Streit unterm Zuckerhut Karnevalswagen zu sexy - Sittenwächter schreiten ein
Rio de Janeiro - Die Figuren des Anstoßes sind zwar nur aus Gips. Dennoch erregen sie die Gemüter weit mehr, als die Zehntausenden barbusigen Tänzerinnen, die jedes Jahr beim Karneval durch die Straßen Rios ziehen: Die Paarung von Adam und Eva ist da auf einem Wagen der Sambaschule "Grande Rio" zu sehen und auch die 64 Stellungen der indischen Liebeskunst Kamasutra.
"Unanständig und inakzeptabel", kritisiert Rios Erzbischof Eusebio Scheid die Figuren. "Pornografie pur" nennt Staatsanwältin Andrea Amim die Puppen und begründet das Verbot der Wagen damit, dass auch Kinder den Umzügen beiwohnen.
Der Künstler, der die Figuren in erotischen Posen geschaffen hat, kann das nicht glauben: Das sei "eine ungerechtfertigte Zensur", schimpft Joãosinho Trinta. Seine Wagen will er trotz des Verbotes fahren lassen, schließlich passen sie so gut zum Thema der Samba-Schule: "Vamos vestir a camisinha!" (Lass uns das "Hemdchen" anziehen - wie Präservative in der Umgangssprache genannt werden).
An dem Kondom-Titel zumindest kann es nicht liegen, dass die Wagen verboten werden sollen. Schließlich lässt die Regierung zur Party elf Millionen "Hemdchen" kostenlos verteilen.
Trinta will die Wagen auf keinen Fall zurückziehen. Er plant, die Figuren mit Blumen oder Schleiern teilweise zu verdecken.