Vatikanstadt - Williamson solle sich "eindeutig und öffentlich" von seinen Äußerungen distanzieren, hieß es in einer Erklärung des Vatikans. Dies müsse geschehen, bevor er als Bischof wiedereingesetzt werden könne. Die Aufhebung der Exkommunizierung des Holocaust-Leugners Williamson und von drei weiteren Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft am 24. Januar durch Papst Benedikt XVI. hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Holocaust-Leugner Williamson: Nun doch klare Worte aus dem Vatikan
Die Erklärung des Vatikans geht Kritikern jedoch nicht weit genug. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hält die Reaktion für nicht konsequent genug. Kramer sagte, es handele sich zwar um einen "richtigen Schritt". Dieser reiche aber nicht aus. Es gehe nicht nur um Williamson, sondern um die Grundsatzfrage des Umgangs mit der Piusbruderschaft.
Williamsons krude Thesen sind spätestens durch sein Interview mit dem schwedischen TV-Sender SVT bekannt geworden, das am 21. Januar ausgestrahlt wurde - und über das der SPIEGEL bereits in seiner Ausgabe vom 19. Januar 2009 berichtet hatte. Der Piusbruder hatte behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden. Am 24. Januar wurde dann der Papst-Entschluss veröffentlicht, Williamson wieder in die Kirche aufzunehmen.
Am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als erste Regierungschefin vom deutschen Papst eine eindeutige Klarstellung verlangt.
Papst Benedikt XVI. selbst war auf seiner mit Spannung erwarteten Generalaudienz im Vatikan am Mittwochvormittag mit keinem Wort auf den Disput über die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners eingegangen. Auch auf Merkels Aufforderung reagierte das Kirchenoberhaupt nicht persönlich.
Stattdessen rief er zur Achtung der Menschenrechte in Sri Lanka auf, wo sich Tamilen-Rebellen und die Armee heftige Gefechte liefern. Er bedaure die zunehmende Zahl "unschuldiger Opfer" in diesem "grausamen" Konflikt, sagte Benedikt XVI.
ala/itz/AFP/dpa
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