Niederlande Tässchen Tee hinter dem Deich

Von den Kanälen des Waterlands bis zu den saftig grünen Wiesen des Millingerwaards: Hinter reetgedeckten Häusern verstecken sich in vielen holländischen Dörfchen gepflegte Teegärten - für Garten- wie Teefans ein Genuss und am besten mit dem Fahrrad zu entdecken.

TMN

Zuiderwoude - Manche kommen mit dem Boot, die meisten mit dem Fahrrad, wenige mit dem Wagen. Das gemeinsame Ziel liegt versteckt am Ende des 340 Einwohner zählenden Fleckens Zuiderwoude: der kleine Teegarten von Erigone Koolen mit dem zutreffenden Namen "'t Einde", was soviel heißt wie "Am Dorfende". So wie dort gibt es in den Niederlanden zahlreiche Möglichkeiten, entspannt Tee trinken zu gehen - und das oft in ungewöhnlichem Ambiente.

Vor genau zehn Jahren begann Koolen in dem schmucken Häuschen sommertags mit dem Verkauf von Eis. Doch immer mehr Gäste fragten: "Können wir bei Ihnen auch einen Tee trinken und ein Stück Kuchen essen?" So kam Frau Koolen zum Tee in ihrem Garten.

Inzwischen hat sich Erigones "Theeschenkerij" herumgesprochen: Ausflügler aus Amsterdam erreichen das hübsche Anwesen mit dem Fahrrad in einer runden Stunde kräftigen Strampelns gegen den Wind. Andere Besucher kommen aus dem benachbarten Broek in Waterland mit den Elektromotor betriebenen Flüsterbooten über schmale Kanäle zu dem "Tee-Ausschank" und legen direkt am hauseigenen Kai an.

Die Gäste aus der nahen Großstadt genießen den Ausblick über die grünen Weiden des Waterlandes, Frau Koolens selbstgebackenen Kuchen und die mehr als 20 verschiedenen Teesorten. Auf Vorbestellung geht es sogar recht britisch zu: Zum "High Tea" serviert sie Sandwiches, Cake, Muffins und Scones mit Whipped Cream - Gebäck mit Sahne. Teegärten wie den von Frau Koolen gibt es zwischen Maastricht im Süden, Veere im Westen und Groningen ganz im Norden zu Hunderten in Holland. Die Internetseite Theetuinen listet zahlreiche Teegärten in den zwölf niederländischen Provinzen auf.

Tee und Tartjes im Gartenzimmer

"Die Tradition stammt aus England und ist in den frühen achtziger Jahren zu uns in die Niederlande gekommen", berichtet die Gartenarchitektin Jacqueline van der Kloet in Weesp bei Amsterdam. Die renommierte Grünplanerin ist eine der ersten Gastgeberinnen des Nachbarlandes, die in ihrem Garten den Besuchern Tee und Kuchen servieren ließ.

Frau van der Kloet gestaltete 2005 Teile des Keukenhofes zu Gartenzimmern, um das Zusammenspiel zwischen Tulpen und Gehölzen beispielhaft zu präsentieren. Heute lässt sie dreimal im Sommerhalbjahr Tee und Tartjes in ihrem Weesper Garten für Gäste auftischen.

Besonders viele Teegärten findet man in der Provinz Noord-Holland, im Waterland nördlich von Amsterdam. Wer hier ein Wochenende voller Teegenuss verbringen möchte, radelt von Garten zu Garten und bleibt über Nacht gleich in der Region. Mehr als ein Dutzend Landwirte haben sich in der Gegend um Monnickendam und Middenbeemster unter dem Motto "De Boerenkamer" zusammengeschlossen und bieten urige Übernachtungsmöglichkeiten - Ruhe auf dem Land wird garantiert.

Für manchen Gastgeber ist der Teegarten ein lohnender Nebenverdienst. Bei anderen Teegärtnern stehen Blumen und Bäume im Vordergrund. Auch bei Marianne Tuyn in Lienden in der Provinz Gelderland: "Vor allem Gartenclubs kommen nach Voranmeldung zu mir. Wir schauen uns gemeinsam den Garten mit den über 50 verschiedenen Wildblumen an, und anschließend gibt es zum Tee selbstgebackenen Kuchen." Je nach Jahreszeit werden Kirschtorte, Erdbeertartjes oder das in den Niederlanden so beliebte Appelgebak met Slagroom aufgetischt, Apfelkuchen mit einem dicken Schlag Sahne.

"Abwarten und Tee trinken", das ist in vielen der Teegärten zwischen Ostern und Mitte September zumeist nur an den Wochenenden möglich. Wegen der unterschiedlichen Öffnungszeiten sollte man vor dem Besuch unbedingt einen Blick auf die Internetseiten der Teegärten werfen.

Hinter Deichen und verschlungenen Pfaden

Hingegen hat der "Millinger Theetuin" - bis auf den Ruhetag am Montag - stets geöffnet. Mit dem Fahrrad kommen die Besucher aus dem deutschen Düffelward über den haushohen Rheindeich hinüber nach Holland zum Theetuin. Auf schmalen, verschlungenen Pfaden führt die Route durch das urtümliche Naturschutzgebiet Millingerwaard in den fernöstlich anmutenden Garten am Rheinufer. Große Bäume spenden Schatten, Wasser murmelt aus kleinen Springbrunnen, und am Sonntag lauschen die Besucher den munteren Melodien eines Konzertgitarristen.

So unterschiedlich wie die Öffnungszeiten ist auch die Gestaltung der Teegärten. Während bei Erigone Koolen in Zuiderwoude der Teegenuss im Mittelpunkt steht, bewundern die Besucher von Paula Hoffs Teegarten in dem 120-Einwohner Dörfchen Roodkerk bei Dokkum zuallererst die üppige Blumenpracht des 2000 Quadratmeter großen Grüns. Die passionierte Freizeitgärtnerin aus Friesland hat ihr Anwesen in verschiedene Gartenzimmer aufgeteilt, mit kleinen Sitzgruppen für die Tee-Pausen. Hecken und Gehölze trennen die einzelnen Gartenzimmer voneinander.

Vor allem Fahrradtouristen machen an Wochenendnachmittagen in Paula Hoffs Teegarten "De Heale Moanne" (Zum Halbmond) Rast. Mit der "Terpen-Route", der Fahrradstrecke von Warft zu Warft, führt eine der beliebten friesischen Fiets-Routen an dem Garten vorbei. Zum Tee werden hausgemachter Apfelkuchen oder Lemon-Quark-Tarte angeboten. Gastgeberin im eigenen Teegarten zu sein sei für sie so etwas wie ein Hobby und keine Arbeit, erzählt Paula Hoff. Hin und wieder lassen auch Brautpaare den Empfang in ihrem Garten ausrichten, und Fotografen nutzen das schöne Ambiente gerne für stimmungsvolle Hochzeitsfotos.

Hinter dem Reetdachhaus führt nur ein schmaler Weg in Paula Hoffs gepflegten Garten. Der Pfad ist mit Tausenden kleinen Kieselsteinchen belegt, die unter dem Schuhwerk knirschen. Das ist garantiert nichts für modebewusste Damen mit Highheels. "Aber diese Damen", sagt die Gastgeberin schmunzelnd, "fahren sicherlich auch nicht mit dem Fahrrad in den Teegarten."

Bernd F. Meier, dpa



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heisenberg, 19.08.2010
1. Ein schöner Bericht.
Zitat von sysopVon den Kanälen des Waterlands bis zu den saftig grünen Wiesen des Millingerwaards: Hinter reetgedeckten Häusern verstecken sich in vielen holländischen Dörfchen gepflegte Teegärten - für Garten- wie Teefans ein Genuss und am besten mit dem Fahrrad zu entdecken. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,711688,00.html
Wie schön ist es das es so was noch gibt. Hoffentlich bleibt das lange so erhalten. Ich bin sehr Naturverbunden. Holland ist ein sehr schönes Land. Mein nächster Urlaub wird mich dort mit Sicherheit vorbei führen. Danke Spon für den Bericht
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