Ehrenmord-Prozess: Lange Haftstrafe für Vater der getöteten Arzu Ö.

Angeklagter Fendi Ö. mit Anwalt und Dolmetscher: Verurteilt wegen Beihilfe zum Mord Zur Großansicht
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Angeklagter Fendi Ö. mit Anwalt und Dolmetscher: Verurteilt wegen Beihilfe zum Mord

Das Landgericht Detmold hat den Vater der getöteten Arzu Ö. zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt - wegen Beihilfe zum Mord. Die 18-Jährige war von mehreren ihrer Geschwister entführt und erschossen worden. Ihr Vater Fendi Ö. habe die Bluttat zugelassen, hieß es zur Begründung.

Detmold - Der Vater der ermordeten Arzu Ö. aus Detmold muss ins Gefängnis. Das Landgericht Detmold verurteilte den 53-jährigen Fendi Ö. wegen Beihilfe zum Mord zu sechseinhalb Jahren Haft. Damit blieben die Richter unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte sich für eine Haftstrafe von acht Jahren und neun Monaten ausgesprochen.

Fendi Ö. habe nicht verhindert, dass seine fünf erwachsenen Kinder die 18-jährige Arzu entführt und im Namen der Ehre getötet hätten, hieß es von der Anklagebehörde. Deshalb habe er sich der Beihilfe zum Mord durch Unterlassen schuldig gemacht. Außerdem müsse der 53-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, weil er Arzu verprügelt habe.

Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung gefordert. Für eine Anstiftung oder Beihilfe zum Mord gab es nach Ansicht der Verteidigung keinen Beweis.

Arzu Ö. war im November 2011 von mehreren ihrer Geschwister aus der Wohnung ihres Freundes entführt und erschossen worden. Sie wurde nur 18 Jahre alt. Ihre Brüder und eine Schwester wurden deshalb im vergangenen Mai zu Strafen zwischen sechs Monaten und lebenslanger Haft verurteilt. Sie hatten die Tat gestanden. Der Richter sprach damals von einem klaren "Ehrenmord".

Fendi Ö. hatte vor Gericht eingeräumt, seine Tochter geschlagen und unter anderem auch mit einem Stock verprügelt zu haben. Das tue ihm leid, betonte der 53-Jährige. Zugleich wies er die Vorwürfe gegen ihn zurück. In einer von seinem Anwalt Torsten Giesecke verlesenen Erklärung betonte er Ende Januar: "Ich habe nichts mit dem Mord zu tun."

Die Familie hatte Arzu Ö. wegen ihres westlichen Lebensstils ausgestoßen - dabei war den Angehörigen vor allem die Beziehung der Tochter mit einem jungen Deutschen ein Dorn im Auge. Die Familie Ö. gehört zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden, die Beziehungen zu Nicht-Jesiden ablehnt.

bim/ulz/dpa

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