Federer nach Verletzungspause vor Comeback »Bin momentan nicht sicher, dass das Knie hält«
Roger Federer beim Training in Katar: »Habe das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist«
Foto: Paul Zimmer / imago images/Paul ZimmerDie vergangene Saison zeigte, wie eine Tenniswelt ohne den Spieler Roger Federer aussehen würde. Mehr als ein Jahr musste der 39 Jahre alte Schweizer wegen einer Knieverletzung auf sein Comeback warten. In dem Alter hätte nicht jeder Sportler so lange darauf hingearbeitet, irgendwann wieder auf dem Platz zu stehen. Federer schon. Bei den Katar Open steht er nun vor seinem Comeback.
»Ich habe einfach das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist«, sagte Federer, er will es noch einmal wissen. Voraussichtlich am Mittwoch bestreitet er gegen den Briten Dan Evans oder den Franzosen Jérémy Chardy sein erstes Tourmatch seit den Australian Open 2020. Die Tennisfans schauen genau hin, wie gut Federer nach seinen zwei Knieoperationen in das neue Jahr startet. Und nicht nur die.
»Ich denke, dass alle es lieben, ihn Tennis spielen zu sehen. Sogar ich, der eigentlich ein Rivale von ihm ist«, sagte US-Open-Champion Dominic Thiem am Montag. »Es sieht so schön, so leicht aus. In gewisser Weise bin ich immer noch ein Fan von ihm und daher freue ich mich sehr, dass er wieder da ist«, sagte der Österreicher.
»Für mich ist Tennis wie Velofahren«
Ob Federer sein Spiel aber tatsächlich wieder so leicht aussehen lässt und fit ist, muss sich zeigen. »Ich bin selbst neugierig, es herauszufinden«, sagte Federer. Und dem »Tagesanzeiger« erklärte er: »Für mich ist Tennis wie Velofahren, das verlernt man nie.« Wie sein Knie auf die neuen Strapazen reagieren wird, ist fraglich: »Ich bin momentan nicht sicher, dass das Knie hält, aber ich bin zuversichtlich, sonst wäre ich nicht hier. Ich habe alles getan, was ich tun konnte.«
Ein Rücktritt war für Federer »kein Thema«, und so werden auch Rafael Nadal und Novak Djokovic verfolgen, was ihr Konkurrent noch leisten kann. Die großen Drei konkurrieren weiter um die bedeutenden Einträge in die Geschichtsbücher der Sportart. Einen Bestwert ist Federer seit dem Montag los. Djokovic belegte nun insgesamt 311 Wochen Rang eins der Weltrangliste, eine Woche länger als der Basler.
Djokovic wird seinen Fokus damit noch stärker darauf ausrichten, seinen 18 Majorsiegen weitere hinzuzufügen und Nadal und Federer (beide 20) zu übertrumpfen. Nadal hat im vergangenen Jahr bei den French Open bewiesen, dass er noch immer zu den Besten gehört, Federer musste zuschauen.
»Die Jungs sind nicht von dieser Welt. Beide scheinen auf ihrem Höhepunkt zu sein«, sagte Federer, das sei gut für den Sport und die Debatte über den größten Spieler der Geschichte, die längst entbrannt ist. Ihm gehe es aber aktuell »mehr um meine Gesundheit und mein eigenes Spiel als um den Rekord«. Große Ziele darf man ihm dennoch weiter unterstellen.
Doha ist nur ein erster Schritt für den Edeltechniker, Federer nimmt vor allem einen möglichen neunten Titel in Wimbledon in den Blick, und auch die Olympischen Spiele hat er im Hinterkopf. Am Schlusstag des Weltevents in Tokio wird Federer 40 Jahre alt. »Hoffentlich spiele ich lange genug, damit ich auch wieder volle Stadien sehen kann«, sagte er.