Moorbrand auf Bundeswehrgelände Niedersachsen bereitet Evakuierungen vor

Seit Wochen schwelt ein Moorbrand auf einem Gelände der Bundeswehr in Meppen. Möglicherweise müssen Menschen deshalb ihre Häuser verlassen - Niedersachsen bereitet sich nun darauf vor.

TNN; dpa

Die Rauchsäule ist selbst auf Satellitenfotos zu erkennen: Ein Moorbrand auf einem Gelände der Bundeswehr in Meppen könnte Evakuierungen notwendig machen. Niedersachsen hat Vorbereitungen zur Evakuierung Hunderter Anwohner getroffen, sollte sich die Lage zuspitzen.

Um welche Gebiete es sich konkret handeln könnte, lasse sich angesichts der unklaren Entwicklung nicht sagen, sagte der Brand- und Katastrophenschutzexperte des niedersächsischen Innenministeriums, Klaus Wickboldt. Derzeit gehe man davon aus, dass es noch ein bis zwei Wochen dauern werde, bis alle Glutnester erstickt seien.

Auf einem Satellitenbild vom Dienstagnachmittag war die Richtung Nordosten ziehende Rauchsäule gut zu erkennen, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Am Abend hatte es starken Brandgeruch und Sichtbehinderungen im Nordwesten von Niedersachsen und im mehr als hundert Kilometer entfernten Bremen gegeben. Am Mittwoch beschränkten sich die Auswirkungen vor allem auf das nähere Umland.

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Moorbrand auf Bundeswehr-Gelände: Rauchwolke über Niedersachsen

Die Bundeswehr kündigte eine umfassende Überprüfung des Feuers an. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Bundeswehr werde der Frage nachgehen, ob bei dem Test geltende Vorschriften verletzt oder Ermessensspielräume falsch genutzt worden seien. Man wolle auch prüfen, ob es eventuell Regelungslücken bei den Brandschutzvorschriften gebe.

Die Bundeswehr steht wegen des Brandes in der Kritik. Der Naturschutzbund (Nabu) Emsland kritisierte, dass auf dem ausgetrockneten Gelände überhaupt Raketentests stattfanden.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag erstatteten Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Bundeswehr. "Jeder andere, der im Moor bei einer solchen Gefahrenlage aufgrund extremer Trockenheit zündelt oder auch nur eine Zigarettenkippe wegwirft, müsste sich strafrechtlich verantworten", sagte der brandschutzpolitische Sprecher Christian Meyer. Er sehe keinen Grund, dass die Bundeswehr anders behandelt werden sollte, wenn sie sogar Raketen ins Moor schieße und dabei nicht einmal funktionsfähiges Löschgerät bereithalte.

Der Moorbrand war am 3. September durch Waffentests ausgelöst worden. Soldaten hatten für Tests eine Rakete ins Moor geschossen, eine Löschraupe fiel aus, weshalb sich das Feuer ausbreiten konnte. Der Brand reicht stellenweise einen Meter tief in den Boden und stellt die Einsatzkräfte vor große Probleme (mehr dazu lesen Sie hier). Aktuell sind laut Feuerwehr 720 Einsatzkräfte auf dem Gelände. Die betroffene Fläche umfasse etwa zwei mal vier Kilometer.

Gefahr durch Blindgänger

Durch das Feuer wurden nach Einschätzung von Experten bisher rund 500.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt. Dies entspricht einer Menge, die 50.000 Menschen im Durchschnitt im Jahr verursachen. Riesige Rauchwolken führen zudem zur Belastung von Anwohnern in der Region.

Außer dem Brand kommt nach einem Bericht des Radiosenders NDR 1 Niedersachsen nun auch noch ein Risiko durch Munitionsreste hinzu. Das betroffene Gelände wird demnach seit 1877 militärisch genutzt, das Brandgebiet gelte als blindgängergefährdet. Ein Feuerwehrsprecher kritisierte gegenüber dem Sender, dass es kaum möglich sei, an Informationen von der Bundeswehr zu gelangen.

Der Brand betrifft ein Außengelände der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 91 der Bundeswehr bei Meppen. Feuerwehren der Bundeswehr und aus der gesamten Region versuchen vor allem durch den Einsatz riesiger Wassermengen, den Flächenbrand zu bekämpfen. Dazu werden die vorhandenen Gräben so stark gewässert, dass sich das Erdreich mit Wasser vollsaugt.

ulz/dpa/AFP



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