virus bei einem einzelnen Hund schneller entwickelt als bei einem einzelnen Menschen«, sagte er. »Wir müssen zwar wachsam bleiben«, sagte er, aber »Haustiere stellen kein Risiko dar«.

Der WHO wurden bis Mittwoch mehr als 35.000 Affenpockennachweise aus 92 Ländern gemeldet. Zwölf Menschen kamen ums Leben. Innerhalb der vergangenen Woche waren es 7500 Fälle, 20 Prozent mehr als in der Vorwoche. In Deutschland waren laut RKI 3213 insgesamt Affenpockenfälle gemeldet worden.

mar/dpa/AFP
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