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REPRODUKTIONSMEDIZIN Zweifel am Klon-Baby

aus DER SPIEGEL 49/2002

Seiner jüngsten Ankündigung, das erste Klon-Baby der Welt werde bereits im Januar geboren, will der umstrittene italienische Reproduktionsmediziner Severino Antinori offenbar keine nachprüfbaren Beweise folgen lassen. Wie seine Assistentin Marica Mongardi Ende vergangener Woche gegenüber dem SPIEGEL erklärte, werde Antinori das angebliche Klon-Kind nicht der Öffentlichkeit präsentieren: »Wir müssen das Baby vor der Neugier der Massenmedien schützen.« Auch die Identität des Menschen, der geklont worden sei, werde man nicht preisgeben. Bliebe es bei dieser selbst auferlegten Nachrichtensperre, könnten unabhängige Wissenschaftler den angeblichen Klon-Erfolg in keiner Weise nachprüfen - für Experten erhärten sich damit die Zweifel, dass der römische Baby-Macher tatsächlich schon vor einem Durchbruch steht. Der amerikanische Fortpflanzungsmediziner Panos Zavos, der früher mit Antinori kooperierte und sich jetzt mit ihm zerstritten haben will, bezichtigt den Italiener denn auch der Lüge: »Ich glaube, dass Antinori die ganze Geschichte frei erfunden hat. Früher hat er behauptet, er habe zusammen mit mir große Fortschritte gemacht - wovon ich gar nichts wusste. Ich kenne keinen seriösen Wissenschaftler, der mit ihm zusammenarbeitet. Antinori hat gar keine Forschergruppe für das Klonen.« Zugleich verkündet Zavos selbst, er treibe derzeit mit sieben Wissenschaftlern in Europa, den USA und im Nahen Osten das Klonen von Menschen voran: »Wir haben 17 unfruchtbare Paare, die sich ein Klon-Kind wünschen. Mit der ersten Schwangerschaft rechnen wir in den nächsten Wochen.« Die Dritte im Bunde der selbst ernannten Menschen-Kloner, die französische Chemikerin Brigitte Boisselier von der Raëlianer-Sekte, behauptet wiederum, das erste Klon-Kind - ein Mädchen - komme noch in diesem Jahr auf die Welt.

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