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Olympia-Bewerbung: Hamburg mit Vorsprung auf der Zielgeraden

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Berlin oder Hamburg: Der Zweikampf beider Städte um die Olympia-Kandidatur für die Spiele 2024 geht in die entscheidende Phase. Während der Enthusiasmus in der Hansestadt groß scheint, sind in der Hauptstadt die Schultoiletten wichtiger.

Berlin mag viele Probleme haben, fehlendes Selbstvertrauen gehört nicht dazu. "International versteht es kein Mensch, dass Berlin sich überhaupt in den nationalen Wettbewerb begeben muss", sagt Klaus Böger. Er war mal Senator in Berlin, Fraktionschef der SPD im Roten Rathaus, ein Strippenzieher. Heute nennt man das Netzwerker.

Böger ist Chef des Landessportbundes und damit das Sprachrohr für die Berliner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024. In dieser Eigenschaft muss Böger Optimismus verbreiten, ob angebracht oder nicht.

Berlin oder Hamburg? So lautet die Frage bei der Bewerbung für die Spiele 2024. Ein Vorkampf, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im März entscheiden will. Ausschlaggebend dafür wird wohl das Stimmungsbild der Menschen in beiden Städten sein, das von Sonntag an vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des DOSB eingeholt wird.

Wer in der Gunst der Bevölkerung deutlich vorne liegt, wird wohl den Zuschlag bekommen und sich dann der internationalen Konkurrenz wie Boston stellen. Und das dürfte beim gegenwärtigen Stand der Dinge wohl eher Hamburg sein.

Sanierung der Schultoiletten das wichtigere Thema

Auch wenn die Berliner stetig darauf hinweisen, dass man nachhaltige Spiele anstrebe und die meisten Olympiastätten ja schon vorhanden seien - tatsächlich haben die Verantwortlichen die Bewerbung wochenlang eher als eine Senatsdrucksache verwaltet, statt als Ereignis behandelt, das die gesamte Region verändern kann. Die Sanierung der Schultoiletten war zeitweilig das wichtigere Thema in der Stadt.

Die Berliner Olympia-Werber sprechen zwar nach wie vor von einer "leidenschaftlichen und engagierten Kandidatur". In der Stadt selbst ist davon aber wenig zu merken. Auch wenn dank einer Initiative der Sportverbände und -vereine immerhin 100.000 Unterschriften pro Berlin gesammelt werden konnten.

Sie zumindest wollen die Spiele: Die Maskottchen der Berliner Sportvereine Zur Großansicht
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Sie zumindest wollen die Spiele: Die Maskottchen der Berliner Sportvereine

Selbst der Widerstand der "Nolympia"-Initiative, welche die Spiele rundweg ablehnt, kommt in der Hauptstadt eher lahm daher. Zwar traten die Gegner bei einem öffentlichen Bürgerforum zu dem Thema in der Vorwoche pflichtgemäß lautstark auf, warfen eine Stinkbombe in den Raum und sorgten dafür, dass eine Diskussion kaum zustande kam. Von einer echten Mobilisierung gegen Olympia kann man aber nicht sprechen. Der Stadt scheint das Ereignis einfach zu weit entfernt. Das offizielle Motto heißt "Wir wollen die Spiele" - aber das echte Wollen empfinden die Wenigsten.

Zahl der Befürworter in Hamburg steigt

In Hamburg, so scheint es, ist die Olympiabegeisterung ungleich größer. Überall in der Stadt prangt das Logo der Bewerbung mit dem Schriftzug: "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg". Trotz der bekannten Kritik an Olympischen Spielen (Kosten, Intransparenz) wurde das Thema im Wahlkampf vor der Bürgerschaftswahl kaum einmal kontrovers diskutiert. Die Politik war sich parteiübergreifend einig, dass Hamburg die Spiele braucht.

So viel öffentlich vorgelebter Enthusiasmus färbt offenbar auch auf die Bevölkerung ab. Sprachen sich im Herbst 53 Prozent der Hamburger für Olympische Spiele in ihrer Stadt aus, waren es im Januar schon 62 Prozent.

Hamburgs Olympiazentrum auf einer Elbinsel

"Das Olympia-Konzept stößt auf breite Zustimmung", behauptet Hamburgs Sportsenator Michael Neumann. Herzstück der Pläne ist dabei der Kleine Grasbrook, eine rund 110 Hektar große Elbinsel gegenüber der östlichen HafenCity. Dort sollen das Olympiastadion, die Olympia- und Schwimmhalle, sowie das olympische Dorf entstehen. All das müsste neu gebaut werden, dazu ein Rugbystadion im Volkspark und eine Wildwasserstrecke in Wilhelmsburg. Alle anderen rund 25 Sportstätten gibt es bereits, sie sollen im Fall des Zuschlags für Hamburg modernisiert werden.

Theatermacher Corny Littmann: Trommeln für Spiele in Hamburg Zur Großansicht
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Theatermacher Corny Littmann: Trommeln für Spiele in Hamburg

Für die Sportstätten sind etwas mehr als zwei Milliarden Euro veranschlagt, eine Summe, mit der auch Berlin kalkuliert. Und Hamburg ist peinlichst darauf bedacht, auf die Kosten zu achten. "Eine zweite Elbphilharmonie wird es nicht geben", betont Neumann bei nahezu jedem öffentlichen Auftritt.

Der SPD-Politiker weiß, wie empfindlich die Hamburger bei großen Bauvorhaben sind, seit der Konzertsaal an der Elbe zum Millionen-Loch geworden ist. Daher plant die Stadt für jede Anlage, die für Olympia gebaut oder modernisiert wird, ein Anschlusskonzept. "Unser Ziel ist es, schon bei der Planung den Mietvertrag für die spätere Nutzung in der Tasche zu haben", sagt Neumann.

Auch die Elbe spielt eine zentrale Rolle in den Plänen. Zwischen Festland und Kleinem Grasbrook soll der Verkehr fast ausschließlich auf dem Wasser abgewickelt werden. Fast alle Sportstätten befinden sich in einem Radius von zehn Kilometern. Spiele am Wasser und der kurzen Wege: Das sind die Kernpunkte, mit denen sich Hamburg von Berlin absetzen will.

Aufgegeben hat man in Berlin trotzdem noch nicht. "Wir sind in der letzten Kurve, und wir kommen mit Schwung heraus", sagt Herbert Gierker, bei der Senatsverwaltung zuständig für die Bewerbung. Michael Stiebitz, Präsident des Berliner Hockey-Clubs, formuliert die sportliche Zielvorgabe: "Die Hamburger auf der Zielgeraden weghauen."

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Wichtigeres
ski123 20.02.2015
denke mal auch Hamburg hat wichtigere Baustellen als ein Qlympia Bewerbung, oder haben die soviel Geld übrig, die hängen doch auch am Tropf vom Länderfinanzausgleich. D hat überhaupt zu viele offene Baustellen als daß sich irgend eine Stadt dafür bewerben könnte.
2. Bin für zweite Chance ...
kobl 20.02.2015
... für Berlin und Kiel! 1936 war eine Nazi-Schande mit faschistisch grüßenden Franzosen - demokratische Rehabilitation ist dringend notwendig. 1972 war ein Reinfall für Kiel - die Trauer über die Opfer des palästinensischen Terrors überwog am Ende. Die beiden Städte sollten im geeinten, demokratischen Deutschland noch einmal zeigen können, was sie bieten können!
3. Nicht nur Kosten und Intransparenz
SeL_ 20.02.2015
Ich kann nicht begreifen, dass man noch für irgendeinen Ort eine Olympia-Bewerbung anstreben kann. Die Gründe, die für mich weit wesentlicher sind als Kosten und Intransparenz, sind in einem Blogposting „Warum ich gegen die olympischen Spiele in Berlin bin“ (http://mitvergnuegen.com/2015/warum-ich-gegen-die-olympischen-spiele-berlin-bin/) besser beschrieben, als ich es hier ausdrücken kann, und sie gelten trotz des Titel überall, nicht nur in Berlin. Olympia ist eine feindliche Übernahme des öffentlichen Raumes und demokratischer Grundrechte. Ich hoffe, dass eine deutsche Bewerbung im Vergabeprozess scheitert, aber nötig wäre eigentlich, dass Kandidatenorte aus Protest sich gar nicht erst bewerben.
4. -
fördeanwohner 20.02.2015
Das Olympia-Fieber hat auch schon das Umland erreicht. Schleswig-Holstein ist sehr daran interessiert, erneut die Segelwettbewerbe ausrichten zu dürfen. Kiel oder Travemünde stehen in den Startlöchern. Bei Umfragen sollte man also sowohl S-H als auch Niedersachsen, wo Reitsportwettbewerbe ausgetragen werden würden, miteinbeziehen. Die Zustimmung wäre wahrscheinlich noch größer. Ich hoffe jedenfalls, dass es Hamburg wird, sowohl aus finanziellen als auch aus lokalpatriotischen Gründen. Und da in Kiel ansässig, wünsche ich mir selbstverständlich Kiel als Austragungsort der Segelwettbewerbe;-)
5. Schultoiletten SIND wichtiger
keery 20.02.2015
Und in Berlin wird auch noch damit geworben, dass wir die Spiele im Namen unserer Kinder nach Berlin holen sollten. Bei den Milliarden an Schulden und dem jüngst erst wieder bestätigten Prädikat "Deutschlands Armutshauptstadt", weil 20% der Bevölkerung auf staatliche Hilfen angewiesen sind und ca. 200.000 Kinder (gem. Kinderschutzbund) unter der Armutsgrenze leben, muss man sich echt fragen, ob das ein Karnevalsscherz sein soll.
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1992 Barcelona (Spanien)
1988 Seoul (Südkorea)
1984 Los Angeles (USA)
1980 Moskau (Sowjetunion)
1976 Montréal (Kanada)
1972 München (Deutschland)
1968 Mexiko-City (Mexiko)
1964 Tokio (Japan)
1960 Rom (Italien)
1956 Melbourne (Australien)
1952 Helsinki (Finnland)
1948 London (Großbritannien)
1936 Berlin (Deutschland)
1932 Los Angeles (USA)
1928 Amsterdam (Niederlande)
1924 Paris (Frankreich)
1920 Antwerpen (Belgien)
1912 Stockholm (Schweden)
1908 London (Großbritannien)
1904 St. Louis (USA)
1900 Paris (Frankreich)
1896 Athen (Griechenland)


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