Vorläufiges Endergebnis der Hessenwahl Schwarz-Grün kann Mehrheit knapp verteidigen

Bei der Wahl in Hessen müssen CDU und SPD starke Verluste hinnehmen, die Grünen legen zu, die AfD schafft den Einzug in den Landtag. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis könnte Schwarz-Grün weiterregieren.


Bei der Landtagswahl in Hessen ist die CDU trotz starker Verluste stärkste Kraft geworden: Die Partei holte laut dem vorläufigen Endergebnis insgesamt 27 Prozent der Stimmen. Im Jahr 2013 waren es noch 38,3 Prozent gewesen. Für die CDU ist es das schlechteste Ergebnis in dem Bundesland seit mehr als 50 Jahren.

Die SPD rutschte auf 19,8 Prozent ab - und liegt damit in Hessen nun auf Augenhöhe mit den Grünen, die sich auf 19,8 Prozent steigerten. Die AfD zieht mit 13,1 Prozent erstmals in den Wiesbadener Landtag ein und ist damit nun in allen 16 Landesparlamenten vertreten. Die FDP kam auf 7,5 Prozent. Die Linke erzielte mit 6,3 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in Hessen.

Landtagswahl Hessen 2018

Endgültiges Endergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
27
-11,3
SPD
19,8
-10,9
Grüne
19,8
+8,7
Die Linke
6,3
+1,1
FDP
7,5
+2,5
AfD
13,1
+9
Sonstige
6,5
+0,9
Sitzverteilung
Insgesamt: 137
Mehrheit: 69 Sitze
9
29
29
11
40
19
Quelle: Landeswahlleiter

Die Wahlbeteiligung lag bei 67,3 Prozent. 2013 waren es 73,2 Prozent gewesen, damals fielen allerdings Bundestags- und Landtagswahl auf einen Tag. Wahlberechtigt waren 4,38 Millionen Bürger.

Welche Koalitionen nun möglich wären

Damit bekommt Hessen erstmals ein Sechsparteienparlament. Es wird künftig wegen zahlreicher Überhang- und Ausgleichsmandate 137 Abgeordnete haben, bisher waren es 110. Die CDU hat künftig 40 Sitze, der bisherige Koalitionspartner Grüne und die SPD jeweils 29 Sitze. Die AfD kommt auf 19 Sitze, die FDP auf elf, die Linke auf neun.

Damit kämen CDU und Grüne gerade so auf die notwendige Mehrheit, um ihr Bündnis fortzusetzen. Möglich sind aber auch andere Konstellationen: Es kommen auch CDU und SPD sowie SPD, Grüne und FDP auf eine Mehrheit. Am stabilsten wäre ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte Gespräche mit allen Parteien außer Linken und AfD über eine Regierung an. Er hatte sich zuletzt offen für Jamaika gezeigt, die Grünen waren zurückhaltender, die Liberalen warben offen dafür. Grüne und FDP in Hessen haben allerdings unter anderem in der Energiepolitik und beim Ökolandbau Differenzen. FDP-Chef Christian Lindner hatte mit Blick auf eine Ampel ein Bündnis seiner Partei mit Grünen und SPD als "inhaltlich vollkommen abwegig" bezeichnet.

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Thorsten Schäfer-Gümbel, der zum dritten Mal Spitzenkandidat seiner SPD war, räumte eine bittere Niederlage ein und ließ seine politische Zukunft zunächst offen. Das Ergebnis führte er stark auf den Bundestrend zurück. Man habe "nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmäßig Sturmböen im Gesicht". Der Wahlkampf in Hessen wurde belastet durch GroKo-Streitigkeiten etwa über die Migrationspolitik sowie die Dieselkrise.

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Die Parteien haben keinen Zeitdruck, um ein Regierungsbündnis zu schmieden. Die Wahlperiode des bisherigen Landtags endet erst am 17. Januar 2019, einen Tag später tritt laut Landesverfassung der neue Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Üblicherweise wählen die Abgeordneten dann den Ministerpräsidenten. Können sie das wegen fehlender Mehrheiten nicht, führt die bisherige Landesregierung "die laufenden Geschäfte" weiter, wie die Verfassung bestimmt. Die Regierung wäre damit nur noch geschäftsführend im Amt.

aar/dpa/AFP

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
bga 29.10.2018
1. Richtig
Das Ergebnis zeigt, dass die Waehler sehr genau wissen, was sie wollen. Sie zeigen, dass sie sich das Gezerre der letzten Monate nicht gefallen lassen. Muendiges Verhalten! Genau wissen, was sie wollen? Gilt das auch fuer die AfD? Da sehe ich eher ein Protestverhalten als Ursache. Ich schelte die nicht, die sich so entschieden haben. Aber ich gaebe viel darum, wenn es durch kluge Politik gelaenge, das eindeutig nationalistische Element (Gauland: "Ich bin ein Nationalist") zurueckzudraengen, ganz in die rechte Ecke. Um unserer Zukunft willen.
dannyandy 29.10.2018
2. Business as usual
Die CDU wird kein Merkel-Beben erleben, es sei denn, sie geht von selbst oder sie wird abgewählt ! Beides ist im Augenblick sehr unwahrscheinlich! Die SPD muss ich mit ihrer Erneuerung sehr beeilen , wenn sie nicht auf die Dauer einstellig werden will. Das Beenden der Groko hat oberste Priorität!
lordofaiur 29.10.2018
3. Es ist wie zuvor
Wo ist das Problem? Die Koalition kann weiterregiert werden. Sollte es in 5 Jahren nicht mehr reichen, geht halt Jamaika oder sonst was. Es gibt keinen Politikwechsel, letztlich werden die Regierungen eher "Grüner". Mir gefällt als Bayer, dass Bouffier "aufs Maul" bekommen hat. Wie lästerte er vor zwei Wochen über die CSU... er wäre froh deren Ergebnis zu haben....
heinz-aus-fo 29.10.2018
4. Viel Spass CDU/Grüne
Das kann heiter werden. Mit einer hauchdünnen Mehrheit regieren zu müssen, die SPD, die sich unbedingt profilieren muss im Nacken und die AFD, die stark genug ist, um ordentlich draufhauen zu können. Vielleicht noch mit der FDP im Boot, die Vieles anders sieht als die Grünen und die CDU. Oder eben nicht im Boot als Opposition. Da weht ein anderer Wind in Zukunft!!! Mit ein bisschen Gegacker ist es nicht mehr getan!
trex#1 29.10.2018
5.
Die Berichterstattung über die Hessenwahl unterscheidet sich doch starkt von der Bayernwahl. Während nach der Bayernwahl in den Medien der Rücktritt des Parteivorsitzenden Seehofer gefordert und der MP Söder verantwortlich gemacht wurde, gibt es jetzt in den Medien keine Forderungen nach Rücktritt der Parteivorsitzenden, der hessische MP hat mit dem Desaster persönlich überhaupt nichts zu tun. Das ist schon bemerkenswert.
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