Männerüberschuss Zoos wollen Gorillas töten

Gorillas in der Wildnis sind vom Aussterben bedroht. In europäischen Zoos leben aber zu viele von ihnen. Jetzt sollen einige sterben. Der Aufschrei ist groß.
Westlicher Flachlandgorilla in einem Zoo

Westlicher Flachlandgorilla in einem Zoo

Foto: Ronald Wittek / imagebroker / IMAGO

Sie leben eigentlich im afrikanischen Regenwald, sind intelligent, empfindsam und in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht: Westliche Flachlandgorillas, die kleinste der vier Gorilla-Arten, werden zwischen 1,20 und 1,80 Metern groß und erreichen in Tests einen Intelligenzquotienten zwischen 70 und 90. Menschen schneiden im Schnitt nicht viel besser ab.

In europäischen Zoos und Tierparks leben dagegen so viele dieser Gorillas, dass es eng wird. Männliche Tiere werden ab einem bestimmten Alter oft getrennt von jüngeren und weiblichen Artgenossen gehalten. Zoobetreiber erwägen deshalb, männliche Flachlandgorillas zu töten, berichtet  der »Guardian«. Das gehe aus bislang geheimen Dokumenten der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) hervor.

Kastration und Keulung – also das gezielte Töten – seien Optionen, um die Überpopulation in den Zoos zu reduzieren, heißt es in den Papieren des Verbands. Aktuell leben demnach 463 solcher Gorillas in den knapp 70 EAZA-Zoos, 212 davon seien männlich. »Aus biologischer Sicht« sei die Tötung das beste Mittel.

»Es ist in vielerlei Hinsicht falsch, einen gesunden Gorilla aus menschlicher Bequemlichkeit zu kastrieren oder zu töten.«

Ian Redmond, BBC-Moderator

»Das Letzte, was jeder, der sich für das Wohlergehen von Tieren einsetzt, will, ist eine Diskussion über Keulungen, aber in manchen Situationen können sie durchaus sinnvoll sein«, sagte der Primatologe Ben Garrod dem »Guardian«.

Tierschützer sind entsetzt über die Pläne. »Es ist in vielerlei Hinsicht falsch, einen gesunden Gorilla aus menschlicher Bequemlichkeit zu kastrieren oder zu töten«, sagte der Gorilla-Experte und BBC-Moderator Ian Redmond. Die Flachlandgorillas seien vom Aussterben bedroht und durch internationales Recht geschützt.

Der Naturschützer Damian Aspinall, dessen Stiftung bereits Gorillas ausgewildert hat, will die Tiere retten. »Es ist so traurig, dass Zoos überlegen, Gorillas zu töten, obwohl es möglich ist, diese auszuwildern«, sagte Aspinall. Die Weltgemeinschaft habe sich gerade erst verpflichtet, die Artenvielfalt zu schützen.

Die Auswilderung sei aber schwierig, gerade bei Menschenaffen, gibt Primatenexperte Garrod zu Bedenken. Gorillas aus Europa könnten beispielsweise Krankheiten in die afrikanische Wildnis einschleppen, was verheerende Auswirkungen hätte. Außerdem müsste ein Gebiet gefunden werden, das weit weg von anderen Gorillas liege – und von Dörfern, um Konflikte zwischen Tier und Mensch zu vermeiden. Wilderer und Krankheiten haben den Bestand in den letzten Jahrzehnten um mehr als die Hälfte dezimiert.

Gezieltes Töten ist »Teil des Managementplans«

Eine EAZA-Sprecherin bestätigte dem »Guardian« die Tötungspläne als »Teil des Managementplans«. Die Zoos würden aber eine Auswilderung unterstützen, wenn die Bedingungen dafür geeignet seien. Sie betonte aber auch, dass es bislang keine Keulungen gab und der Verband diese aktuell auch nicht explizit empfehlen würde. Kastrationen seien dagegen gängige Praxis, um die Zahl der Tiere zu kontrollieren.

Dass es einen öffentlichen Aufschrei geben würde, wenn die Pläne publik werden, war der Zoolobby klar, wie aus den vom »Guardian« veröffentlichten Dokumenten hervorgeht. »Der größte Nachteil dieser Option ist, dass jede Diskussion über die Tötung von Gorillas schnell emotional werden kann, weil es leicht ist, sich in sie einzufühlen.«

fww
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