Abstimmung im Stadtrat Grenoble erlaubt Burkinis in Schwimmbädern

Die Debatte war hitzig, die Abstimmung fiel äußerst knapp aus: In Grenoble dürfen Frauen künftig oben ohne ins Schwimmbad – aber auch im Ganzkörper-Badeanzug. Kritiker wollen das nicht akzeptieren.
Frau im Burkini

Frau im Burkini

Foto: Konstik / IMAGO

Der Stadtrat im französischen Grenoble hat in einer knappen Abstimmung für die weitgehende Aufhebung der Bekleidungsvorschriften für Frauen in den städtischen Schwimmbädern gestimmt. Nach mehrstündiger Debatte sprachen sich am Montagabend 29 Abgeordnete für den Vorschlag des Grünen-Bürgermeisters Eric Piolle aus, 27 stimmten dagegen, zwei enthielten sich.

Ab dem 1. Juni ist demnach sowohl Oben-ohne-Baden als auch der als Burkini bekannte häufig von muslimischen Frauen getragene Ganzkörper-Badeanzug erlaubt. In der neuen Badeordnung wird der Begriff »Badeanzug« durch den Begriff »Badekleidung« ersetzt, außerdem entfällt die Festlegung, dass der Badeanzug höchstens von den Knien bis zum Nacken reichen darf. Es bleibt dabei, dass die Badekleidung aus dafür konzipiertem Stoff bestehen und eng anliegen muss. Verboten bleibt Kleidung, die schon vor Betreten des Schwimmbads getragen wurde oder die eine Gefahr für Sicherheit und Hygiene darstellt.

Reaktion einer Pro-Burkini-Initiative auf die Abstimmung in Grenoble

Reaktion einer Pro-Burkini-Initiative auf die Abstimmung in Grenoble

Foto: Jeff Pachoud / AFP

Obwohl die Vokabel Burkini gar nicht vorkommt, erntete der Bürgermeister in der Debatte im Stadtrat heftige Kritik. Er sei ein Partner des »politischen Islams«, er setze die Vorstellungen von Salafisten um und trete Frauenrechte mit Füßen, es handele sich um eine Unterwerfung an den Islam, sagten Gegner.

Die Initiative hatte in Frankreich landesweit für Aufsehen gesorgt. »Wir wollen, dass öffentliche Angebote für alle zugänglich sind, wir wollen, dass alle ›oben ohne‹ baden können, sowohl Frauen wie Männer, und dass alle bedeckt baden können, Frauen wie Männer«, sagte Bürgermeister Piolle zur Begründung.

»Bruch mit den Werten unserer Republik«

Während der Oben-ohne-Vorschlag weitgehend unbeachtet blieb, erregte besonders der Burkini die Gemüter: Dieses Vorhaben widerspreche den republikanischen Werten, sagte Prisca Thévenot, eine Sprecherin der Regierungspartei LREM. »Wer ein Schwimmbad betritt, muss sich an Regeln halten.« Eine der wichtigsten Regeln Frankreichs sei »die Laizität und die Gleichheit vor dem Gesetz«.

Frankreich versteht sich als laizistisches Land, in dem eine strikte Trennung von Staat und Religion herrscht. Der Umgang mit religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit sorgt immer wieder für Kontroversen, vor allem im Zusammenhang mit dem Islam.

Proteste gegen die Burkini-Pläne in Grenoble

Proteste gegen die Burkini-Pläne in Grenoble

Foto: JEFF PACHOUD / AFP

Konservative Politiker warfen Piolle einen »Bruch mit dem Laizismus und den Werten unserer Republik« vor. Der Präfekt des Departements Isère teilte mit, dass er auf Anweisung von Innenminister Gérald Darmanin das Verwaltungsgericht in Grenoble anrufen werde, um die Maßnahme zu blockieren und eine Aussetzung der Regelung zu erwirken.

In der Ratsdebatte wies Piolle die Einwände zurück. Ganz im Gegenteil sei seine Initiative im Zeichen des Einsatzes für den Laizismus zu sehen: Denn es gebe kein Verbot für das Tragen religiöser Kleidung im öffentlichen Raum, »auch nicht im Schwimmbad«.

Schweres Geschütz gegen die Burkini-Pläne hatte im Vorfeld bereits der konservative Regionspräsident Laurent Wauquiez aufgefahren. »Ich warne den Bürgermeister: In diesem Fall wird die Region sämtliche Subventionen für die Stadt Grenoble einstellen. Kein Centime der Bewohner von Auvergne-Rhône-Alpes wird die Unterwerfung an den Islamismus finanzieren.«

Das Wort Burkini ist eine Kombination aus Bikini und Burka – einem von Islamisten geforderten Ganzkörperschleier für Frauen. Über die Kleidungsstücke gab es bereits im Sommer 2016 einen heftigen Streit in Frankreich, örtlich auch Verbote. Der Staatsrat erklärte schließlich ein kommunales Burkini-Verbot, wie es an der Côte d'Azur erlassen worden war, für rechtswidrig. Um Burkinis weiterhin von Stränden und aus Bädern zu verbannen, berufen sich Kommunen auf Sicherheits- und Hygieneanforderungen.

wit/AFP/dpa
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