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Klimaforscherin über Erderwärmung "In der Arktis haben wir schon 77 Prozent des Meereises verloren"

Im Kampf gegen die Erderwärmung wird es nicht ausreichen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren - davon ist Katja Matthes überzeugt. Die Klimaforscherin plädiert für einen umstrittenen Ansatz.
Ein Interview von Annette Bruhns
• aus DER SPIEGEL 21/2020
Eqip Sermia Gletscher in Grönland
Eqip Sermia Gletscher in Grönland

Eqip Sermia Gletscher in Grönland

Foto: Sean Gallup/ Getty Images
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Professor Katja Matthes, 44, designierte Wissenschaftliche Direktorin des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, hält die Erderwärmung für dramatisch. Eine Senkung des Treibhausgasausstoßes allein würde nicht genügen, zusätzlich müsste Kohlendioxid künstlich aus der Atmosphäre entfernt werden. Dabei spiele der Ozean eine wichtige Rolle.

Sorge bereitet der Wissenschaftlerin der Temperaturanstieg des Wassers um mehrere Grad. In der Ostsee sei das gesamte Ökosystem bedroht. Die Coronakrise sieht die Professorin als Chance, weil sie zeige, "wie schnell wir uns international koordinieren und vor Ort reagieren können".

Lesen Sie hier das komplette Interview:

SPIEGEL: Frau Professorin Matthes, ab Oktober leiten Sie das Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel, eines der bedeutendsten Meeresforschungsinstitute der Welt - als erste Frau und als erste Klimaforscherin. Was ist Ihnen wichtiger?

Zur Person
Foto: Jan Steffen

Die Meteorologin Katja Matthes, 44, tritt am 1. Oktober die Nachfolge des langjährigen Wissenschaftlichen Direktors des Geomars Peter Herzig an. Die Berlinerin war unter anderem am National Center for Atmospheric Resarch in Boulder/Colorado tätig. Seit 2018 leitet sie den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Geomar. Sie gilt als Expertin auf dem Gebiet des Einflusses der Sonne auf das Klima und ist Mitautorin des aktuellen IPCC-Berichts. Das Geomar beschäftigt tausend Mitarbeiter und hat ein Jahresbudget von rund 80 Millionen Euro. Die Stiftung des öffentlichen Rechts wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von Schleswig-Holstein finanziert. Katja Matthes und ihr Mann haben drei Kinder.

Matthes: Dass die Klimaforschung in den Fokus rückt! Die Lage ist dramatisch. Um die Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad zu begrenzen, müssen wir massiv den Treibhausgasausstoß reduzieren. Nur: Damit allein schaffen wir es nicht mehr. Wir müssen Kohlendioxid künstlich aus der Atmosphäre entfernen. Und dafür spielt der Ozean eine wichtige Rolle. Er nimmt sowieso 90 Prozent der globalen Energie aus der Erwärmung auf, wodurch er wärmer und letztlich saurer wird. Wir können ihn aber auch nutzen, um das aus der Atmosphäre entnommene und verflüssigte CO2 unter dem Ozeanboden zu verstauen.

SPIEGEL: Sie meinen die CO2-Verpressung mittels "Carbon Capture and Storage": CCS. Ist die Technik sicher? 

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