Rummel um Zwergflusspferd Gestatten, Moo Deng, Internetstar aus Thailand
Zwergflusspferd Moo Deng: Inzwischen ein Internetstar
Foto: Carola Frentzen / picture alliance / dpaHaben Sie in den vergangenen Tagen auf Social Media Fotos, Videos oder Memes gesehen, die ein junges Zwergflusspferd zeigten? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich dabei um Moo Deng handelte. Mit seinen Kulleraugen und seiner niedlichen Mimik wird das Tierkind aus Thailand gerade zum Internetliebling.
Sogar der FC Bayern München ließ es sich nach dem 9:2-Sieg gegen Dinamo Zagreb in der Champions League nicht nehmen, Moo Dengs expressive Mimik für einen Gag zu nutzen. »So haben wir gestern auch geschaut, Moo Deng!«, schrieb der Account des Klubs auf X .
So haben wir gestern auch geschaut, 𝑴𝒐𝒐 𝑫𝒆𝒏𝒈! 🫣😂#FCBayern #MiaSanMia #UCL pic.twitter.com/jAoNnFryvq
— FC Bayern München (@FCBayern) September 18, 2024
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Wenn es nicht gerade im Netz viral geht, lebt das zwei Monate alte Flusspferd im Khao Kheow Open Zoo in der thailändischen Provinz Chonburi, dort ist es die Attraktion der Stunde. Seit Moo Deng am 10. Juli das Licht der Welt erblickte, haben sich die Besucherzahlen des Zoos verdoppelt.
An Moo Dengs Gehege wird jede Bewegung des Jungtiers von der Menge mit einem Raunen begleitet. Kameras klicken, Smartphones werden in die Höhe gestreckt. Mit ihren kurzen Beinchen hoppelt Moo Deng munter hinter Mutter Jona her, der sie nicht von der Seite weicht.
Als ihr Pfleger mit dem Futter kommt, bespritzt er das Hippo-Kind mit Wasser und nimmt die niedliche Schnute in die Hände, worauf Moo Deng mit lustigen Grimassen reagiert. Man kann sich sicher sein: Einige dieser Aufnahmen landen sogleich wieder in den sozialen Medien.
Es flogen schon Gegenstände ins Gehege
Dennoch bleibt beim Zuschauen das Gefühl, dass der Hype allen mehr Freude bereitet als dem Tierbaby selbst. Immer wieder scheint es sich unter dem massigen Körper der Mutter verstecken zu wollen. »Hippos gehören in die Wildnis, aber Moo Deng wird nie außerhalb eines Käfigs leben«, sagt Jason Baker, Vizepräsident der Tierschutzorganisation Peta Asien. »Tiere sind nicht zu unserer Unterhaltung da.« Ihre Zucht zur öffentlichen Zurschaustellung führe zu anhaltendem Leid.
Manche Besucherinnen und Besucher aber sind vernarrt in das pummelige Tierchen. »Ich bin zum ersten Mal in diesem Zoo, dabei wohne ich nur zehn Minuten weg von hier«, erzählt eine etwa 40 Jahre alte Frau. »Aber für Moo Deng war es das wert, sie ist ja dermaßen süß!« Mönche in safranfarbenen Roben lassen sich ebenso verzaubern wie Schulklassen. »Moo Deng! Moo Deng!«, rufen einige Schüler aufgeregt.
Nicht alle haben sich in den vergangenen Wochen vorbildlich verhalten: Manche Gäste haben Gegenstände in das Gehege geworfen, um das schlafende Tierbaby aufzuwecken, das gab Ärger. Mittlerweile wurden Sicherheitskameras installiert, während Besuchern juristische Folgen wegen Tierquälerei angedroht werden. Das zeigt offenbar Wirkung.
Das hat es mit dem Namen auf sich
Zu sehen ist Moo Deng frühmorgens, danach darf sie sich ausruhen, bevor es am Nachmittag eine zweite Besucherrunde gibt. Ihr Name bedeutet so viel wie »hüpfendes Schwein« und spielt zugleich auf ein bekanntes thailändisches Street-Food-Gericht an: gerösteten Schweinebauch auf Reis mit einer dicken roten Soße. Rund 20.000 Facebook-User hatten im August darüber abgestimmt, wie der Zwergflusspferd-Nachwuchs heißen soll.
Moo Deng mit Mutter Jona: Das Interesse an dem Tierkind ist riesig
Foto: Rachen Sageamsak / dpaSeit Wochen reisen Reporter und Kamerateams aus aller Welt an. Das »Time«-Magazin bezeichnete Moo Deng bereits als »Ikone« und »Legende«. Moo Deng sei zwar kein typischer A-Promi, »aber sie wird definitiv wie einer behandelt«, schreibt das US-Nachrichtenmagazin. Einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat das Tierkind auch schon.
Verkürzte Besuchszeiten
Das 2000 Hektar große Gelände ihres Zoos liegt etwa zwei Autostunden südöstlich von Bangkok und 35 Kilometer nördlich der Touristenhochburg Pattaya. An den Wochenenden wird es besonders voll, zuletzt wurden an einem einzigen Tag 12.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Die Betreiber haben die Besuchszeit an Moo Dengs Gehege an solchen Tagen jetzt auf fünf Minuten pro Person begrenzt.
Um die Nachfrage der Fans aus aller Welt zu befriedigen, soll bald ein 24-Stunden-Livestream aus dem Gehege von Moo Deng eingerichtet werden. Zudem sind bunte Moo-Deng-Souvenirs in Vorbereitung, darunter T-Shirts und Stofftiere. Die Einnahmen sollen in dringend nötige Arbeiten in dem Zoo mit seinen 3000 Tieren fließen.
Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass Nachwuchs der seltenen und nur in Westafrika in freier Wildbahn lebenden Zwergflusspferde Euphorie auslöst: Kurz vor Moo Deng war die Anfang Juni im Berliner Zoo geborene Toni – benannt nach dem Berliner Fußballer Antonio »Toni« Rüdiger – zum Publikumsliebling avanciert.
Die Deutsche Botschaft in Bangkok fragte sich in einem Facebook-Post schon, ob Toni und Moo Deng irgendwann Freundinnen werden könnten und fügte hinzu: »Obwohl es aufgrund der Gefangenschaft in Zoos unwahrscheinlich ist, dass sie sich treffen, könnten sie gemeinsame Verwandte in der Elfenbeinküste, Guinea, Liberia oder Sierra Leone haben – den letzten Ländern, in denen das gefährdete Zwergflusspferd noch in freier Wildbahn lebt.«
Eine kleine Verbindung zwischen den beiden gibt es zumindest bei den Namen: Moo Dengs Papa heißt Tony.