15.08.1994

ChemiewaffenGiftversuche an US-Bürgern

Während des Kalten Krieges haben die US-Streitkräfte die eigene Zivilbevölkerung nicht nur dem radioaktiven Fallout ihrer Atombombentests ausgesetzt. Bürger von Minneapolis, St. Louis und dem texanischen Corpus Christi wurden in den fünfziger und sechziger Jahren ohne ihr Wissen auch mit giftigen Chemikalien übersprüht. Das geht aus einem Bericht hervor, der aus dem Hauptquartier der Spezialeinheit für die biologische Kriegführung der U. S. Army in Fort Detrick stammt. In Minneapolis versprühten die Giftkrieger 1953 von Lastwagen und Hausdächern die Substanz Zink-Cadmium-Sulfid. Das Lungen und Nieren schädigende Cadmium kann Krebs auslösen. Die Tests mit dem fluoreszierenden Material dienten dazu, die Ausbreitungsmöglichkeiten von biologischen und chemischen Waffen besser kennenzulernen. Mehrere Frauen, die als Kinder damals eine Grundschule besuchten, die im besprühten Gebiet lag, behaupten nun, bei den Giftversuchen Schäden davongetragen zu haben, darunter Unfruchtbarkeit, Krebserkrankungen und Fehlgeburten. Ein Sprecher der US-Armee beteuerte dagegen, die Cadmium-Belastung habe unterhalb jeder Gefährdungsgrenze gelegen.

DER SPIEGEL 33/1994
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