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Zwergwuchs: Tod aus der Spritze?

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aus DER SPIEGEL 19/1985

Pharmahersteller in den USA und in Schweden haben den Vertrieb von Wachstumshormonen vorerst eingestellt, nachdem drei zwergwüchsige Patienten Jahre nach einer Behandlung mit dem wachstumsfördernden Hormon an einem äußerst seltenen Virus-Leiden, der sogenannten Jacob-Creudtzfeld-Krankheit, gestorben sind. Da das Wachstumshormon aus den Hirnanhangdrüsen Verstorbener extrahiert wird, nehmen die Experten an, daß die Erreger mit dem Hormon auf die Patienten übertragen wurden. Die Viren befallen Gehirn und Rückenmark und lösen einen Zell-Verfall aus, der erst nach längerer Zeit zu Schwachsinn, Muskelstarre und schließlich zum Tod führt. Dieses typische Intervall zwischen Infektion und Auftreten der Symptome zeigte sich auch bei den drei in den USA bekanntgewordenen Todesfällen. Zwar ist es in den letzten Jahren gelungen, das Hormon - das wachstumsgestörten Kindern über einige Jahre verabreicht werden muß - gentechnisch herzustellen. Aber die Zulassung der Arzneimittelbehörden für diese Präparate stehen noch aus. In der Bundesrepublik gibt es etwa 2000 Kinder und Jugendliche, die Wachstumshormone brauchen (Kosten einer Jahresbehandlung: 18 000 Mark).

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