Afghanistan Karzais Halbbruder bei Attentat getötet
Afghanistan: Karzais Halbbruder bei Attentat getötet
Foto: Rahmat Gul/ ASSOCIATED PRESSKandahar - Ahmed Wali Karzai wurde offenbar in seinem eigenen Haus getötet. Dies sagte ein Sprecher der Provinz Kandahar laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Auch ein Cousin bestätigte den Tod. In ersten Berichten hieß es zuvor, der jüngere Halbbruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai sei lediglich verletzt worden.
Der genaue Hergang des Attentats ist noch unklar: Offenbar wurde Karzai von einem seiner eigenen Leibwächter erschossen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bekannten sich die radikal-islamischen Taliban zu dem Attentat: "Der Attentäter war der Bodyguard von Ahmed Wali Karzai", sagte ein Sprecher der Taliban per Telefon. Der Name des Attentäters laute Sardar Mohammad, er sei seit langem ein Vertrauensmann der Taliban gewesen. "Und heute hatte er durch die Hilfe Gottes die Gelegenheit, Ahmed Wali Karzai mit seinem Revolver zu erschießen", sagte der Taliban-Sprecher. Der Attentäter kam demnach auch ums Leben.
Ahmed Wali Karzai galt als einer der einflussreichsten Männer im Süden Afghanistans. Er stand an der Spitze des Rates der Provinz Kandahar. Gegen ihn wurden immer wieder Vorwürfe wegen Korruption und der mutmaßlichen Verstrickung in den Drogenhandel laut. Er wurde zudem beschuldigt, auf der Gehaltsliste der CIA zu stehen. Außerdem soll er mehrere private Sicherheitsfirmen kontrolliert haben und damit viel Geld verdient haben. Der Halbbruder des Präsidenten hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Bereits im Mai 2009 war Ahmed Wali Karzai von Attentätern attackiert worden - sie griffen seinen Fahrzeugkonvoi auf dem Weg nach Kabul mit Panzerfäusten und Maschinenpistolen an. Ein Wachmann starb, Karzai wurde nicht verletzt.
Die Tochter des Bürgermeisters von Kandahar sagte, Karzai hinterlasse fünf Kinder - zwei Söhne und drei Töchter. Sein jüngster Sohn sei vor etwa einem Monat geboren worden. "Ich weine wegen des einen Monat alten Kindes, das seinen Vater niemals sehen wird", sagte sie schluchzend am Telefon. "Wie viele werden wir in diesem Land noch zu Waisen und Witwen machen?"