Zum Inhalt springen
SPIEGEL ONLINE

Mogadischu Anschlag auf Gericht - Explosion am Flughafen

Bewaffnete Terroristen haben das Gericht in Somalias Hauptstadt Mogadischu attackiert. Augenzeugen berichten von Schüssen und Explosionen. Die Angreifer sollen sich im Gebäude verschanzt haben und Geiseln halten. Auch aus der Nähe des Flughafens werden Detonationen und Schusswechsel gemeldet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mogadischu/Hamburg - Die seit Sonntagmittag laufende Attacke gegen das Gericht in der somalischen Hauptstadt Mogadischu könnte Teil einer größer angelegten terroristischen Offensive sein. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete kurz nach 14 Uhr mindestens eine weitere Explosion am oder in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt, Soldaten sollen dort in Feuergefechte verwickelt sein. Anwohner berichten von dicken Rauchwolken über dem Flughafen.

Offenbar richtet sich dieser Angriff gegen ein Gebäude, das vom somalischen Geheimdienst genutzt wird. Eine Autobombe soll vor dem Tor des Gebäudes, das an der Straße zum Flughafen liegt, explodiert sein, als gerade Fahrzeuge von türkischen und Soldaten der Afrikanischen Union, die in Mogadischu als Friedenstruppen eingesetzt werden, passierten. Kurz darauf blockierten Regierungssoldaten die Straße und eröffneten das Feuer. Über Opfer und Schäden ist bisher nichts weiteres bekannt.

Der Beginn des Terror-Sonntags: Angriff auf Somalias höchstes Gericht

Gegen 12.30 Uhr am Sonntagmittag hatte eine Attacke auf das Gebäude des Gerichtes von Mogadischu begonnen. Amtlichen Angaben zufolge sollen bisher mindestens zehn Menschen ihr Leben verloren haben, die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mindestens 16 Toten, die am und um das Gebäude zu sehen seien.

Wahrscheinlich stehen radikalislamistische Terroristen hinter dem Angriff. Sie haben sich offenbar im und auf dem Gebäude verschanzt und sollen eine nicht geklärte Zahl von Geiseln halten. Gegen 14 Uhr gelang es einigen Personen aus dem umkämpften Gebäude zu fliehen, die sich in einem abgeschlossenen Raum versteckt gehalten haben sollen.

Teils widersprüchlichen Schilderungen von Augenzeugen zufolge begann die Attacke gegen Mittag mit zwei Selbstmordattentätern oder Autobomben, die die Sicherheitskräfte am Eingang des Gerichtes töteten.

Kurz darauf drangen angeblich insgesamt elf bewaffnete Männer in das Gebäude ein, worauf ein Schusswechsel folgte. Mit Sicherheitskräften und Soldaten liefern sich die Angreifer seit mehr als zwei Stunden ein fortdauerndes Feuergefecht. Einige der Angreifer sollen sich auf dem Dach des Gebäudes verschanzt haben.

Bereits kurz nach Beginn der Attacke bestätigte auch Mohamed Yusuf, ein Sprecher der Regierung von Somalia, den Angriff. Die Sicherheitskräfte, so der Sprecher, hätten "reagiert" und befänden sich im Gefecht mit den Angreifern.

Dem bisher detailliertes Zeugenbericht zufolge traten die Angreifer zum Teil in Uniformen staatlicher Behörden auf. Aden Sabdow, der im an das Gericht angrenzenden Bürgermeisteramt arbeitet, will sieben Männer in "staatlichen Uniformen" gesehen haben. Sie sollen in den Verhandlungssaal des Gerichtes eingedrungen sein und dort Geiseln genommen haben. Inzwischen haben ungandische Soldaten des afrikanischen Friedenscorps in Mogadischu den Gerichtskomplex weiträumig abgesperrt.

Nach Angaben eines somalischen Geheimdienstoffiziers soll es sich bei den Angreifern um Mitglieder der gegen die Regierung kämpfenden islamistischen Shebab-Miliz handeln. Diese Miliz hatte Teile von Mogadischu über längere Zeit unter Kontrolle, wurde aber zuletzt durch Regierungstruppen aus der Hauptstadt Somalias verdrängt.

Anschläge gegen die Stabilisierung des Landes

Mit wieder verstärkten terroristischen Aktivitäten vor allem Seitens radikal-islamischer Milizen wie der al-Kaida-nahen al-Shebab war seit längerem gerechnet worden. Mit zunehmender internationaler Akzeptanz der Regierung unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud zeichnete sich eine Entscheidung im seit über 20 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Somalia ab. Es wird befürchtet, dass verschiedene Fraktionen im schwer zu überschauenden somalischen Bürgerkrieg versuchen werden, die zuletzt erhoffte Normalisierung der Lage zu hintertreiben.

So warnte am 6. April in äußerst deutlicher Form das britische Außenministerium vor der wachsenden Gefahr von terroristischen Anschlägen in Somalia. Es forderte alle Briten auf, das Land zu verlassen. Als Grund wurden konkrete Hinweise auf fortgeschrittene Pläne von Terroristen für Anschläge in der Hauptstadt Mogadischu genannt. Auch die Gefahr von Entführungen sei weiterhin groß. Zudem gebe es Hinweise auf eine Bedrohung von westlichen Ausländern in der Provinz Somaliland. Das Ministerium riet von Reisen in das ostafrikanische Land ab.

So wie das deutsche Auswärtige Amt. Dort wird die Sicherheitslage in Somalia weiterhin als "sehr schlecht" bezeichnet. Wörtlich heißt es beim Auswärtigen Amt: "Reisende nach Somalia gehen ein sehr hohes Sicherheitsrisiko ein."

In Somalia herrschte seit den frühen 1990er Jahren Bürgerkrieg. Im September 2012 übernahm die Regierung unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud die Amtsgeschäfte. Sie wird unter anderen von den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union unterstützt. Am 8. April hatte zudem die US-Regierung entschieden, die somalische Regierung mit militärischen Lieferungen und Hilfsleistungen unterstützen zu wollen. Die Amerikaner wollen mit Ausrüstung und Ausbildern zur Stabilisierung der Lage beitragen.

Kurz darauf erfolgte die Anerkennung der somalischen Regierung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF). Damit sei der Weg für die Wiederaufnahme der Beziehungen nach 22 Jahren Unterbrechung geebnet, teilte der IWF am Freitag in Washington mit.

Mit der am Freitag ausgesprochenen Anerkennung kann der Währungsfonds dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land in Ostafrika technische Unterstützung und politische Beratung zukommen lassen. Da Somalia dem Internationalen Währungsfonds noch etwa 352 Millionen Dollar (knapp 269 Millionen Euro) schulde, könne das Land aber zur Zeit keine Kredite vom IWF bekommen, heißt es in der IWF-Mitteilung im Internet.

pat/AP/dpa/Reuters

Mehr lesen über