Zum Inhalt springen

Sparkurs Thyssenkrupp-Stahlsparte verhängt Keks-Erlass

Die angeschlagene Stahlsparte von Thyssenkrupp muss sparen. Im Fokus: »Sachkosten«, und das heißt: Die Beschäftigten sollen Kaffee, Milch und Kekse fortan selbst bezahlen. Auch Weihnachtsfeiern richtet der Konzern nicht mehr aus.
Thyssenkrupp-Tasse: »Wir bitten um Ihr Verständnis und Ihre aktive Mithilfe«
Thyssenkrupp-Tasse: »Wir bitten um Ihr Verständnis und Ihre aktive Mithilfe«

Thyssenkrupp-Tasse: »Wir bitten um Ihr Verständnis und Ihre aktive Mithilfe«

Foto: Wolfgang Rattay / REUTERS

Die Führung von Thyssenkrupp schlägt sich seit Langem mit der wenig profitablen Stahlsparte rum. Konzernchef Miguel López versucht aktuell wieder einmal, die Mehrheit zu verkaufen, um sich auf profitablere Geschäfte zu konzentrieren. Doch dazu ist es bislang nicht gekommen. Stattdessen wird bei Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) selbst nun gestrichen – und zwar bei den Beschäftigten in der Verwaltung.

Konkret will das Unternehmen unter anderem keine Weihnachtsfeiern und andere »Teamevents« mehr übernehmen. Auch solle es künftig »keine Bewirtungen bei internen Meetings« geben, zitiert die »Westdeutsche Allgemeine Zeitung« (»WAZ«) aus einem Rundschreiben des Vorstands. »Lebensmittel und Konsumwaren« will TKSE demnach nicht mehr bezahlen.

Ausdrücklich erwähnt worden seien in diesem Zusammenhang »Kaffee, Milch, Wasser, Kekse«. In der Belegschaft sei daher spöttisch von einem »Keks-Erlass« die Rede, so die »WAZ«. Ein Sprecher der Sparte bestätigte die Angaben.

»Summe der Sachkosten ist nach wie vor zu hoch«

»Keine Bewirtung bei internen Meetings heißt schlicht, dass es keine Getränke und Speisen begleitend zu Meetings gibt. Letztlich ist die Botschaft ja klar: Wir müssen angesichts der Marktlage auf allen Ebenen einen harten Sparkurs fahren«, teilte er mit.

In dem Schreiben der drei Vorstandsmitglieder Dennis Grimm, Philipp Conze und Marie Jaroni, das der »WAZ« vorliegt, heißt es den Angaben zufolge: »Aufgrund der weiterhin schwachen Marktlage und damit herausfordernden finanziellen Lage unseres Unternehmens sind weitere Sparmaßnahmen unumgänglich.«

Die Konzernführung stellte demnach fest: »Viele Ausgaben haben wir schon erfolgreich reduziert, aber die Summe der Sachkosten ist nach wie vor zu hoch.« Der Vorstand habe beschlossen, »ganz konkrete Ausgaben drastisch zu kürzen«. Auch bei Dienstreisen, Geschenken und Fachzeitschriften soll gespart werden. An die Beschäftigten appellierte das Management laut »WAZ«: »Wir bitten um Ihr Verständnis und Ihre aktive Mithilfe, um diese schwierige Lage gemeinsam zu bewältigen.«

Der größte deutsche Stahlkocher TKSE wird seit Monaten von einem Streit mit dem Mutterkonzern erschüttert. Im Kern geht es dabei um die Mitgift, die die defizitäre Stahlsparte für den Weg in die Verselbstständigung erhalten soll. Wie viel Geld nötig ist, damit sich TKSE in dem volatilen Markt künftig auch allein behaupten kann, ist umstritten. Bei der Restrukturierung ist auch ein Stellenabbau vorgesehen.

Konzernchef López will das konjunkturanfällige Stahlgeschäft am liebsten in ein Joint Venture mit der Energieholding des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský einbringen. Křetínský hat bereits 20 Prozent erhalten und verhandelt über ein Paket von weiteren 30 Prozent.

apr/dpa