AfD-Logo verwendet Staatsschutz ermittelt nach Drohbrief an schwulen Propst
Steffen Paar im Jahr 2020
Foto: Michael Althaus / KNA / picture allianceAnonyme Drohschreiben mit dem Logo der AfD haben in Schleswig-Holstein den Staatsschutz auf den Plan gerufen. Dieser ermittle nun, nachdem der schwule Propst Steffen Paar einen an ihn gerichteten Brief in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Darin droht eine Gruppe namens »Sturmfront Schleswig-Holstein – Patriotischer Untergrund der AfD und Bauernschaft« Paar unter anderem damit, dass man seinen Wohnsitz und seinen Partner kenne. »Fühlen Sie sich nirgendwo sicher«, heißt es.
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Auf dem Brief sind das Bild einer Waffe sowie die Logos der AfD und der historischen schleswig-holsteinischen Landvolk-Bewegung zu sehen. Diese hatte in Reaktion auf die Agrarkrise in den Zwanzigerjahren unter anderem einen Steuerboykott verkündet und Sprengstoffanschläge verübt. »Eure Forderungen berühren und verändern mich nicht«, schreibt Paar, der in Itzehoe tätig ist, in einem Post auf Instagram . »Angst haben wir keine.«
Kirche und AfD reagieren
Schleswig-Holsteins stellvertretender AfD-Landesvorsitzender Julian Flak erklärte, dass die Bundespartei den Geistlichen unmittelbar nach Bekanntwerden der Drohbriefe angeschrieben habe. Sie habe klargestellt, dass das Parteilogo »selbstverständlich ohne unser Wissen und unsere Zustimmung verwendet wurde und wir mit dem vermeintlichen Absender rein gar nichts zu tun haben«. Die Partei könne laut Flak nicht ausschließen, dass das Schreiben von dritter Seite bewusst eingesetzt werde, um der AfD im Wahlkampf zu schaden.
»Mit einem Drohbrief werden gegen einen Propst unserer Kirche und seinen Ehemann Hass und Hetze verbreitet«, erklärte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt auf Instagram. Dazu teilte sie ein Foto mit Paar . Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland sei solidarisch mit allen, die sich »mutig und friedlich gegen Hass und Hetze einsetzen«. Sie stehe fest an der Seite des Propstes und seines Ehemannes: »Beide haben unsere volle Solidarität und Unterstützung.«
Die Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, Nora Steen, äußerte sich ebenfalls zu dem Vorfall. »Wenn Menschen bedroht werden, weil anderen ihr Lebensentwurf nicht gefällt, ist eine Grenze überschritten«, schreibt sie auf Instagram .
Nach Angaben des Innenministeriums war eine Gruppierung namens »Sturmfront Schleswig-Holstein« der Verfassungsschutzbehörde des Landes bislang nicht bekannt. Der Verfassungsschutz habe nun nachrichtendienstliche Maßnahmen zur Aufklärung eingeleitet. »Derartig drastische Bedrohungen verabscheue ich«, sagte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). »Wir bearbeiten die Drohschreiben mit hoher Priorität und Sensibilität.«