Piratenbraut Keira Knightley "Ich bin eine kleine Rebellin"
SPIEGEL ONLINE:
Frau Knightley, Sie haben bisher vorwiegend in kleineren Independent-Produktionen wie "Kick It Like Beckham" oder "The Hole" gespielt. Warum wollten Sie bei einem Hollywood-Spektakel wie "Flucht der Karibik" mitmachen?
Keira Knightley: Das war eher eine Idee meines Agenten. Ich hab das Ganze gar nicht richtig ernst genommen. Beim ersten Vorsprechen kam ich ohnehin zwanzig Minuten zu spät. Und ich rechnete gar nicht damit, so eine Rolle zu kriegen. Der einzige Reiz für mich war, dass ich wegen dieses Films nicht zurück aufs College musste.
SPIEGEL ONLINE: Ist es am College so schlimm?
Knightley: Überhaupt nicht. Ich studiere Kunstgeschichte und englische Literatur, und das macht mir ziemlich viel Spaß. Aber so ein Film ist einfach eine wunderbare Abwechslung.
SPIEGEL ONLINE: Was bietet bessere Abwechslung: Ein Hollywood-Streifen oder ein kleiner, unabhängiger Film?
Knightley: Bei einem Hollywood-Film geht alles viel langsamer zu. Man braucht Ewigkeiten, um eine Szene vorzubereiten, und du musst die ganze Zeit warten. Bei kleinen Produktionen dagegen bist du nur am Herumhetzen. Andererseits gibt es bei einem Projekt wie "Fluch der Karibik" absolut surreale Erlebnisse: Du gehst nach draußen und siehst auf einmal lauter Piratenschiffe. Im nächsten Moment wird eines dieser Schiffe in die Luft gejagt. Und du denkst dir: Ist eben Hollywood. Da sprengen sie Schiffe, wenn sie's nötig haben.
SPIEGEL ONLINE: Ihre eigenen Szenen in "Fluch der Karibik" sind auch recht spektakulär. Wie ist es denn so, mit Piraten und Skeletten zu kämpfen?
Knightley: Wie in der Pantomimeklasse an der Theaterschule. In einer Szene wehre ich mich mit einem Stock gegen ein paar Angreifer. Nach ein paar Einstellungen muss ich das ohne die anderen Darsteller machen; stattdessen werden später Computerkreaturen eingefügt. Aber dann nimmt man mir auch noch den Stock weg, und ich kämpfe mit Nichts gegen Niemand. Da habe ich mir nur gedacht: Warum hast du im Pantomime-Unterricht nicht besser aufgepasst?
SPIEGEL ONLINE: Johnny Depp war zum Glück in Realform präsent. Waren Sie nervös?
Knightley: Und wie! Es war mir so peinlich. Ich habe mich dann schnell an ihn gewöhnt, aber gleichzeitig haben mich meine Freundinnen ständig angerufen. Einige sind hoffnungslos in ihn verliebt. Sie wollten wissen, wie er so ist. Ich sagte: Er ist cool. - Aber das hat ihnen nicht gereicht. Ist er denn hinreißend, fragten sie. - Natürlich ist er das. Aber im Endeffekt ist er einfach ein netter Mensch, der immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.
SPIEGEL ONLINE: Sie selbst stehen jetzt auch vor einer Karriere als Hollywood-Star. Zum "Fluch der Karibik" soll es eine Fortsetzung geben. Demnächst spielen Sie die weibliche Hauptrolle in einem "König Arthur"-Abenteuer. Haben Sie die Koffer nach Los Angeles schon gepackt?
Knightley: Diese Stadt ist nichts für mich. Als ich zum ersten Mal für längere Zeit dort war, verwandelte sich mein Gehirn zu Brei. Ich ging auf eine absurde Einkaufstour und legte mir lauter Klamotten zu, die nicht passten. Eine Katastrophe. Ich ließ mir sogar Pediküre und Maniküre machen. Etwas, das überhaupt nicht mein Stil ist. Meine Freundinnen würden mich umbringen, wenn sie das wüssten.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich auch das "Fluch der Karibik"-Szenario in Disneyland angesehen?
Ja, aber der Film ist nur inspiriert davon und hat sonst nichts weiter damit zu tun. Zum Glück, muss ich sagen. Denn die Mädchen dort sind alle Schwächlinge. Die werden nur rumgejagt und schlagen nicht zurück. Ich dagegen würde richtig kämpfen. Vielleicht sollten sie mich da reinstecken.
SPIEGEL ONLINE: Sind Sie denn so eine große Kämpferin?
Knightley: Ich bin eine kleine Rebellin. Zumindest denke ich das. Vielleicht hat meine Mutter da eine andere Meinung. "Fluch der Karibik" wäre mir jedenfalls viel zu langweilig gewesen, wenn ich das hilflose Dämchen hätte spielen müssen. SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie haben Ihre Kampfszenen genossen.
Knightley: Genießen ist nicht das richtige Wort. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele davon drehen müsste. Von der ganzen Piratenklopperei hatte ich ständig Muskelkater. Ich muss zugeben: In Wirklichkeit bin ich ein furchtbar faules Wesen.
Das Interview führte Rüdiger Sturm