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ANTARKTIS »Zum Spaßurlaub ungeeignet«

Expeditionsarzt Eberhard Kohlberg, 54, vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven über Extremsport am Südpol
aus DER SPIEGEL 5/2002

SPIEGEL: Vergangene Woche starteten fünf Läufer zu einem Marathon auf dem fast 3000 Meter hohen Inlandeis der Antarktis. Was halten Sie davon?

Kohlberg: Der Südpol ist ungeeignet für einen Spaßurlaub mit sportlicher Extremleistung. Es ist ja nicht nur diese Veranstaltung: Der Eine will mit kurzen Hosen zum Pol marschieren, der Nächste mit dem Fallschirm abspringen. Erstaunlich, was dieser Kontinent alles aushalten muss.

SPIEGEL: Der Sieger hat 8 Stunden und 52 Minuten gebraucht. Im Flachen liegt der Rekord bei knapp über 2 Stunden. Woher rührt der Unterschied?

Kohlberg: Die Strecke in der Antarktis hält nur aus, wer sehr häufig Pausen macht. Die Luft hat dort selten über minus 30 Grad, sie kann sich beim Einatmen nicht aufwärmen, was zu Frostschäden in der Lunge führt. Außerdem ist die Luft in 3000 Meter Höhe wegen der abgeflachten Polkappen dünner als etwa in den Alpen.

SPIEGEL: Was kann dem Körper denn passieren?

Kohlberg: Er kann vollständig kollabieren. Der Kreislauf versagt, in der Lunge bilden sich Ödeme, und das Blut verdickt. Besonders tückisch: Der Lungenschaden kommt plötzlich.

SPIEGEL: Welche Rettungsmöglichkeiten gibt es?

Kohlberg: Wir sind es, die mit unseren Flugzeugen einspringen müssen - allerdings nur, wenn es das Wetter erlaubt, und das ist eher die Ausnahme. Schon kleinere Verletzungen können deshalb katastrophal enden. Am Südpol gibt es nun mal keine Universitätsklinik.

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