Debatte über Kühnert-Vorschläge Mehr Ideen, bitte!

Die Vorschläge des Juso-Chefs rufen heftige Reaktionen bei Union und FDP hervor. Dabei entlarven die reflexhaften Abgrenzungen, dass es ihnen an eigenen Ideen für notwendige gesellschaftliche Debatten mangelt.

Juso-Chef Kevin Kühnert
Lukas Schulze/Getty Images

Juso-Chef Kevin Kühnert

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Möglicherweise hat Kevin Kühnert seiner Partei nun den Europawahlkampf versaut (der allerdings ohnehin schon eher schleppend lief). Die "Bild" schießt heftig gegen den Juso-Vorsitzenden, die Reaktionen der politischen Konkurrenz von der anderen Seite des politischen Spektrums sind ebenso harsch. An Kühnert können sich Union und FDP nun bis zum 26. Mai abarbeiten.

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Denn die Vehemenz, mit der die Vorschläge Kühnerts abgeschmettert werden, zeigt in Wahrheit auch den Mangel an eigenen Ideen.

Der Chef der SPD-Nachwuchsorganisation hat im Interview mit der "Zeit" unter anderem die Kollektivierung großer Unternehmen gefordert, namentlich von BMW. Dafür erntet er die meisten Prügel, die DDR-Keule ist genauso schnell bei der Hand wie Verweise auf das aktuelle Unrechts-Regime in Venezuela. Außerdem hat sich Kühnert in dem Gespräch Gedanken über die Begrenzung von Wohneigentum und neue Arbeitsmodelle Gedanken gemacht.

Man kann das alles für linke Spinnereien halten. Aber Kühnert spricht nun mal für eine Organisation, die den Sozialismus in ihrem Namen trägt (Jusos = Jungsozialisten) und dies auch zu Zeiten des damaligen Vorsitzenden und späteren SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder Ende der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts tat.

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Was die aufgeregten Reaktionen jedenfalls zeigen: Kühnert hat einen Nerv getroffen - oder gleich mehrere. Die wachsende Lohnungleichheit in Deutschland treibt immer mehr Menschen um, genau wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die Überforderung am Arbeitsplatz.

Video: Das sagt Olaf Scholz zu Kühnerts Vorschlägen

REUTERS

Ob es dabei helfen würde, BMW zu kollektivieren, Immobilienbesitz zu regulieren und Arbeit maximal zu individualisieren? Man könnte jedenfalls die Gelegenheit nutzen, darüber zu diskutieren, anstatt alles sofort mit Totschlagsargumenten abzubürsten.

Was haben denn CDU, CSU und FDP an eigenen Vorschlägen zu bieten, um diese Probleme anzugehen? Wenig bis nichts.

Ähnlich ist es übrigens in der Klimaschutz-Debatte. Nahezu alles, was von den Grünen an Vorschlägen kommt, wird als zu radikal abgetan. Aber die Unionsparteien diskutieren seit Wochen über eine mögliche CO2-Bepreisung oder gar CO2-Besteuerung, ohne einem Ergebnis nähergekommen zu sein. Und die FDP hat gerade auf ihrem Bundesparteitag Klimabeschlüsse verabschiedet, die auf technologische Innovationen setzen (die es aber erst mal geben muss) und den Emissionshandel (den es zwar längst gibt, der aber nicht funktioniert).

Die weitgehende Fantasielosigkeit der deutschen Politik steht in krassem Gegensatz zu den Problemen, die sich hierzulande und in der Welt auftürmen. Stattdessen verharrt man in Abgrenzungsritualen und hält sich starrsinnig an ideologischen Glaubenssätzen fest, während die Realität unübersichtlicher wird.

In diesem Fall tun das Union und FDP - an anderer Stelle, beispielsweise in der Migrationspolitik, gilt das für die Jusos und die SPD genauso wie für die Grünen.



Umfrage zu Kevin Kühnerts Vorschlag:


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insgesamt 384 Beiträge
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hileute 02.05.2019
1. Herzlichen Glückwunsch
ein Kommentar der noch schwachsinniger ist als die "Ideen" von Herrn kühnert. Wow, das muss man erstmal schaffen. Gegen gute Ideen hat niemand etwas einzuwenden, gegen dummes Geschwätz hingegen schon. Da gibt's schon nen Unterschied dazwischen
egal 02.05.2019
2. Der Autor tut ja so
Als hätte hätte der kleine Jungsozialist visionenhaft neue Gesellschaftsmodelle ersonnen. Dabei hat er nur ganz alten Wein aus längst kaputten Schläuchen unters Volk gebracht. Da sehe ich herzlich wenig Grund anderen Parteien mangelnde visionäre Konzepte zum Vorwurf zu machen.
jjr-62 02.05.2019
3. Ähnliches dachte ich auch...
... als ich die Kommentare las. Das hat irgendwie Parallelen zur Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen: geht nicht, funktioniert nicht, keiner arbeitet mehr was... aber 90% würden trotzdem weiter arbeiten. Wobei ebenfalls 90% glauben, dass dann keiner mehr arbeiten würde.
burlei 02.05.2019
4. Natürlich haben ...
... CDU, CSU und FDP eigene Ideen, die die gesellschaftliche Debatte beflügeln können. Sie müssen nur mal jemanden in den Keller schicken, um ein paar verstaubte Akten aus den 50er und 60er Jahren hervor zu kramen. Darauf fußt ja ihre gesellschaftliche Politik, wie man an ihrer Aufregung über Kühnerts Äußerungen sieht. Irgendwas aus der Vergangenheit, denn Zukunft gestalten können diese Parteien nur auf dem Papier, aber nicht in der Realität.
schnabelnase 02.05.2019
5. Eigene Ideen?
Wie lächerlich. Das sind doch keine Ideen Kühnerts. Die "Ideen" sind doch hundert Jahre alt und haben noch nirgendwo funktioniert. SPON ist mittlerweile das Kampfblatt für Rot-Rot-Grün.
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