Radsport Neuer Dopingvorwurf gegen Lance Armstrong
Austin - Während sich die Gerüchte über ein baldiges Karriereende Armstrongs verdichten, droht dem sechsfachen Tour-Sieger neuer juristischer Ärger. Mike Anderson, ein ehemaliger Angestellter des Radsport-Superstars, gab gestern vor dem Gericht in Texas an, dass er vor einem Jahr im Apartment von Armstrong im spanischen Girona verbotene Substanzen im Badezimmer entdeckt habe. Dies berichtet die Tageszeitung "Austin American Statesman" unter Bezug auf gerichtliche Unterlagen.
Es soll sich dabei um ein anaboles Steroid gehandelt haben, so Anderson, mit dem Armstrong seit vergangenem Jahr im Rechtsstreit um Geldforderungen liegt. Im November 2004 hatte der Betreuer, der im Armstrong-Team für Lebensmitteleinkauf sowie das Entwerfen von Fahrrad-Parcours verantwortlich war und dafür 3000 Dollar im Monat erhielt, um eine Gehaltserhöhung von 500 Dollar gebeten. Armstrong feuerte daraufhin Anderson, mit dem er seit November 2002 zusammengearbeitet hatte.
Streit um Abfindung
Armstrong bot Anderson eine Abfindung von 7000 Dollar, doch als dieser ablehnte, eskalierte die Angelegenheit. Einen Monat später wurde der ehemalige Angestellte von Armstrong verklagt, weil dieser angeblich 500.000 Dollar Schweigegeld von ihm erpressen wollte.
Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Anderson nun. "Ich hatte überhaupt keine Absicht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen", so ehemalige Armstrong-Angestellte, "ich wollte nach der Trennung eine Einigung erzielen und wurde darauf von Armstrong und seinen Leuten verklagt. Wenn mir jetzt jemand vorwirft, ich wollte Geld aus dieser Angelegenheit erzielen, dann beleidigt er meinen Verstand."
Armstrong, der am Sonntag bei der Flandern-Rundfahrt an den Start gehen will, befindet sich bereits in einem Rechtsstreit mit seiner ehemaligen Masseurin Emma O'Reilly und den Autoren des Buches "L.A. Confidential - die Geheimnisse des Lance Armstrong". O'Reilly behauptet, sie habe für ihren damaligen Chef gebrauchte Spritzen entsorgen müssen. Außerdem hätte sie Armstrong zu konspirativen Treffen geschickt, um Doping-Präparate in Empfang zu nehmen. Armstrong geht seit jeher gegen Doping-Vorwürfe gerichtlich vor.
Spekulationen um Karriereende
Die neuen Anschuldigungen bezeichnet Armstrongs Anwalt Timothy Herman als "falsch und absurd". Anderson sagt, laut Etikett habe es sich bei der Schachtel in Armstrongs Badezimmer um "Androstenon oder etwas sehr ähnliches" gehandelt. Androstenon ist ein Anabolika-Präparat.
"Noch vier Monate, dann ist Schluss", hat Armstrong laut der italienischen Tageszeitung "Gazzetta dello Sport" sein freiwilliges Karriereende bereits vor Augen. "Meine Kinder fehlen mir und dieser gesamte Druck um mich herum ist ein immer teurerer Preis. Das kann kein Dauerzustand sein", zitiert ihn die Sportzeitung. Für den 18. April hat der Texaner zu einer Pressekonferenz vor der Georgia-Rundfahrt nach Atlanta eingeladen, um "etwas Wichtiges" mitteilen. Er ließ jedoch keinen Zweifel an seinem Start bei der Tour de France (2. bis 24. Juli), wo er in den vergangenen Jahren auch für Jan Ullrich ein übermächtiger Gegner war.