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DAF Bremse beschleunigt

• aus DER SPIEGEL 40/1966
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus Holland, wo jeder zweite Automobilist einen deutschen Wagen fährt, wurden bisher über 10 000 Kleinwagen besonderer Art an deutsche Käufer geliefert: Ihr Getriebe schaltet geschmeidiger als bei jedem anderen Automobil.

Der Daffodil genannte Kleinwagen erspart seinem Fahrer jegliches Schalten - aber nicht durch ein kompliziertes und teures automatisches Stufengetriebe wie etwa bei einem Rolls -Royce, sondern durch eine stufenlose Vollautomatik einfachster Bauart.

Die Ingenieure der Daf-Werke (van Doorne's Automobielfabriek) in Eindhoven, Erbauer des Daffodils, ersannen als Kraftübertragung ein raffiniertes System aus Treibriemen und variablen Scheibenpaaren, das vor sieben Jahren unter dem Namen Variomatic (SPIEGEL 8/1961) auf den Markt kam. Die Funktionssicherheit seiner Automatik und sein verhältnismäßig geringer Kaufpreis (4390 Mark für das Standardmodell) machten das Daffodil für schaltfaule und schaltängstliche Käufer, speziell Hausfrauen, zum Favoriten. Im vergangenen Jahr bauten die Eindhovener Daf-Werke (Belegschaft: 6000) mit 32 000 Wagen eineJahres-Rekordmenge.

Doch gerade im Reise- und Schnellverkehr der Deutschen wurde ein Nachteil der Variomatic und des Daffodils besonders deutlich. Die preiswerte Automatik arbeitete nur bei niedriger Motorleistung narrensicher. Daher koppelten die Holländer ihre Schaltapparatur beim Daffodil mit relativ schwachen Motoren. Die neueste Daffodil-Version ist mit einem Zweizylindermotor von 750 Kubikzentimeter Hubraum und 26 PS Leistung ausgerüstet. Er ermöglicht nur 105 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit, sein Beschleunigungstemperament gilt als mangelhaft.

So erwies sich das pfiffige Stadtauto im Reiseverkehr nicht selten als Kolonnenbremse. Speziell bei Bergfahrten zeigte es, wie die Frankfurter »Abendpost« bei einem Test ermittelte, »leichte Ermüdungserscheinungen«.

Daher entwickelten die Daf-Techniker in dreijähriger Arbeit einen neuen Typ, den sie vorletzte Woche als »außergewöhnlich schnellen Reisewagen« präsentierten. Er heißt Daf 44 (Preis: 5690 Mark) und ist mit einer verbesserten Variomatic ausgerüstet, für deren Entwicklung die Holländer sogar einen 100 PS starken Treibriemen-Rennwagen starten ließen.

Dem Neuling installierten sie einen 34 PS starken Zweizylindermotor (Hubraum: 850 Kubikzentimeter). Er gewährleistet 123 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und das bisher beim Daffodil vermißte Temperament.

Anders als bei dem hausbacken anmutenden Blechkleid des Daffodils, das die Holländer selbst entwarfen, strebten sie mit dem Daf 44 nach höheren Regionen des Auto-Styling. Die Karosserie des neuen Modells wurde bei der Haute Couture der Blechschneider gestaltet: bei Maestro Giovanni Michelotti in Turin.

Altes »Daffodil«

Für das Auto der Hausfrau ...

... ein Blechkleid von der Haute Couture: Neues Daf-Modell »44«

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