"Irma" in Florida Nach dem Sturm, vor der Flut

Tropensturm "Irma" hat sich über Florida zwar deutlich abgeschwächt, bleibt aber gefährlich. Mindestens vier Menschen sind ums Leben gekommen.

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Überflutete Straßen, umgeknickte Bäume, gekappte Stromleitungen: Hurrikan "Irma" hat den US-Bundesstaat Florida in den Ausnahmezustand versetzt. Ersten Angaben zufolge starben mindestens vier Menschen, doch das ganze Ausmaß der Zerstörung ist noch nicht erfasst.

Mehr als fünf Millionen Haushalte hatten nach Angaben des Katastrophenschutzes keinen Strom, das ist mehr als die Hälfte aller Haushalte in Florida.

Am stärksten war zunächst der Südwesten des Bundesstaates von "Irma" betroffen, doch auch der Osten litt unter starken Regenfällen und Sturmfluten.

Die Altstadt und das Bankenviertel von Miami standen unter Wasser. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass der Sturm Wasser in die Stadt drückte und große Straßen zu Flüssen machte. Eine hölzerne Seebrücke wurde fortgeschwemmt. Zwei Baukräne stürzten um. Der internationale Flughafen von Miami wurde bis mindestens Dienstag geschlossen.

An der Südostspitze von Florida wurde aus Sicherheitsgründen einer von zwei Atomreaktoren des Kraftwerks Turkey Point heruntergefahren. In Orange County, in der Nähe der Stadt Orlando, mussten mehr als 120 überflutete Häuser evakuiert werden. Außerdem wurde das Kennedy Space-Zentrum geschlossen.

Die Behörden verhängten an mehreren Orten Ausgangssperren - auch um Plünderungen zu verhindern. Es gab mehrere Berichte über Plünderungen, Einbrüche und bewaffnete Überfälle.

"Bleiben Sie drinnen"

Mehr als sechs Millionen Menschen in Florida hatten in Erwartung von "Irma" teilweise schon vor Tagen ihre Häuser verlassen. Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit mehr als 100.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus. Andere hatten sich über Nacht in ihren Häusern verbarrikadiert. Als es am Morgen wieder hell wurde, wollten viele das Ausmaß der Schäden begutachten. Die Behörden warnten jedoch: Die Gefahr sei noch nicht vorüber.

"Warten Sie auf Anweisungen der lokalen Behörden, bevor Sie in die evakuierten Gebiete zurückkehren", mahnte Floridas Gouverneur Rick Scott per Twitter.

Auch der Bürgermeister von Jacksonville forderte die Menschen nachdrücklich auf: "Bleiben Sie drinnen." Der Sheriff mahnte: "Wir können es nicht oft genug sagen. Menschen sollten unter keinen Umständen im Auto durch überflutete Straßen fahren." Man wisse nicht, ob darunter zum Beispiel kaputte Stromleitungen liegen würden.

"Irma" ist nur noch tropischer Sturm

Meteorologen hatten in Florida zuletzt Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h gemessen. Der Sturm hatte sich damit in der Nacht zu Montag deutlich abgeschwächt. Hurrikan "Irma" wurde auf die niedrigste Kategorie eins herabgestuft und wird inzwischen "nur" noch als tropischer Sturm eingeordnet. Die Gefahr ist damit aber nicht vorüber, sondern droht nach Einschätzung der Experten jetzt unter anderem in Form von Sturmfluten.

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Hurrikan erreicht Florida: "Irma" flutet Miami

Während "Irma" an der Atlantikküste Überschwemmungen auslöste, ging das Wasser an der Golfküste im Westen Floridas zunächst zurück. Meteorologen warnten, dass das Wasser zurückkommen werde. Die Menschen am Golf bereiteten sich auf Sturmfluten von bis zu 4,5 Metern Höhe vor. "Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt", sagte der Bürgermeister von Tampa der "New York Times". "Nun, wir kriegen demnächst einen Schlag ins Gesicht."

"Irma" zieht nach Norden

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Auch mehr als 600 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt können die Menschen sich nicht in Sicherheit fühlen. Das US-Hurrikanzentrum berichtete, "Irma" werde vom nördlichen Florida mit 30 km/h Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort werde sich der Sturm weiter abschwächen. Im Süden von Georgia galten Sturmwarnungen, auch dort waren rund 10.000 Haushalte ohne Strom.

"Irma" zieht seit Tagen durch die Region und hat auf den karibischen Inseln bereits mehr als dreißig Menschen das Leben gekostet. Einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es etwa auf Kuba, St. Martin sowie auf Barbuda und Saint-Bartélémy.

fok/dpa/AP/AFP

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