Corona-Pandemie Bayern verhängt landesweite Ausgangsbeschränkungen

In manchen Orten in Bayern darf man bereits nur unter Auflagen das Haus verlassen - nun werden die Maßnahmen auf das gesamte Bundesland ausgeweitet. Das Saarland will nachziehen.
Bayerns Ministerpräsident Söder (bei einer Pressekonferenz am 10. März)

Bayerns Ministerpräsident Söder (bei einer Pressekonferenz am 10. März)

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Sven Hoppe/ dpa

Ab 0 Uhr in der Nacht zu Samstag gelten in ganz Bayern wegen des Coronavirus Ausgangsbeschränkungen. Das hat die Regierung des Bundeslandes einstimmig beschlossen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei einer Pressekonferenz in München mitteilte. Die neuen Regeln gelten vorerst für zwei Wochen. "Wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter", sagte Söder.

DER SPIEGEL

Er begründete den Schritt zum einen mit einem massiven Anstieg der Corona-Fallzahlen in Bayern - allein von Donnerstag zu Freitag habe es einen Zuwachs von 35 Prozent gegeben, die Zahl der Toten sei von 10 auf 15 gestiegen. Zum anderen sagte Söder, die Appelle der vergangenen Tage hätten nicht ausreichend gewirkt.

Es gebe trotz der bereits verhängten Maßnahmen nach wie vor noch sehr viele Gruppenbildungen. "Wir können das nicht mehr akzeptieren", sagte der CSU-Chef. Es gehe der Landesregierung aber nicht darum, jetzt alles zuzusperren und einen "Lagerkoller" zu verursachen. "Frische Luft tut gut", sagte Söder. Sport im Freien und Spaziergänge seien erlaubt. Söder mahnte aber, dass dies nur allein oder in der Familie möglich sei. Die Polizei werde dies kontrollieren. Wer gegen die Vorgaben verstoße, müsse mit hohen Bußgeldern rechnen.

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen habe, zu Hause zu bleiben, seien die Ergebnisse leider nicht so ermutigend. Zwar verhielten sich viele Menschen vorbildlich, aber es gebe auch viele, die den Ernst der Lage noch nicht verstanden hätten. Es gebe immer noch Corona-Partys, junge Menschen, die ältere aus Spaß anhusteten, Grüppchenbildung an der frischen Luft. "Unser oberstes Gebot ist, die Menschen zu schützen", sagte Söder, "teilweise auch vor sich selbst." Es dürfe keine Menschenansammlungen mehr geben.

Mit der Entscheidung steht Bayern bislang allein da. Es sei keine Zeit mehr für langwierige Abstimmungsprozesse und halbherziges Handeln, sagte Söder. Er behielt sich vor, weitergehende Maßnahmen zu verhängen.

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Söder konkretisierte die Ausgangsbeschränkungen (die detaillierte Ausführung finden Sie hier ):

  • Es sei weiter erlaubt, zur Arbeit zu gehen, insofern dies notwendig sei und nicht von zu Hause aus gemacht werden könne.

  • Auch Restaurants und Gaststätten sollen schließen. Zunächst für die kommenden 14 Tage wird es laut Söder nur noch "to go, Drive-in und Lieferungen" geben.

  • Friseure und Baumärkte dürfen nicht mehr öffnen.

  • Die medizinische Versorgung der Bürger sei weiterhin gesichert, dennoch gebe es Einschränkungen.

  • Nur im Palliativfall sei der Besuch im Pflegeheim und Krankenhaus erlaubt.

  • Bei Geburten sei der Besuch im Krankenhaus ebenso gestattet.

"Wir sperren Bayern nicht zu, wir sperren Bayern nicht ein", sagte Söder.

In einzelnen bayerischen Kommunen bestehen wegen hoher Corona-Fallzahlen bereits Ausgangssperren. Als erster Ort war Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth betroffen (lesen Sie hier mehr über die Situation vor Ort). Am Donnerstag verkündete Söder dann entsprechende Maßnahmen für zwei Gemeinden im Kreis Wunsiedel, der an den Kreis Tirschenreuth angrenzt.

Inwieweit der Bund oder andere Bundesländer dem Beispiel Bayerns folgen werden, ist offen. Das Saarland dürfte indes bald nachziehen. Man wolle im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus Gaststätten schließen und eine Ausgangsbeschränkung erlassen, teilte die Staatskanzlei in Saarbrücken mit. Das werde Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) noch am Freitag dem Kabinett zum Beschluss vorschlagen.

In ihrer TV-Ansprache hatte Merkel keine neuen Einschränkungen verkündet, sich aber weitere Maßnahmen offengelassen: "Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch was womöglich noch nötig ist."

Laut Regierungssprecher Steffen Seibert wird die Kanzlerin am Sonntagabend mit den Ministerpräsidenten der Länder beraten. Es werde eine ernste und schonungslose Analyse über die notwendigen Instrumente, sagte Seibert.

Innenminister Horst Seehofer äußerte sich ähnlich. "Wenn die Menschen sich nicht an die bisherigen Vorsichtsmaßnahmen zur Kontaktvermeidung halten und die Zahl der Infizierten in Deutschland weiter deutlich steigt, halte ich Ausgehverbote für unumgänglich", sagte Seehofer dem SPIEGEL.

ulz/mfh