Tausende Jahre im Eis Zombieviren in Permafrost gefunden

Der Klimawandel bringt dicke Eisschichten zum Schmelzen. Dadurch werden jahrtausendelang eingefrorene Tierkadaver freigelegt – und mit ihnen Viren, von denen laut einer Studie manche wiederbelebt werden können.
Permafrost auf den Bergen des Ladakh-Gebirges in Indien (Bild von 2019)

Permafrost auf den Bergen des Ladakh-Gebirges in Indien (Bild von 2019)

Foto: Prashanth Vishwanathan / Bloomberg via Getty Images

Zu einem Viertel ist die Nordhalbkugel mit Permafrost bedeckt – mit Boden also, der dauerhaft gefroren ist. Durch die Klimaerwärmung taut dieser Boden langsam auf. So werden etwa Tierkadaver und Pflanzenreste freigelegt und mit ihnen Viren, die seit prähistorischen Zeiten inaktiv waren. Das schreiben Forscherinnen und Forscher in einer noch unveröffentlichten Studie auf dem Preprint-Server Biorixv. 

Das Team hat demnach 13 neue Viren charakterisiert und wieder aktiviert, die aus sieben verschiedenen Proben sibirischen Permafrosts stammten. Ein Virus etwa wurde aus einer Probe wiederbelebt, die auf das Jahr 27.000 vor Christus datiert wird, an der Probe seien Spuren von Mammutwolle gefunden worden.

Mögliches Problem für die Gesundheit

Bis zu einer Million Jahre lang gefrorenes organisches Material wird durch das Schmelzen der Eisschichten freigesetzt. Größtenteils wird es zu Kohlendioxid und Methan zersetzt, was wiederum den Treibhauseffekt verstärkt. Ein unmittelbares Problem für die öffentliche Gesundheit könnte den Forschenden zufolge die Freisetzung lebender Bakterien sein, die im tiefen Permafrost eingeschlossen und bis zu zwei Millionen Jahre von der Erdoberfläche isoliert waren.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge sei es wahrscheinlich, dass eventuell sogar mehr als 50.000 Jahre alter Permafrost Viren beherbergt, die durch das tauende Eis freigesetzt werden können. Nicht sicher sei jedoch, wie lange die Viren infektiös blieben, sobald sie im Freien mit Licht, Sauerstoff und Wärme in Kontakt treten. »Das Risiko wird jedoch im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung steigen, wenn sich das Auftauen des Permafrosts weiter beschleunigt und mehr Menschen die Arktis im Zuge industrieller Unternehmungen besiedeln werden«, heißt es in der Studie.

In jüngerer Zeit sei etwa die immer wieder auftretende Rückkehr von Milzbrandepidemien bei Rentieren mit dem Auftauen der aktiven Permafrostschicht an der Oberfläche in Verbindung gebracht worden – während außergewöhnlich heißer Sommer. Jahrhundertealte Sporen aus alten Tiergräbern oder Kadavern hätten so wieder auftauchen können.

Auf einen Bericht von »Spektrum«  zu der Studie reagierte der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Sonntag auf Twitter  und mahnte vor den Folgen, die die freigesetzten Viren haben können. »Der Permafrost taut auf durch den Klimawandel«, schreibt Lauterbach. »In den aufgetauten Kadavern sind Viren, mehr als 10.000 Jahre alt. Auch das ist ein Beispiel, wie wir die Kette erst Klimawandel, dann Zoonose, dann Ausbruch, dann Pandemie an uns heranziehen.«

ani
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