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Roger Federers Comeback Staffel 1, Episode 1

Über ein Jahr kein Match bestritten, aber nun kehrt Roger Federer auf die Tennisbühne zurück. Was darf man vom 39-Jährigen erwarten? Sein Comeback-Plan erinnert an eine Serie.
Roger Federer in Kapstadt im Februar
Roger Federer in Kapstadt im Februar

Roger Federer in Kapstadt im Februar

Foto: RODGER BOSCH / AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der vergangene Sonntag, es sind noch drei Tage bis zu Roger Federers Comeback bei den Qatar Exxonmobil Open in Doha nach einer über 13 Monate andauernden Verletzungspause. Der Schweizer hält eine Pressekonferenz ab, Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt haben sich zugeschaltet und wollen die Gelegenheit nutzen, um dem immer noch größten Star des Tennissports ihre Fragen zu stellen.

Federer rutscht auf seinem Sessel im Presseraum des »Khalifa International Tennis and Squash Complex« hin und her, mit den Fingerspitzen trommelt er auf den vor ihm stehenden Tisch. Er wirkt angespannt und sogar etwas nervös.

Das sieht man selten bei ihm. Aber ist das verwunderlich?

Federer hat nicht ein einziges Match während der Corona-Pandemie bestritten. Das letzte offizielle Spiel des Schweizers fand am 30. Januar 2020 statt. Damals verlor er bei den Australian Open im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger Novak Djokovic glatt in drei Sätzen.

Schon damals war Federer angeschlagen und litt unter Leistenproblemen. Im weiteren Verlaufe des Jahres folgten zwei Knieoperationen. Das Tennisjahr war gelaufen. Sogar Spekulationen über ein Karriereende des mittlerweile 39-Jährigen kamen auf.

Aber Federer ist noch nicht am Ende.

Australian Open 2020, Gegner Djokovic: das letzte offizielle Spiel des Schweizers

Australian Open 2020, Gegner Djokovic: das letzte offizielle Spiel des Schweizers

Foto:

Issei Kato/ REUTERS

»Ein Grund ist sicher auch, dass ich wieder gegen die Besten spielen will, auf den größten Turnieren, um Titel mitspielen möchte«, sagt er in Doha wenige Tage vor seiner Rückkehr auf die Frage nach dem Warum.

Federer hat einen exakten Plan für seine Rückkehr. »Alles, was von heute bis Wimbledon kommt, ist als Aufbau zu betrachten.« Ganz bewusst hat sich der Weltranglistensechste für den Re-Start das kleinere ATP-Turnier in Doha, einen Wettkampf der 250er Kategorie, ausgesucht. Es soll dosiert nach vorn gehen.

»Viel wird auf das Zusammenspiel zwischen Physis und Psyche ankommen«, sagt Heinz Günthardt dem SPIEGEL. Der Schweizer, selbst Ex-Profi und nach seinem Rücktritt langjähriger Trainer von Steffi Graf und Ana Ivanovic, kennt Federer gut. »Roger muss erst wieder das Antizipieren lernen und auch über das Netz schauen. Voraussetzung dafür ist aber ein guter Fitnesszustand. Wenn du schnell und fit bist, bist du auch im Kopf stark und nur schwer zu schlagen.«

Der Aufschlag ist der Schlüssel

Aber wie stark und fit kann einer sein, der über ein Jahr kein Turniertennis mehr gespielt hat? »Man darf nichts von ihm erwarten. Federer betritt Neuland«, sagt Günthardt, der seit 2012 Teamchef der Schweizer Fed-Cup-Mannschaft ist. »Es ist so, als würde man auf Netflix eine neue Serie beginnen. Doha ist Episode 1, Staffel 1.«

Ob es Federer wirklich schaffe, mit Beginn seines Comebacks Erfolge zu feiern, hänge auch von seinem Aufschlag ab, glaubt Günthardt. »Er kann sich mit seinem immer noch herausragenden Service vielleicht ein bisschen durchmogeln. Das gibt in den ersten Runden Sicherheit. Das Spielgefühl, der Flow, kehrt dann mehr und mehr zurück.«

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Pierre Paganini ist Fitnesstrainer von Federer. »Wenn Sie zuschauen würden, würden Sie sagen: Er ist nicht verletzt, alles in Ordnung. Wir sind jetzt auf der Zielgeraden«, so schätzte Paganini gegenüber dem Schweizer »Tagesanzeiger « Ende Februar die Verfassung des 20-maligen Grand-Slam-Siegers ein. Federer selbst sieht sich »im Vergleich zu vor fünf Monaten in einer wunderbaren Situation: Ich kann fünf Tage nacheinander zweieinhalb Stunden spielen«.

Das große Ziel heißt Wimbledon

»Du kannst im Training noch so gut sein und du kannst auch Stress produzieren, aber du kannst eben keine Matches simulieren«, sagt Günthardt. Am Mittwoch geht für Federer der Praxistest los. Viel mehr ist es nicht. Nach einem Freilos in der ersten Runde trifft der Schweizer auf den Sieger der Partie zwischen Daniel Evans und Jeremy Chardy. Noch nicht die großen Namen, aber das ist Teil des Plans. Federer dämpft die Erwartungen: »Wenn ich weniger gute Resultate habe, ist das nicht schlimm. Aber wenigstens kann ich dann wieder nach vorn schauen, auf Wimbledon, die US-Tournee.«

Wimbledon – der Name seines Lieblingsturniers, das er schon acht Mal gewinnen konnte, fällt immer wieder. Es sei das erklärte Saisonziel, dort bei 100 Prozent zu sein. Vorher wird es nur ausgewählte Auftritte geben. Das ATP Masters Turnier in Miami Ende März hat Federer gestrichen. Ob er an den French Open teilnehmen wird, bleibt abzuwarten. Zugesagt hat er seinen Start beim Rasen-Event von Halle.

Und dann ist schon Wimbledon. Alles scheint darauf ausgerichtet – auf das Staffelfinale in seinem Wohnzimmer.