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»Wir bauen die Datenautobahn«

aus DER SPIEGEL 20/1993

SPIEGEL: Mr. Gates, vor nahezu zwei Jahrzehnten war Ihr erklärtes Ziel »ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jeder Wohnung«. Halten Sie das immer noch für erstrebenswert?

GATES: Meine Vision ist klar umrissen: Der Computer soll ein Werkzeug sein, das den Menschen unterstützt. Wir werden den Computer so einfach und leicht bedienbar machen, daß jeder einen in der Wohnung haben will - genauso, wie ich es vor 17 Jahren prophezeit habe. Wir sind diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen; den halben Weg, würde ich sagen, haben wir hinter uns.

SPIEGEL: Ein wichtiger Schritt sollte ja der Schreibstift-PC sein, der Handschriften entziffern kann. Wie weit ist die Branche damit?

GATES: In einer sehr, sehr frühen Entwicklungsphase. Es gibt viele Leute, die sich _(Das Gespräch führten die Redakteure Gerd ) _(Meißner und Helmut Sorge. ) mit der Entwicklung solcher Maschinen beschäftigen. Das ist kein einfaches Problem, wir brauchen dafür bessere Hardware und bessere Software. Ich glaube aber, daß wir im Laufe der nächsten Jahre dahin kommen werden, daß die meisten Personalcomputer über Handschriften-Erkennung verfügen.

SPIEGEL: Und wann wird der PC das Fernsehgerät ersetzen?

GATES: Was wir uns vorstellen, ist ein Produkt, das sich sehr stark vom Fernseher wie vom PC unterscheidet, aber die Vorzüge von beiden in sich vereint. Per Glasfaserkabel wird dem Zuschauer zu Hause bald eine Riesenauswahl von Filmen und TV-Shows angeboten, die er sich direkt auf den Bildschirm bestellen kann. Auf dieselbe Art wird er Waren bestellen, sich bei Behörden informieren oder ein elektronisches Lexikon aufrufen können.

Bei dieser Vielfalt braucht er aber ein Interface, eine programmierte grafische Benutzerführung, die ihm hilft, das Gewünschte schnell zu finden.

SPIEGEL: Nach dem Muster Ihrer »Windows«-Software für den PC - mittels Computermaus Bildsymbol anklicken, dann öffnet sich auf dem Monitor ein Datenbank-, ein Text- oder ein Videofenster?

GATES: Genau. Wir haben dafür ein paar Lösungsvorschläge entwickelt mit speziell auf diesen Zweck zugeschnittenen »Windows«-Programmen, genannt »Modular Windows«. Das Ziel ist nicht ein verbesserter Fernseher, auch nicht ein bunterer PC, sondern etwas völlig Neues.

SPIEGEL: Soll das heißen, daß Fernsehgesellschaften wie etwa NBC, BBC oder ZDF demnächst von Computerfirmen abgelöst werden, weil der Zuschauer sein »interaktives Fernsehen« selbst gestalten kann, indem er etwa am heimischen Gerät den Blickwinkel der Fernsehkameras im Fußballstadion mitbestimmt oder sich sein eigenes Programm zusammenmischt?

GATES: Zweifellos bedeutet die Computerrevolution eine Herausforderung für die großen Fernsehgesellschaften. Die haben ja lange davon profitiert, daß es nur eine begrenzte Anzahl von Kanälen gab, so daß sie große Teile des Publikums gut im Griff hatten. Die technische Möglichkeit, selber auszuwählen, wird die TV-Industrie grundlegend verändern. Schon das Kabelfernsehen mit seinen fast 500 Programmen hat es geschafft, daß die meisten US-Fernsehgesellschaften in den vergangenen Jahren viel Geld verloren haben.

SPIEGEL: Apropos Verluste - wie beurteilen Sie den Niedergang Ihres Erzrivalen, des Computerriesen IBM?

GATES: Versuchen Sie es mal so zu sehen: In jeder Industrie gibt es Angebot und Nachfrage, und wenn im Prinzip alle zwei Jahre zum selben Preis das Doppelte zu haben ist, dann ist das ein ungemein hartes Geschäft. IBM hätte sich besser anpassen müssen.

SPIEGEL: Und das Rad dreht sich immer schneller.

GATES: So ist es. Aber glücklicherweise hängt die Nachfrage auch davon ab, ob wir immer wieder mit neuen Produkten aufwarten können, die der Kunde gerade kaufen will. Wir haben den Computer, der vorher als »Rechenzentrum« monolithisch in der Arbeitslandschaft stand, in ein persönliches Werkzeug verwandelt, auf dem sich Texte verarbeiten und Balkendiagramme zeichnen lassen. Ein Großteil der Schreibarbeiten werden heute am PC erledigt, auch Illustrationen und rechnergesteuerte Filme können Sie damit herstellen.

SPIEGEL: IBM hat diesen Funktionswandel schlicht verschlafen?

GATES: Lassen Sie es mich freundlicher ausdrücken: IBM hat sich an diesem Prozeß nicht so aktiv wie möglich beteiligt.

Wir erleben jetzt, wie überall kleine schnelle Rechner - also etwa vernetzte PC und Arbeitsplatzcomputer, die »Workstations« - die traditionellen Großcomputer ablösen. IBM hat es versäumt, seine Fähigkeiten auf die Software zu konzentrieren, auf die Vernetzung von Computern und auf einige andere Technologien, auf denen die neue Form der Datenverarbeitung beruht.

Doch selbst bei gutem Management wäre die Firma IBM heute nicht mehr so stark wie früher. In der Computerindustrie wird kein Unternehmen jemals wieder eine derart dominierende Position erreichen, wie sie IBM einmal hatte.

SPIEGEL: Auch nicht Microsoft?

GATES: Nein. Es gibt keine Chance, auf jedem Gebiet konkurrenzfähig zu bleiben. Wer heute Schritt halten will, muß sich spezialisieren. Wir konzentrieren uns auf Software, Intel ist vornehmlich mit Chips beschäftigt, andere Firmen spezialisieren sich auf das Vertriebsgeschäft oder die Fachberatung.

SPIEGEL: Macht sich die Softwareindustrie womöglich eines Tages selbst überflüssig, wenn Computer anfangen, die besseren Programme zu schreiben?

GATES: Ich bin so ziemlich der größte Optimist, den Sie danach fragen können, aber selbst ich glaube nicht, daß es innerhalb der nächsten 20 Jahre soweit kommen wird. Sicher, eines Tages wird sich auch die Software-Herstellung in Programme gießen lassen. Das wird unsere Branche drastisch verändern.

SPIEGEL: Hat es Sie mit Stolz erfüllt, daß Sie bei der Suche nach einem Nachfolger für IBM-Chef John Akers vom Aufsichtsrat um Rat gebeten wurden?

GATES: Nachdem der Aufsichtsrat entschieden hatte, daß ein Wechsel stattfinden soll, haben mich einige Herren des Vorstandes besucht . . .

SPIEGEL: . . . und Ihnen angeboten, allmächtiger Herrscher von IBM zu werden?

GATES: Ich wollte den Job wirklich nicht. Ich habe ihnen erklärt, daß ich zu Microsoft gehöre. Danach haben wir uns über andere potentielle Kandidaten aus der Computerindustrie unterhalten. Dabei wurde auch viel darüber geredet, wie IBM gestärkt werden könnte. IBM zu helfen bedeutet, der Branche zu helfen - es nützt niemandem, wenn IBM wankt.

SPIEGEL: Ihre Gegner klagen, Microsofts Vorherrschaft verhindere den Fortschritt in der PC-Industrie.

GATES: Ich habe erst ein Problem, wenn sich niemand mehr über mich beklagt. Beschwerden sind für mich ein Zeichen gesunder Konkurrenz.

SPIEGEL: Stört es Sie, wenn Sie beispielsweise im amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune lesen: »In gewisser Weise hat Microsoft nie etwas eigenes erfunden«?

GATES: Das ist einfach falsch. Microsoft hat mit Sicherheit jede Menge selbst erfunden.

SPIEGEL: »Dos« jedenfalls, die Standardsoftware für den PC, mit der Microsoft reich und berühmt geworden ist, hatten Sie jemandem abgekauft - einem Programmierer aus Seattle namens Tim Patterson.

GATES: Tim Patterson ist der Schöpfer von MS-Dos, das ist richtig. Wir haben ihn später dann eingestellt, er hat weiter unglaublich wertvolle Arbeit geleistet und damit Millionen Dollar verdient.

Aber das Grundkonzept, mit Hilfe einer einzigen Software Hunderte von Herstellern zu verklammern und nicht als Computerfirma, sondern als Programmanbieter einen gemeinsamen Standard für alle Rechner der verschiedenen Hersteller zu setzen -, dieses Konzept ist ganz klar eine Microsoft-Idee.

SPIEGEL: Gut, nehmen wir ein zweites Beispiel. Hat sich Microsoft jemals Doug Engelbart gegenüber erkenntlich gezeigt, der ursprünglich beim Xerox-Parc-Forschungszentrum in Palo Alto die »Maus« und die Bildschirm-Fenstertechnik entwickelt hat, die den Erfolg Ihres »Windows«-Programms ermöglichte?

GATES: Aber sicher. Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, mit Doug über seine Forschung zu reden, er ist ein guter Freund - ein toller Kerl. Ich bin in mehreren Organisationen aktiv, die Doug für seine Arbeit ausgezeichnet haben.

SPIEGEL: Wie kreativ sind Sie denn selbst noch?

GATES: Den größten Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich mit den verschiedenen Teams, in denen die Microsoft-Programme entwickelt werden. Alle 45 Tage oder so kommen wir zusammen und reden drei, vier Stunden über das, was gerade anliegt: Welche Marktveränderungen lassen sich beobachten? Soll ein Programm eher klein werden? Wie schnell muß es sein? Wie liegen wir im Plan? So halten wir uns gegenseitig auf dem laufenden, wobei es nicht mehr so abläuft, daß ich mich selbst hinsetze und Programmzeilen schreibe.

SPIEGEL: Wann haben Sie das zuletzt getan?

GATES: Das liegt ungefähr zehn Jahre zurück.

SPIEGEL: Was halten Sie für Ihre schlimmste Fehlentscheidung bisher? Vielleicht, daß Sie den Bereich Computernetzwerke zu sehr vernachlässigt haben?

GATES: Ja, das könnte sein. In dem Geschäft sind wir heute nur Nummer zwei, hinter Novell. Wir hätten früher in diesen Markt gehen können. Rückblickend muß ich sagen, es war eindeutig ein Fehler, das nicht schneller anzugehen. Andererseits waren wir auch auf anderen Märkten schon einmal die Nummer zwei.

Aber wir haben es immer geschafft, unsere Marktanteile zu vergrößern - manchmal aus eigener Kraft, manchmal, weil unsere Konkurrenten Fehler machten.

SPIEGEL: Wird nicht sogar jemand wie Sie - nach zwei Jahrzehnten auf dem Innovationssprung und ständiger Wachsamkeit - gelegentlich von Anfällen geistiger Ermüdung heimgesucht? Oder fürchten Sie das zuweilen?

GATES: Dieses Wort »fürchten« ist ein sehr emotionaler Begriff, das gefällt mir gar nicht. Wer etwas Weitsicht hat, weiß: Es gibt nun einmal keine Sicherheit, der Vorsprung muß immer wieder aufs neue erkämpft werden.

Trotzdem macht mir die Sache noch sehr viel Spaß. Wenn da gelegentlich eine gewisse Müdigkeit durchkommt, ignoriere ich sie. Ich bin jetzt 37, also schon ziemlich alt. Früher habe ich locker zwei Nächte hintereinander durchgemacht und 40 Stunden am Stück gearbeitet. Das schaffe ich heute nicht mehr. Es gibt also schon gewisse Grenzen.

SPIEGEL: Was gibt Ihnen die Zuversicht, daß Sie sich mit dem neuesten Microsoft-Programmsystem »Windows NT« gegen so mächtige Konkurrenten wie Novell, Sun oder auch IBM durchsetzen werden? Deren Software bietet doch schon lange, was bei Microsoft jetzt erst mit »Windows NT« kommen soll - etwa die Möglichkeit, mehrere Programme wirklich zeitgleich auf derselben Workstation ablaufen zu lassen oder Hunderte von Rechnern zu großen Netzwerken zu verbinden.

GATES: Wir haben mit »Windows« die bessere Strategie. Wir haben uns gesagt, laßt uns ein Betriebssystem entwickeln, das die Vorzüge der verschiedenen Systeme in sich vereint: Auf der Software-Basis von »Windows NT« lassen sich große Computernetze betreiben, das war bislang die Domäne von Novell. Gleichzeitig wird »Windows NT« die Leistungsfähigkeit von Arbeitsplatzrechnern und High-End-Personalcomputern viel besser ausschöpfen, als das bisher der Fall war. Und der Benutzer findet etwas vor, was er rein äußerlich oftmals schon vom PC gewohnt ist: die Symbole und Fenster von »Windows«.

SPIEGEL: Sehen Sie sich selbst eher als Erfinder oder als Unternehmer, als Thomas Edison oder als Henry Ford?

GATES: Ich kenne diese Gentlemen nicht persönlich. Was mich betrifft, so habe ich nicht einmal die Hälfte meiner Karriere hinter mir. Ich könnte noch ein paar richtig große Fehler machen - es ist also zu früh, mich mit einem von denen zu vergleichen.

SPIEGEL: Einer Ihrer Konkurrenten hat Sie einmal so charakterisiert: »ein Teil Albert Einstein, ein Teil John McEnroe und ein Teil General Patton«.

GATES: Mein Wissen über das Leben dieser Leute beruht auf Büchern, also auf einem eingeschränkten Blick. Aber ich will den Vergleich mal als Kompliment nehmen.

SPIEGEL: Von Napoleon, heißt es, sind Sie derart beeindruckt, daß Sie jede verfügbare Biographie über ihn gelesen haben. Faszination der Macht?

GATES: Über diesen Burschen sind sicher 1000 Bücher geschrieben worden, ich habe nicht alle davon gelesen. Ich will ihm nicht unbedingt ähnlich sein . . .

SPIEGEL: . . . oder enden wie er.

GATES: Lieber nicht. Wenigstens haben sie ihm ein Pferd gegeben, so daß er jeden Tag auf seiner Insel reiten konnte.

SPIEGEL: Was bedeutet die Entscheidung von US-Präsident Bill Clinton, den Aufbau eines US-weiten Superdatennetzes zu fördern, den »Information Highway«, für die Zukunft der amerikanischen Gesellschaft? Computerexperten sagen ähnliche Auswirkungen wie beim Bau des nationalen Autobahnnetzes in den dreißiger Jahren voraus.

GATES: Es ist ein großartiges Gefühl, endlich mit Politikern zu tun zu haben, die von der Bedeutung dieser Technologie überzeugt sind. Wir leben schließlich im Informationszeitalter, unsere Vision läßt sich ohne superschnelle Informationsnetze nicht umsetzen: Wenn wir Computer in jeder Wohnung wollen, brauchen wir auch die Datenautobahn. Ich habe mich vor kurzem mit Vizepräsident Al Gore zum Abendessen getroffen, und wir haben dabei genau über dieses Thema geredet. Wie sich herausstellt, braucht die US-Regierung da kaum Geld hineinzustecken; es zeichnet sich ab . . .

SPIEGEL: . . . daß hier beträchtliche Gewinne zu erwarten sind.

GATES: Ganz recht, hauptsächlich für Telefon- und Kabelfernseh-Gesellschaften, die in dieses System investieren werden. Die Regierung kann mithin die Steuergelder allein dafür verwenden, selber in diesem Netz als Service-Anbieter präsent zu sein.

SPIEGEL: Also in Zukunft nur ein Mausklick am heimischen PC statt eines zeitraubenden Behördenganges, um Ihren neuesten Porsche umzumelden?

GATES: So in etwa - überlegen Sie mal, was das bedeutet: Nicht mehr zum Amt gehen müssen, nie wieder Formulare ausfüllen, nie mehr in der Schalterschlange stehen . . .

SPIEGEL: Und welche Rolle soll Microsoft dabei spielen?

GATES: Microsoft baut diesen Highway. Wir haben schon vor ein paar Jahren begonnen, Software zu entwickeln, die den Benutzern helfen könnte, sich in einem solchen Computernetz zurechtzufinden.

SPIEGEL: Die Vision vom vernetzten, allgegenwärtigen Computer nährt auch die Furcht vor einer Orwellschen Gesellschaft - »Big Brother is Watching You«.

GATES: Computersicherheit und Datenschutz sind wichtig, aber im Grunde ist es doch wie bei den Kreditkarten: Auch da gibt es irgendwo jemanden, der weiß über alles Bescheid, was du kaufst. Bei den neuen Telefonen gibt es irgendwo auch jemanden, der weiß, wen du angerufen hast und wann, und vermutlich wird das auch nicht ganz sauber gehandhabt.

Wir müssen uns dazu Gedanken machen, und die Regierung muß dazu die richtigen Entscheidungen treffen. Aber ich halte das für keine Grundsatzfrage. Wir werden es schaffen, die Privatsphäre des einzelnen zu schützen. Die Hauptsache ist doch, welche Vorteile die neuen Technologien mit sich bringen werden: Bringen wir damit die Medizin voran, können wir womöglich das Bildungswesen verbessern - das ist es, was wirklich zählt.

SPIEGEL: Ihr Milliardärskollege Ross Perot, der die Computerfirma EDS gegründet hat, Apple-Chef John Sculley oder Mitch Kapor, Gründer der großen Software-Firma Lotus - sie alle versuchen, direkten Einfluß auf das politische Geschehen in Washington zu nehmen. Sie bemühen sich nicht darum, wieso?

GATES: Ich konzentriere mich auf meine Produkte, nicht auf Politik, obwohl ich eine Meinung zu politischen Dingen habe. Das Abendessen mit Al Gore war das erste Mal, wo es mir wichtig war, einen Kontakt zur US-Regierung zu knüpfen.

SPIEGEL: Nach Washington sind Sie wie üblich in der Touristenklasse geflogen. Warum reist ein Mann, der nicht gerade zu den Ärmsten in Amerika zählt, auf Billigticket?

GATES: Das hängt mit unserer Firmenkultur zusammen - wir verschwenden kein Geld. Außerdem bin ich nicht übermäßig groß, mein Körper läßt sich perfekt in einem Touristenklasse-Sitz verstauen. Aber bevor Sie in Tränen ausbrechen: Es ist sogar schon vorgekommen, daß ich in Urlaub erster Klasse geflogen bin.

SPIEGEL: Das grenzt ja an Verschwendungssucht. Können Sie uns trotzdem einen Widerspruch erklären: Einerseits kultivieren Sie das Firmenimage der Bescheidenheit, andererseits bauen Sie an einem Eigenheim, dessen Herstellungskosten auf 20 Millionen Dollar geschätzt werden.

GATES: Bis das Haus fertig ist, wird es noch fast drei Jahre dauern - zur Zeit ist es wohl das berühmteste nicht gebaute Haus.

SPIEGEL: Ein Musterhaus für das Wohnen im 21. Jahrhundert?

GATES: Was daran wirklich ungewöhnlich ist, ist die Idee mit den hochauflösenden Farbbildschirmen an den Wänden und der riesigen Bilder-Datenbank mit rund einer Million verschiedener Motive, davon etwa 400 000 Kunstwerke.

SPIEGEL: Kunstgenuß auf Tastendruck - Computer, zeig mir Matisse, Rembrandt, Michelangelo?

GATES: Zeig mir den Mount Everest, zeig mir Moskau, zeig mir Segelboote, einen Sonnenuntergang, die Wüste - und sofort haben Sie diese wundervollen Bilder an der Wand. Einfach klick, klick, klick.

SPIEGEL: Mr. Gates, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

[Grafiktext]

_276_ Microsofts Märkte: Bei Netzwerk-Software abgeschlagen

_____ Microsofts Märkte: Großmacht bei PC-Software

_____ Verlierer IBM: Marktanteile: Angaben in %

[GrafiktextEnde]

Das Gespräch führten die Redakteure Gerd Meißner und Helmut Sorge.

G. Meißner, H. Sorge
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