Kindesmissbrauch Regensburger Bischof wäscht seine Hände in Unschuld
Regensburg - Er habe den einschlägig vorbestraften Priester zwar wieder als Seelsorger eingesetzt. Aber "die Verantwortung für eine Straftat trägt der Täter. Ich bin nicht verantwortlich für alles, was unsere Geistlichen und Mitarbeiter tun", sagte der Oberhirte heute auf einer Pressekonferenz in Regensburg. Der Bischof sagte, er sei tief erschüttert über die Vorfälle, und versprach den betroffenen Kindern und Eltern jede Hilfe.
"Es besteht leider der begründete Verdacht, dass er sich an einem Kind Übergriffe in dessen Intimsphäre hat zuschulden kommen lassen", sagte Müller. Dass ein der Keuschheit verpflichteter geweihter Diener Gottes das getan habe, sei umso empörender.
Der Pfarrer habe bereits 1999 eine ähnliche Straftat in einer anderen Gemeinde verübt. Nach einer Therapie und dem Ablauf der Bewährungszeit habe er den sehr beliebten Pfarrer deshalb 2004 als Seelsorger in Riekofen eingesetzt, sagte der Bischof. "Die Entscheidung war also verantwortet, auch wenn das wohlbegründete Vertrauen auf schreckliche Weise missbraucht wurde." Gegen die Richtlinien der deutschen Bischofskonferenz, wonach verurteilte pädophile Pfarrer nie wieder in der Jugendseelsorge eingesetzt werden sollen, habe er nicht verstoßen, sagte Müller.
Der Gutachter habe von einer einmaligen Tat gesprochen und bescheinigt, dass der Pfarrer "keine pädophile Fixierung habe" und keine Bedenken gegen einen Wiedereinsatz bestünden. "Wenn Jesus auch den schlimmsten Sündern verziehen hat, wie konnte man dem Pfarrer da eine zweite Chance versagen", argumentierte Müller.
Der frühere Pfarrer von Riekofen sitzt in Untersuchungshaft, weil er einen Ministranten mehrmals sexuell missbraucht haben soll. Der Geistliche ist wegen ähnlicher Vergehen an zwei Jungen in einer anderen Gemeinde bereits einschlägig vorbestraft. Dennoch wurde er von Bischof Müller erneut als Gemeindepfarrer eingesetzt. Die Betroffenen wurden nach Informationen des SPIEGEL mit Geld zum Schweigen veranlasst. Erst über Umwege kam der Skandal ans Licht der Öffentlichkeit. Bischof Müller steht seitdem scharfen Protesten gegenüber.
mik/AP/ddp