Konsumkontrolle Kinder-Handys an der langen Leine
Der US-Mobilfunkanbieter AT&T kann nicht nur auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken, die auf den Telefonpionier Alexander Graham Bell zurückgeht. Das Unternehmen setzt auch heute noch Maßstäbe. Zuletzt bescherte die exklusive iPhone-Partnerschaft mit Apple einen massiven Kundenzuwachs. Und auch der neueste AT&T-Service dürfte weltweit Nachahmer finden: Mit dem Dienst namens "Smart Limits" können Eltern die Telefonnutzung ihrer Kinder umfassend und flexibel reglementieren.
Smart Limits kann als Ergänzung zu allen AT&T-Verträgen für rund fünf Dollar im Monat gebucht werden. Dafür können Eltern über ein Web-Interface genau regeln, wann und wie viel ihre Kinder telefonieren oder SMS nutzen können. Dazu können bestimmte Telefonnummern geblockt, oder sämtliche Verbindungen per Positivliste auf bestimmte die Nummern beschränkt werden.
Universell aber flexibel
Der AT&T-Dienst hebt sich von zahlreichen anderen Angeboten für besorgte Eltern vor allem dadurch ab, dass die Regeln ständig und unkompliziert der aktuellen Situation angepasst werden können: So kann beispielsweise ein Handy-Verbot zu Unterrichtszeiten per Fernabschaltung effektiv durchgesetzt werden. Nach der Schule sind die Kinder trotzdem wieder erreichbar. Auch Umsatzlimits können exakt nach den Bedürfnissen von Eltern und Kindern gestaltet werden, also wesentlich genauer als mit Wertkartenverträgen.
Als Zusatzdienst eines führenden Mobilfunkanbieters hat der AT&T-Service zudem den Vorteil, dass Eltern keinen speziellen Handy-Vertrag abschließen müssen, wenn sie das Telefonverhalten ihrer Sprösslinge kontrollieren wollen. Entsprechende, speziell auf Kinder zugeschnittene Angebote bieten in der Regel auch eine Ortungsfunktion an - was viele Eltern aber als zu viel Überwachung empfinden. Gleichzeitig kann mit den Services, hierzulande beispielsweise Toggo Mobile oder trackyourkid.de, das Telefonverhalten nur recht grob, etwa durch Minutenlimits, geregelt werden.
Handys mit Kindersicherung
Während US-Kinder bzw. -Teenager den neuen AT&T-Service wahrscheinlich als besonders lästigen Eingriff in ihre Selbstbestimmung empfinden werden, dürften ihn konservative Politiker als nachahmenswert begrüßen: So plädierte im April diesen Jahres die nordrhein-westfälische CDU für eine obligatorische Jugendschutz-Funktion an Handys und mobilen Spielkonsolen. Mit einer Kontrollfunktion nach dem AT&T-Vorbild könnte auch das Handy-Verbot an bayerischen Schulen problemlos werden.
Die Mobilfunkanbieter haben die Forderungen nach besonderen Einschränkungen für Kinder und Jugendliche unterdessen immer abgelehnt - offensichtlich weil sie um die Umsätze durch konsumfreudigen Teenager fürchten. Perspektivisch dürfte sich diese Betrachtungsweise aber als kurzsichtig herausstellen, denn auf Dauer wird ein Angebot nach Art der AT&T-Lösung mittels Kundenbindung auch wirtschaftlich lohnend sein.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler