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RAUMFAHRT »Wir haben kein Geld für Visionen«

Klaus Berge, 64, Projektdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn, über die Aussichten eines bemannten Flugs zum Mars
aus DER SPIEGEL 41/2003

SPIEGEL: Mehr als 2500 Experten haben vergangene Woche in Bremen über die Zukunft der Weltraumforschung debattiert. Eines der Hauptthemen auf dem 54. Internationalen Raumfahrtkongress waren die nächsten Schritte auf dem Weg zum Mars. Könnte denn, wie einige Visionäre beteuern, um das Jahr 2030 der erste Mensch auf dem Wüstenplaneten stehen?

Berge: Das halten wir für eine Illusion. In den nächsten 40 Jahren wird gewiss kein Mensch zum Mars fliegen. Aus guten Gründen beteiligt sich Deutschland ja nicht einmal an dem Forschungsprojekt Aurora, das die europäische Weltraumbehörde Esa ins Leben gerufen hat. Das ganze Vorhaben ist nicht unumstritten.

SPIEGEL: Wohin wollen Sie stattdessen fliegen?

Berge: Wir sehen die Zukunft der Raumfahrt eher in der Erforschung der Erde vom Weltall aus - mit Satelliten, die Umweltdaten sammeln, die Landwirtschaft überwachen oder helfen, den Frieden zu sichern. Das macht wirtschaftlich mehr Sinn.

SPIEGEL: Begeisterung werden Sie dafür kaum ernten. Haben Sie keinen Sinn für Visionen?

Berge: Der Aufbruch zum Mars ist eine schöne Sache, aber wir haben in Europa kein Geld für visionäre Dinge. Es ist ja auch nur eine recht kleine Schar zumeist junger Leute, die sich nun für den Marsflug begeistert. Richtig ist aber, dass jetzt schon die Grundfragen angepackt werden müssen. Vor allem: Wie lange kann ein Mensch im Raum unterwegs sein? Schon die Marsmission würde ja mindestens zwei Jahre dauern. Dafür bräuchten wir nicht nur eine ganz neue Telemedizin; nötig wären auch Biosysteme, die sich über so lange Zeit selbst erhalten und ausreichend Nahrung liefern. Das sind aber alles Fragen, deren Erforschung uns schon auf Erden nützt.

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