Neue Studie Wie Arbeiter in Sri Lanka für Primark schuften müssen

Der Textildiscounter Primark wird 50 - und verspricht offiziell gern faire Arbeitsbedingungen. Doch laut einer Studie sieht die Realität anders aus.

DPA

Wer bei dem Textildiscounter Primark einkauft, kann sich für 30 Euro einkleiden und muss sich trotzdem nicht schämen. Zusammen mit den Ramschpreisen liefert die irische Modekette nämlich ein gutes Gewissen: "Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt hergestellt", heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Auch um existenzsichernde Löhne gibt sich der Konzern besorgt, in etwa einem Dutzend Initiativen ist Primark engagiert.

Sahan Tharuka (Name geändert) hat davon bisher nichts bemerkt. Der 22-Jährige arbeitet bei Regal Calibre, einer Fabrik im Westen Sri Lankas. Neben Primark beliefert sie auch Textilriesen wie C&A. 18.000 Sri-Lanka-Rupien, etwas mehr als der Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro, verdient Tharuka im Monat. Steigt mal wieder der Druck wegen einer bevorstehenden Verschiffung, dann wird die Arbeit zur Qual: "Wir machen manchmal 60 Überstunden im Monat", sagt Tharuka. An manchen Tagen bleibe nicht mal Zeit zum Essen.

Regal Calibre ist eine von zehn Fabriken, die die Christliche Initiative Romero aus Münster (CIR) gerade zusammen mit einer Partnerorganisation in Sri Lanka untersucht hat. Sechs davon produzieren demnach für Primark oder haben dies nach Angaben der Arbeiter bis vor Kurzem getan. Primark teilt mit, derzeit nur aus drei der Fabriken Ware zu beziehen, darunter Regal Calibre. 76 Arbeiter und Arbeiterinnen wurden für die Studie befragt, die Ergebnisse sind ernüchternd.

46 Prozent der Befragten verdienen in der regulären Arbeitszeit nicht mal den Mindestlohn. Gut ein Drittel stempelt aus Angst vor Entlassung nach den maximal 45 Wochenstunden aus und arbeitet dann ohne Überstundenzuschlag weiter. Jede zweite der befragten Arbeiterinnen macht mehr Überstunden als die für Frauen erlaubten zwölf Stunden pro Woche. In keiner der Fabriken werde der floskelreiche Verhaltenscodex für Primark-Lieferanten eingehalten, sagt Isabell Ullrich von der CIR. "Die Löhne und das Maß an Überstunden sind oft illegal."

Die Studie wirft kein gutes Licht auf die Modekette, die an diesem Mittwoch 50 Jahre alt wird. Fast genauso lang produziert Primark in Billiglohnländern, bereits in den frühen Siebzigerjahren wurde die Produktion dorthin verlagert. Immer wieder kommen seither haarsträubende Arbeitsbedingungen bei Lieferanten ans Licht: Mal berichten NGOs über Hungerlöhne in Myanmar, mal muss sich Primark von indischen Lieferanten trennen, bei denen Kinder eingesetzt waren.

Das Geschäftsmodell der schnellen Mode ("fast fashion), bei dem teilweise im Wochenrhythmus neue Kollektionen in die Läden geschafft werden, wurde ganz wesentlich von Primark geprägt. Mehr als 350 Primark-Filialen gibt es insgesamt, der Gewinn lag zuletzt bei knapp einer Milliarde Euro pro Jahr - und das, obwohl das Unternehmen fast ohne klassische Werbung auskommt. Das übernehmen meist junge Frauen, die in Internetvideos ausgiebig über ihre Kaufzüge beim Klamottendiscounter berichten.

Während ein C&A-Sprecher mitteilte, die erwähnten Missstände in den Fabriken Sri Lankas seien Verstöße gegen den Verhaltenscodex für Lieferanten und würden nicht toleriert, meldet sich für Primark ein Vertreter der PR-Agentur Fleishman Hillard - jener Firma, die vor Kurzem durch das Ausspähen von Kritikern des Konzerns Monsanto auffiel.

Für Primark räumt der Sprecher "eine kleine Anzahl von Problemen an drei Standorten" ein. Bei Prüfungen konkret aufgefallen sei allerdings nur "ein Arbeiter, der Überstunden machte". Ansonsten zahlten "alle Fabriken Löhne im Einklang mit dem nationalen Mindestlohn". Aber wie sollen Arbeiter wie Tharuka mit dem kargen Lohn eine Existenz aufbauen, wenn etwa die Hälfte allein für die Unterkunft draufgeht? Diese Frage, so der Sprecher, sei "von entscheidender Bedeutung", weshalb man ja Mitglied in einer Initiative für faire Löhne sei.

Konkret passiert sei dahingehend bei Primark allerdings gar nichts. Das hält eine gerade erschienene Studie der Kampagne für Saubere Kleidung fest. Primark wird darin neben Konzernen wie Zalando und H&M auf der untersten Stufe geführt: Bei diesen Firmen gebe es keinerlei Hinweise, dass auch nur irgendeinem Arbeiter ein existenzsichernder Lohn gezahlt werde.



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kamillo 11.06.2019
1. Polyester
Die Arbeitsbedingungen sind nicht das einzige Problem bei Primark, Kik, C&A und co. Genauso schlimm ist die Qualität der Klamotten, nicht nur dass man in den verwendeten Kunstfasern schnell anfängt, nach Schweiß zu stinken, sondern dass jeder Waschvorgqang dieser Klamotten aus Polyester, Vlies usw. Unmengen an Microplastik aus der Waschmaschine in den Abfluss erzeugt, die Kläranlagen können das nicht filtern.
Nonvaio01 11.06.2019
2. was hat das mit Primark zu tun
ich hab nur gelesen das sich der oertlicher hersteller nicht an lokale gesetzte haelt. Es ist sache der angestellten sicher zu stellen das gesetzte eingehalten werden, nicht die vom kaeufer.
anders_denker 11.06.2019
3. Und wenn wir mehr zahlen
steckt es jemand ein ohne das unten etwas ankommt. Es ändert sich erst etwas, wenn die Arbeiter streiken, Gewerkschaften Gründen, selber für Ihre rechte kämpfen.
krautrockfreak 11.06.2019
4. War am WE zufällig im Primark - das war ein Erlebnis! Überall sind
Berge von Klamotten zerwühlt rumgelegen, dazwischen Massen von Menschen, die darin rumgewühlt haben, dazu ein seltsamer Chemie-Geruch, wie man ihn sonst nicht wahrnimmt, also schnell wieder raus. Und nein, der Verbraucher kann/wird da nichts ändern, denn die meisten Menschen reden nur, machen aber nichts, Hauptsache billig... Das Problem kann nur eine weltweite Änderung der Politik beseitigen und das wird niemals passieren. Alles andere ist naiv...
panama¡consulting 11.06.2019
5. Wirklich?
wenn ich mir die Umfrage ansehe sollten die Unternehmen Verkaufsaktionen nicht mit Preisrabatten fahren sondern mit der Auszeichnung wie viel Arbeitslohn für das Kleidungsstück aufgewendet wurde. Allein der Glaube fehlt mir ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.