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VERKEHR Wolfsburger Zwangsbremse

aus DER SPIEGEL 39/1999

Für Aufregung in Industrie und Politik sorgte vergangene Woche ein Workshop über »intelligentes Geschwindigkeitsmanagement« bei der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach. Experten aus den Niederlanden, Großbritannien und Schweden präsentierten Versuchsfahrzeuge, die per Satellitenstrahl automatisch auf die vorgeschriebene Geschwindigkeit abgebremst werden können. Die Zwangsbremse besteht aus einer Kombination aus Satellitennavigator und Tempomat - zwei Geräten, die längst auf dem Markt sind. Auf der CD-Rom im Navigationsgerät sind nicht nur die einzelnen Straßen, sondern auch die dort jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeiten verzeichnet. Beim Einfahren in eine Tempolimit-Zone aktiviert der Navigator automatisch den Tempomat, der sich, anders als bei derzeitigen Systemen, nicht durch Gasgeben deaktivieren lässt. Was technisch einfach zu realisieren ist, erscheint politisch kaum durchsetzbar. Das deutsche Verkehrsministerium distanziert sich kategorisch von jeglicher Zwangsbremsung: »Leitbild bleibt der eigenverantwortliche Kraftfahrer.« Im Nachbarland Holland hingegen lässt das dortige Verkehrsministerium die automatische Tempodrosselung jetzt in einem Großversuch erproben. Zwangsgebremst wurde indes auch das Management beim niederländischen VW-Importeur »Pon's Automobielhandel«, der die 20 Versuchsfahrzeuge vom Typ »Bora« geliefert hat. Ursprünglich wollten die Volkswagen-Statthalter im Zusammenhang mit dem Autopilot-Projekt öffentlich auftreten. Ein PR-Manager aus der Wolfsburger Konzernzentrale sagte dazu: »Wenn ihr euch einen neuen Job suchen wollt, könnt ihr das gerne tun.« Konzern-Chef Ferdinand Piëch missbilligt den Einsatz von VW-Fahrzeugen für den Pilotversuch zur Zwangsbremsung.

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