Nach Umfrage Ermittlungen zu sexuellen Übergriffen an französischer Elite-Ingenieursschule

Dutzende Studierende der renommierten Universität CentraleSupélec hatten in einer Umfrage angegeben, auf dem Campus Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Nun befassen sich Strafverfolger mit dem Fall.
Kaderschmiede CentraleSupélec in Gif-sur-Yvette bei Paris: Das »wahre Ausmaß völlig unterschätzt«

Kaderschmiede CentraleSupélec in Gif-sur-Yvette bei Paris: Das »wahre Ausmaß völlig unterschätzt«

Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT / AFP

Eine anonyme Umfrage unter Studentinnen und Studenten der CentraleSupélec hat Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgelöst. Dutzende Teilnehmer hatten angegeben, auf dem Campus sexuelle Gewalt erlebt zu haben.

Die Zeitung »Le Monde « hatte die Ergebnisse öffentlich gemacht. Demnach hatten an der Umfrage 659 Personen teilgenommen, darunter 443 Männer, 196 Frauen und 20 Menschen, die sich als nicht binär bezeichneten. Die Umfrage war laut »France Inter « von einer Studentenvereinigung im Auftrag der Hochschulleitung durchgeführt worden.

20 Frauen und acht Männer hatten angegeben, vergewaltigt worden zu sein. Dutzende weitere berichten von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen. Die mutmaßlichen Opfer gaben den Berichten zufolge an, neun von zehn der angeprangerten Übergriffe seien von Kommilitonen begangen worden. Die mutmaßlichen Taten hätten zudem in 80 Prozent der Fälle in Wohnheimen und Wohnungen auf dem Campus stattgefunden.

Ministerin kündigt Konsequenzen an

»Die Ergebnisse der Umfrage haben uns schockiert«, erklärte Hochschuldirektor Romain Soubeyran. Seine Schule engagiere sich seit Langem gegen sexuelle Gewalt, dennoch habe man das »wahre Ausmaß völlig unterschätzt«.

Die Staatsanwaltschaft Evry leitete nach Erhalt der Ergebnisse eine Voruntersuchung wegen »sexueller Belästigung, sexueller Nötigung und Vergewaltigung« ein, wie es beim Sender France Inter heißt. Die Umfrage erfolgte anonym, für die Ermittler dürfte es folglich schwer sein, mutmaßliche Opfer oder Täter zu identifizieren.

Die französische Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation reagierte via Twitter auf die Berichte. Sie verurteile diese Gewaltakte auf Schärfste, schrieb Frédérique Vidal. Die Ministerin kündigte einen »nationalen Aktionsplan« gegen sexualisierte Gewalt an Hochschulen an.

Die CentraleSupélec in der Stadt Gif-sur-Yvette bei Paris entstand aus der Zusammenlegung zweier Hochschulen und gilt als Elite-Ingenieursschule.

jpz/AFP
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