Die irrsten Kicker-Momente Fußballa-balla
Tiiiiiiinnnnnaaaaaaaaaaaa: Peter Shilton geht es im Jahre 1980 bestens. Seit zehn Jahren ist er mit seiner Frau Sue verheiratet, hat zwei prächtige Söhne, ist englischer Nationaltorwart und spielt für Nottingham Forest, mit denen er gerade zum zweiten Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hat. Doch an diesem frühen Morgen des 25. September sieht die Welt ganz anders aus.
Shilton wird nur halb bekleidet und schlafend in seinem Jaguar aufgefunden, den er auf einem Feldweg hinter der Pferderennbahn abgestellt hat. Neben ihm liegt eine Frau, ebenfalls nicht mehr ganz angezogen. Es ist nicht Shiltons Ehefrau, sondern eine gewisse Tina Street. Das Problem dabei: Der Mann, der die beiden so vorfindet, ist Tinas Ehemann Colin.
Als der das schlummernde Pärchen weckt, weigern die beiden sich, die Türen zu öffnen. Stattdessen lässt Shilton den Wagen an, rast davon und kracht gegen einen Laternenpfahl. Später gibt er an, er habe "eine Dame zum Essen ausgeführt". Er erhält eine Geldbuße von 350 Pfund und 15 Monate Fahrverbot. Bei Auswärtsspielen muss er sich länger noch ein langgezogenes "Tiiiiiiiiiiinnnnaaaa!" der gegnerischen Fans anhören.
Drei Tore für die Ewigkeit: Im Jahr 1986 gelingen dem Abwehrspieler Alvin Martin vom Londoner Club West Ham United beim 8:1-Sieg über Newcastle United drei Treffer. So weit nichts Ungewöhnliches. Doch Martin schießt seine drei Tore gegen drei verschiedene Torhüter.
Das erste Tor vor 24.735 Zuschauern fällt gegen Newcastles Stammtorhüter Martin Thomas, der eigentlich noch an einer Schulterverletzung laboriert, jetzt aber zwischen die Pfosten muss, weil sein Ersatz David McKellar sich zwei Tage zuvor verletzt hat. Fünf Minuten nach Anpfiff hat Martin ihm einen Volley reingeschossen. Zur Halbzeit muss Thomas wegen seiner Schulter aufgeben. In Ermangelung von Alternativen wird er gegen Chris Hedworth ausgetauscht - einen Mittelfeldspieler.
Hedworth bricht sich bei einer seiner ersten Aktionen das Schlüsselbein, hält zunächst durch, muss dann aber - nachdem Martin ihn per Kopf überwunden hat - ebenfalls raus und übergibt die Handschuhe an seinen Feldspielerkollegen Peter Beardsley. Sechs Minuten vor Ende der regulären Spielzeit gibt es dann Elfmeter für die Hammers. Ray Stewart hat sich den Ball schon genommen, als das Publikum den Namen von Martin skandiert. Er läuft an und schießt zum 8:1 ein. Eine Bestmarke für die ganze Fußball-Menschheit.
Kuzorras letzte Reise: Am Neujahrstag 1990 trauert Schalke um einen seiner größten Spieler. Ernst Kuzorra ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Jener Kuzorra, der so einzigartige Weisheiten hinterlassen hatte wie: "Da lauf ich mit dem Ball nach vorne und hab nich' gewusst, wohin damit. Da hab ich ihn reingewichst."
Die Beisetzung findet auf dem Friedhof Rosenhügel statt, Pfarrer Hans-Joachim Dohm hält die Trauerrede, tausend Menschen nehmen Abschied. Nur Schalke-Präsident Günter "Sonnenkönig" Eichberg, der eigens seinen Urlaub auf den Bahamas unterbrochen hat, kommt drei Stunden zu spät und schafft es nur noch zum Kaffeetrinken. Der Besitzer mehrerer Privatkliniken soll darüber tieftraurig gewesen sein.
Schalke-Betreuer Charly Neumann lässt deshalb die Kranzniederlegung am Grab Kuzorras in kleiner Runde einfach wiederholen. Neben Neumann sind Gelsenkirchens Ex-Oberbürgermeister Kurt Bartlewski, Vizepräsident Herbert Schmitz und eben Eichberg mit dabei, was von zahlreichen Fotografen und Kamerateams dokumentiert wird. Die "Bild"-Zeitung schreibt tags darauf: "Das gibt es nur bei Königsblau - Kuzorra zweimal beerdigt!"
Bücher und Schweineherzen: Es ist bekannt, dass Briten bisweilen zu Scherzen der handfesteren Sorte neigen. Das muss auch Dietmar Hamann erfahren, nachdem er 1998 für 13,5 Millionen Mark vom FC Bayern München zu Newcastle United gewechselt ist. Es läuft zunächst nicht sonderlich gut für die bayerische Frohnatur. Hamann zieht sich einen Innenbandriss zu und sitzt danach unter Trainer Ruud Gullit erst einmal auf der Ersatzbank. Der Deutsche beschwert sich öffentlich, was nicht gut ankommt. Und dann ist auch schon Weihnachten.
Das Team lost, wer für wen den Weihnachtsmann machen soll. Einzige Vorgabe: Es sollen "fröhliche" Geschenke sein. Hamann bekommt eine Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf". Das könnte man schon für geschmacklos halten. Aber was sollte dann Alessandro Pistone sagen? Der Italiener packt auf derselben Weihnachtsfeier ein echtes Schafsherz aus - nebst einem Begleitschreiben, auf dem er die ungeschminkte Meinung seines Kollegen zu lesen bekommt: "Da du nie genug Einsatz für die Mannschaft zeigst, dachten wir, du kannst ein echtes Herz gut gebrauchen."
Dann spiel du doch, du Fan: Es ist der 28. Juli 1994, als der englische Erstligist West Ham United ein Testspiel beim unterklassigen Club Oxford City bestreitet. Mit dabei ist auch Lee Chapman. Der 1,91 Meter große, bisweilen ungelenk wirkende Stürmer ist 34 Jahre alt und nicht mehr ganz so spritzig, was auch den mitgereisten West-Ham-Fans nicht verborgen geblieben ist. Hinter der Bank von Trainer Harry Redknapp (Foto) hat sich ein tätowierter Skinhead aufgebaut, der Chapman im Verlauf der ersten Halbzeit wüst beschimpft.
Nach dem Halbzeitpfiff dreht sich Redknapp zu ihm um und fragt: "Kannst du so gut spielen, wie du redest?" Der Skinhead, ein 27-Jähriger namens Steve Davies, dessen Hals der eingestochene Schriftzug "West Ham" ziert, ist verwirrt. Die Verwirrung des Glatzkopfs nimmt noch zu, als Redknapp zu ihm sagt, heute sei der Tag, an dem sein größter Traum wahr werde: Er dürfe für seinen Verein spielen. Davies wird in die Umkleide geschickt und betritt zehn Minuten später das Spielfeld im West-Ham-Trikot.
Als er aufs Feld läuft, wird Redknapp von einem Journalisten gefragt: "Wer ist das, Harry?" Redknapp antwortet: "Was, hast du etwa die WM nicht gesehen? Das ist der großartige Bulgare Tittyschew!" "Ah, okay", sagt der Journalist und notiert sich den Namen des neuen Starspielers. Steve Davies erweist sich als nicht mal schlecht. Er schießt sogar ein Tor.
Null zu acht: Für gewöhnlich sind Abschiedsspiele verdienter Fußballer dazu da, den Mann des Ehrentages noch mal richtig gut aussehen zu lassen. Es geht aber auch anders, wie der FC Bayern München zeigt. Deutschlands Top-Club ist am 7. November 1978 nach Amsterdam eingeladen worden, um den großen Holländer Johan Cruyff zu verabschieden. Am Ende sind wie bei solchen Anlässen üblich viele Tore gefallen, nur nicht für die Gastgeber. Cruyff verliert sein Abschiedsspiel gegen die Bayern 0:8, wobei der Schiedsrichter sogar noch drei weiteren regulären Treffern der Deutschen die Anerkennung versagt.
Als Gründe für ihr kompromissloses Abschiedsspielverständnis führen die Bayern mangelnden Respekt an. Man habe sie bei der Ankunft am Flughafen nicht abgeholt, zudem hätten sie in einem wenig standesgemäßen Hotel übernachten müssen, schließlich sei auch das Publikum noch unflätig geworden. Paul Breitner hat später berichtet, man habe die Bayern als "Nazi-Schweine" tituliert, er selbst sei nach dem Warmmachen beim Gang in die Kabine bespuckt worden.
Breitner, Gerd Müller, Sepp Maier und der Jugoslawe Branko Oblak legen deshalb in der Kabine die Rachestrategie fest: Heute wird richtig Fußball gespielt. Die Zuschauer bei Cruyffs Abschied "bedanken" sich auf ihre Weise: Nach Schlusspfiff werden die Bayern mit Sitzkissen beworfen.
Von einem anderen Stern: Erinnern Sie sich noch an Raymond Domenech? Der war bis 2010 französischer Nationaltrainer. In Frankreich nennen sie ihn auch "verrückter Professor". Wie jenseitig Domenech tatsächlich ist, offenbart die größte Leidenschaft des entraineurs. Domenech nämlich bedient sich der Astrologie, um die beste Aufstellung für seine Mannschaft auszutüfteln. Und wer jemals beim ersten Date nach dem Sternzeichen befragt wurde und kurz danach merkt, wie das Gespräch zügig dem Ende entgegensteuert, der kann sich vorstellen, wie sich Robert Pirès vorgekommen sein muss.
Dem Offensivspieler (und Skorpion) wurde von Domenech bedeutet, er habe keine guten Chancen im Nationalteam. Denn, sagte Domenech, er habe mit Skorpionen keine besonders guten Erfahrungen gemacht: "Die bringen sich am Ende alle gegenseitig um." Ein Faible zeigte der Trainer hingegen für Krebse wie Patrick Vieira, Zinedine Zidane, Fabien Barthez oder Eric Abidal - sie gelten, astrologisch betrachtet, als mannschaftsdienlich.
Der Rückgriff auf die Astrologie kam bei Domenech nicht von ungefähr. In seiner Zeit als Trainer bei Olympique Lyon hatte er hoffnungsvolle junge Spieler in seiner Mannschaft. Doch es wollte - damals noch in der 2. Liga - nicht so recht vorangehen. Als er eines Tages die Sternzeichen seiner Spieler aufschrieb, entdeckte er sieben Skorpione im Kader. Flugs musterte er bis auf einen Torwart und einen Stürmer alle aus - Lyon wurde Zweitligameister, stieg in die Ligue 1 auf und marschierte durch bis in den Uefa-Pokal.
FC Kopornhagen: Ståle Solbakken, bis April 2012 Trainer beim 1. FC Köln, weiß, wie man Spieler zu Höchstleistungen treiben kann. In den Jahren 2006, 2007, 2009, 2010, 2011 holt er mit dem FC Kopenhagen die dänische Meisterschaft. In der Saison 2008/09 bekommt der Coach motivatorische Unterstützung. Zum wiederholten Mal steigt die Firma BN Agentur als Co-Sponsor ein. Das äußerst einträgliche Geschäftsfeld der Firma ist der Vertrieb von Pornofilmen.
Teil der Kooperation mit dem Club ist eine ganz besondere Prämienregelung: Für jeden Sieg bekommt jeder Spieler des Teams zwei DVDs mit Erwachsenenunterhaltung geschenkt. Kopenhagen holt mit 23 Siegen in 33 Meisterschaftsspielen den Titel - macht 46 Porno-DVDs pro Spieler. Ob Trainer Solbakken ebenfalls von dieser Prämienregelung profitiert hat, ist unbekannt.
32 Minuten: Für den Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder ist es erst das dritte Bundesliga-Match. Werder Bremen gegen Hannover 96 am 8. November 1975. Keiner der 21.000 Zuschauer im Weserstadion ahnt, wie schlecht Ahlenfelder und seinen Kollegen die Gans zum Mittag ein paar Stunden zuvor bekommen ist.
Die Unparteiischen haben deshalb samt ihrem von Werder abgestellten Betreuer Richard Ackerschott zum Runterspülen des fettigen Vogels ein paar Pils zuzüglich des ein oder anderen Maltesers benötigt. Entsprechend müde fühlt sich Ahlenfelder im Verlauf der ersten Halbzeit. Er streckt einem Fotografen die Zunge heraus - dann pfeift er zum Pausentee. Nach nur 32 Minuten.
Als der Werder-Spieler Horst-Dieter Höttges heranschreitet und "Ahli" auf den Fehler hinweist, soll sich folgender Dialog zugetragen haben:
Höttges: Schiri, sind Sie sicher, dass schon Halbzeit ist?
Ahlenfelder: Warum denn nicht, Herr Höttges?
Höttges: Mein Trikot, wissen Sie, ist in der Halbzeit immer klitschnass. Und, schauen Sie mal, das ist ja noch fast staubtrocken.
Ahlenfelder besieht sich das Hemd, blickt zu seinem Linienrichter, der auf die Uhr deutet. Also lässt Ahlenfelder weiterspielen, beendet die ersten 45 Minuten dann aber doch 90 Sekunden zu früh.
Manfred, wo sind die Kondome? Es ist lange her, aber ja - der FC 08 Homburg hat mal in der Bundesliga gespielt. Erinnert wird der Club vor allem für seinen Präsidenten Manfed Ommer, einem Mann mit Schnäuzer und Hang zur Selbstdarstellung. In der Saison 1987/88 hat der Club ein Problem, es gibt keinen Hauptsponsor. Erst im Januar 1988 gelingt dem Tabellenletzten endlich ein Deal: 200.000 Mark überweist die London Rubber Company, damit sie auf das Trikot der Homburger kommt. London ist ein Hersteller von Kondomen.
Jetzt hat Homburg das nächste Problem. Der Deutsche Fußball-Bund ist angesichts des Homburger Trikotsponsors aufs Äußerste erregt. Er droht den Saarländern mit Punktabzug, woraufhin die Mannschaft den Namenszug ihres Geldgebers auf den Trikots mit einem schwarzen Balken unsichtbar macht. Die Sache geht schließlich sogar vor das Frankfurter Landgericht. Dessen 13. Kammer urteilt am 12. März 1988, dass die Kondomwerbung nicht sittenwidrig ist, Homburg darf also wieder mit London-Brust auflaufen.
In der Fernsehtalkshow "Drei nach Neun" triumphiert Ommer. "Wenn ich mir die Herren so anschaue", sagt er über die Verbandsfunktionäre, "ergibt es duchaus Sinn, dass sie zwar Werbung für Alkohol genehmigen, die für Kondome aber verbieten." Die richterliche Genehmigung nutzt dem FC 08 Homburg gleichwohl wenig. Am Ende der Spielzeit steigt der Club als Tabellenvorletzter ab.
Der größte Alptraum aller Zeiten: Paulo Moacyr Barbosa Nascimento, kurz Barbosa gerufen, hat in Brasilien tragische Popularität erlangt. Barbosa stand bei der WM-Niederlage von 1950 gegen Uruguay im Tor der Gastgeber. Das Spiel ging als größter anzunehmender Unfall, als nationale Katastrophe in die Fußballgeschichte ein. Bis heute hat es keine schlimmere Niederlage für die Seleção gegeben - bis die deutsche Nationalelf während der WM 2014 mit dem Endstand von 7 zu 1 besiegte.
Die Schuld, die Barbosa am 16. Juli 1950 vor 200.000 Zuschauern im Stadion Maracana in Rio auf sich lud, war nach Meinung seiner Landsleute riesig. 1:1 stand es nach 70 Minuten, das hätte Brasilien gereicht, um erstmals Weltmeister im Fußball zu werden. Doch dann zog der Uruguayer Ghiggia Richtung Strafraum, Barbosa gab sein kurzes Eck frei, Ghiggia traf zum 2:1. Uruguay war Weltmeister.
Nach der fürchterlichen Niederlage stand Barbosa nur noch einmal im Tor Brasiliens. Und auch wenn er zum besten Torhüter des Turniers von 1950 gekürt wurde, für seine Landsleute blieb er jener Mann, der Brasilien ins Unglück gestürzt hatte. Als er 1993 das Trainingslager der brasilianischen Nationalmannschaft besuchen wollte, verwehrte der Verband ihm den Zugang mit der Begründung, er bringe Pech. Dabei hatte er wirklich versucht, den Fluch für immer zu besiegen.
Im Jahr 1963 lud Barbosa Freunde in sein im Norden von Rio gelegenes Haus zum Grillen ein. Die Gäste wunderten sich über die hochaufschießenden Flammen, den Geruch von Farblack und die großen Holzteile, die unter dem Rost brannten. Es waren Torpfosten. Die Pfosten jenes Tores, in das Alcides Ghiggia 13 Jahre zuvor zum 2:1 für Uruguay getroffen hatte.
Null-Fünf: Am 3. Februar 1973 moderiert Carmen Thomas als erste Frau überhaupt das ZDF-Sportstudio und muss gegen eine Menge Vorverurteilungen angehen - im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn bereits zur zweiten von ihr moderierten Sendung erscheint in "Bild am Sonntag" ein Verriss, der geschrieben worden ist, ehe die Sendung überhaupt gelaufen ist. Thomas kontert cool. Sie liest die Vorabkritik der Boulevardzeitung im Sportstudio vor und beginnt so: "Sie brauchen heute nicht zu gucken, weil eine große deutsche Zeitung schon weiß, wie ich heute sein werde."
Ein knappes halbes Jahr später, in der Sendung vom 21. Juli, unterläuft Thomas dann der immer wieder zitierte Fauxpas: "FC Schalke 05 gegen - jetzt hab ich's vergessen - Standard Lüttich." Thomas wird nicht entlassen, wie "Bild" später auf der Titelseite fordern wird. Tatsächlich moderiert die gebürtige Düsseldorferin das Sportstudio weitere anderthalb Jahre lang und gibt die Sendung aus freien Stücken ab, als sie eine Festanstellung bei ihrem Heimatsender WDR erhält.
Der Telefonstreich: Graeme Souness ist ein Mann, dem so leicht keiner etwas vormacht. Der frühere schottische Nationalspieler und Kapitän des FC Liverpool gilt zu seiner aktiven Zeit als kompromissloser Mittelfeldspieler. Und auch als Trainer verlässt sich Souness weniger auf seine Soft Skills. Hätte er mal lieber.
Im Jahr 1996 klingelt beim Trainer von Southampton das Telefon. Der Anrufer gibt sich als George Weah aus, der große Nationalstürmer Liberias. "Weah" lässt Souness wissen, dass Ali Dia, sein 30 Jahre alter Cousin aus dem Senegal, den er ihm wärmstens empfehlen könne, mit ihm schon gemeinsam bei Paris Saint-Germain aktiv gewesen und 13-mal im Nationalteam aufgelaufen sei.
Hätte Souness doch bei Cercle Dijon in Frankreich, beim finnischen Club Pallokerho-35 oder beim VfB Lübeck nachgefragt! Überall war Dia als Gurke durchgefallen. Doch Souness vertraut seinem Bauch und nimmt den angeblichen Ausnahmespieler unter Vertrag. Schnell fallen dessen Defizite auf. Und als Dia schließlich in einem Ligaspiel gegen Leeds United eingewechselt wird, nimmt Souness den unteriridsch auftretenden Senegalesen nach 53 Minuten Spielzeit gleich wieder vom Feld. 14 Tage nach der Unterschrift wird der Vertrag fristlos gekündigt.
Herr Daum und das Gespür für Kokain:
"Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe."
Am 9. Oktober 2000 erklärt Christoph Daum, Trainer beim Bundesligisten Bayer Leverkusen, dass er sich wegen der gegen ihn im Raum stehenden Kokainkonsum-Vorwürfe eine Haarprobe entnehmen lassen will.
"Ich habe Kokain zu mir genommen."
Am 12. Januar 2001 erklärt Christoph Daum, inzwischen nicht mehr Trainer von Bayer Leverkusen, dass er am 9. Oktober (und bei einigen anderen Gelegenheiten) nicht die Wahrheit gesagt hat.
"Das war ein Fehler, das habe ich mir anders vorgestellt."
Christoph Daum am 12. Januar 2001 zu der von ihm veranlassten Haarprobe, deren Überprüfung auf Kokainkonsum am 20. Oktober 2000 ein positives Ergebnis erbracht hat.
Paolo Maldini, zweiter Sieger: Der einstmals beste Verteidiger der Welt, der in seiner Karriere außer dem Trikot des AC Milan nur das der italienischen Nationalmannschaft getragen hat, hält einen beängstigenden Rekord. Insgesamt 17(!) zweite Plätze hat Maldini in seiner langen Karriere belegt:
Italienischer Vizemeister (1990, 1991, 2005)
Italienisches Pokal-Finale (1990, 1998)
Italienisches Supercup-Finale (1996, 1999, 2003)
Champions-League-Finale (1993, 1995, 2005)
Weltpokal-Finale (1993, 1994, 2003)
Europäisches Supercup-Finale (1993)
Europameisterschaft-Finale (2000)
Weltmeisterschaft-Finale (1994)
Ein Schiri sieht Rot: Der Schiedsrichter Andy Wain schreibt im Januar 2005 Geschichte. Er ist der erste Mann in Schwarz, der sich in der mehr als 150-jährigen Geschichte des Spiels selbst vom Platz stellt. Beim Sunday-League-Amateurkick zwischen Peterborough North End und Royal Mail AYL kommt es nach dem 2:1-Treffer für die Gäste in der 63. Minute zum Eklat. Nach Ansicht von Peterboroughs Torwart Richard McGaffin ist dem Tor ein Foul vorausgegangen. Deswegen ist er stinksauer und beschimpft Schiri Andy Wain: "Es ist doch immer die verdammte gleiche Scheiße mit euch, Schiri - wir kriegen von euch nie was."
Man kann sich wirklich schlimmere Beleidigungen als diese vorstellen, doch was Keeper McGraffin nicht ahnen kann: Der 39-jährige Unparteiische, der sein Geld im wahren Leben als Lkw-Fahrer verdient, hat mit ein paar privaten Problemen klarkommen müssen. Entsprechend geladen ist er und will die Anmache des Torwarts nicht auf sich sitzenlassen. Also wirft Wain seine Pfeife weg, krempelt sein Hemd hoch und marschiert auf den Schlussmann zu.
Auf dem Weg dorthin allerdings stoppt Wain abrupt. Dann zückt er seine Rote Karte und verweist sich selbst des Feldes. "Es war völlig unprofessionell", kommentiert Wain seinen Ausraster später. "Wenn das ein Spieler gemacht hätte, hätte ich ihn des Feldes verwiesen, also musste ich gehen." Das Spiel wird abgebrochen.
Die Papierkugel Gottes: Was hatten sich die Fans des Hamburger SV auf diese Heimpartie gefreut. 7. Mai 2009, Rückspiel im Uefa-Pokal-Halbfinale gegen den alten Rivalen aus Bremen. Etwas mehr als 80 Minuten sind gespielt, es steht 1:2 aus Hamburger Sicht - ein Tor fehlt dem HSV, um ins Finale einzuziehen. Alles ist offen.
Es ist reine Routine, als Hamburgs dänischer Abwehrspieler Michael Gravgaard kurz vor der eigenen Grundlinie den Ball zu seinem Torwart Frank Rost passen will. Doch kurz bevor Gravgaard den Ball mit seinem linken Fuß treffen kann, rollt das Spielgerät gegen eine auf dem Platz liegende Papierkugel und hebt ab. Gravgaard erwischt den Ball nur noch mit dem Schienbein - es gibt Ecke für Werder.
Gravgaard ist sauer und kickt das Papierteil über die Torauslinie, das von einem HSV-Fan zusammengeknüllt und aufs Spielfeld geworfen worden war. Warum die "Papierkugel Gottes" heute ihren Ehrenplatz im Museum des SV Werder Bremen hat, erklärt sich aus dem, was dann geschieht: Die Ecke von Werders Diego landet über Umwege bei Werders Kapitän Frank Baumann, der zum 3:1 trifft und das Aus des HSV besiegelt.
Ein Tor reicht: Alania Wladikawkas schafft in der Saison 2010/11 ein ganz besonderes Kunststück. Der russische Zweitligist qualifiziert sich für die Europa League und benötigt dafür nur ein einziges Tor.
Und das geht so: Alania erreicht das russische Pokalfinale, nachdem der Club in den Partien dorthin jeweils nach 0:0 und Verlängerung die Elfmeterschießen gewonnen hatte. Bis auf das Viertelfinale. Bevor dieses ausgetragen werden kann, muss Alanias Gegner, Saturn Moskau, Insolvenz anmelden. Die Partie wird mit 3:0 für Alania gewertet.
Im Finale trifft Alania dann auf den großen ZSKA Moskau. Der hat sich allerdings als Vizemeister 2010 bereits für die Europa League der Saison 2011/12 qualifiziert - das bedeutet, dass auch der Pokalfinalist einen Platz im Europacup sicher hat. Alania verliert prompt das Endspiel, schießt aber beim 1:2 sein allererstes Wettbewerbstor.
Der Torwart mit dem Geheimnis: Marcos Roberto Silveira Reis, genannt Marcos, steht bei der Weltmeisterschaft 2002 vor allem deswegen im Tor des späteren Weltmeisters Brasilien, weil sein ehemaliger Vereinstrainer Luiz Felipe Scolari nun die Seleção coacht. Doch selbst der Coach der Brasilianer ahnt nichts von dem Geheimnis seines Lieblingsschülers.
Ein paar Jahre vor der WM 2002 hat Marcos sich das Handgelenk gebrochen, die Fraktur ist seitdem nie wieder verheilt. So hat der Keeper im Lauf der WM-Endrunde in Japan und Südkorea täglich mit Schmerzen zu kämpfen, manchmal kann er gar nicht trainieren, geschweige denn im Spiel den Ball richtig packen. Immer wieder nimmt sich Marcos vor, Scolari von dem Problem mit seinem Hangelenk zu berichten, aber er schafft es nicht.
So wird ein Torwart mit einem kaputten Handgelenk Weltmeister, was Brasilien weniger den Leistungen von Marcos als seinen Vorderleuten verdankt. Torhüter des Turniers wird übrigens der Deutsche Oliver Kahn.
Moskitohirn: Vinnie Jones ist berühmt geworden durch seine brutalen Fouls, die dem Verteidiger des FC Wimbledon, hier beim Tackling gegen den Franzosen Eric Cantona, den Beinamen "die Axt" einbrachten. Berühmt geworden ist er auch durch ein Foto, das ihn zeigt, wie er Paul Gascoigne ins Gemächt greift. Aber für die größte Aufregung sorgt Jones mit einem Video.
"Soccer's Hard Men" heißt das Machwerk, das im Oktober 1992 in den Handel kommt und in Großbritannien für einen Aufschrei der Entrüstung sorgt. Denn in dem 78 Minuten langen Video posiert Jones in einem ledernen Clubsessel und feiert die größten Treter des Fußballs. Kompromisslose Typen wie Graeme Souness, Nobby Stiles und natürlich sich selbst.
Am 30. September 1992, knapp drei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart des Videos, wird Jones vom Verband für schuldig befunden, das Spiel in Verruf gebracht zu haben, und mit einer Rekordgeldbuße von 20.000 Pfund und vier Spielen Sperre belegt. Die Spielergewerkschaft versucht, ein Verkaufsverbot gegen das Video durchzusetzen, scheitert aber. Der Präsident von Jones Club Wimbledon, Sam Hammam, distanziert sich aufs Schärfste von dem Video und bezeichnet Jones als "mosquito brain" (Moskitogehirn).