LITERATUR Auf Kriegssafari
Mitunter wird der Irrsinn des Krieges noch übertroffen vom Irrsinn der Medienmenschen, die darüber berichten: In Otmar Jenners Debütroman »Sarajevo Safari« folgt der junge deutsche Reporter Robert Mandel der Spur eines anderen deutschen Journalisten, der sich im Bosnien-Krieg als Söldner verdingt haben soll, um westlichen Magazinen eine Sensationsstory zu liefern. Mandel stößt bei seinen Recherchen auf einen Wust von Gerüchten. So reißerisch all dies klingen mag, der Autor Jenner, 40, macht daraus keinen kruden Ex-und-hopp-Thriller, sondern eine eindringliche und bedrückende Schilderung vom alltäglichen Sterben in Sarajevo - Jenner war einst selbst als Journalist im Bosnien-Einsatz unterwegs. Sein Held Mandel betäubt sich mit Valium und Haschisch, trotzdem macht ihm der Kriegshorror seelisch und körperlich schwer zu schaffen: Mehr und mehr verliert er sich in düsteren, auch sexuellen Phantasien. Gemeinsam mit einer TV-Journalistin, die im Wettlauf um die schrecklichsten Bilder die letzten Hemmungen ablegt, driftet Mandel in eine surreale Wahnwelt ab - und der Roman in eine wortgewaltige und zuletzt wild halluzinierte Fabel. Die letzte Wildnis, die es noch zu entdecken gelte, heißt es in alter romantischer Tradition, sei »das eigene Ich«.
Otmar Jenner: »Sarajevo Safari«. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 400 Seiten; 45 Mark.
Otmar Jenner: »Sarajevo Safari«. Verlag Kiepenheuer & Witsch,Köln; 400 Seiten; 45 Mark.